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Dann war es nicht mehr nett...

Mittwoch, 22. April 2009, 19:06 Uhr
Es sollte heute eigentlich eine friedliche Sitzung des Nordhäuser Stadtrates werden, diese letzte in dieser Legislaturperiode. Doch da hatten die Optimisten weit gefehlt, schließlich ist bald Wahlkampf und jeder traute sich aus der Deckung...


Man startete sanft in die Anfragen der Stadtratsmitglieder. Karin Busch (CDU) kämpfte für die Freiwillige Feuerwehr in Hörningen, der alte Robur würde nur ab und zu anspringen, was einen Einsatz mitunter zur Farce machen würde. Sven Lutze (CDU) wollte etwas zum Lindenhof wissen, genauer gesagt, wie es in Zukunft mit dem Gebäude aussehen soll? Er fragte denn auch, ob es Interesse privater Investoren geben, den Lindenhof zu sanieren? Barbara Rinke bejahte dies, allerdings seien Interessenten wieder abgesprungen, als sie die Summe der etwaigen Kosten erfuhren.

Stadtrat Höfer hat Fragebedarf (Foto: nnz) Stadtrat Höfer hat Fragebedarf (Foto: nnz) Eine Nachfrage hierzu hatte allerdings Martin Höfer (FDP) und zückte ein Schreiben, in dem die Stadtverwaltung einen Brief schrieb aus dem hervorgeht, dass die Verwaltung nicht beabsichtigt, die Immobilie zu veräußern, sondern bemüht sei, „eine Sanierung durchzuführen und das Objekt einer entsprechenden Nutzung zuzuführen“. Die Oberbürgermeisterin verwies auf notwendige Arbeiten im Vorfeld des Rolandsfestes am Lindenhof, konnte die Fragensteller jedoch nicht gänzlich überzeugen.

Dann kam es zwischenzeitlich zur Akte „Grabe“, die nnz berichtete darüber. Detlef Kiel (LINKE) ist mit der Beantwortung der Anfrage zufrieden, scheinbar hatten Fraktionsmitglieder vergessen etwas zu vermitteln. Man habe immer noch Vertrauen zur Person des Pressesprechers, Kiel entschuldigte sich bei Herrn Grabe, wenn ein anderer Eindruck entstanden sei. Vielleicht hätte sich die LINKE-Fraktion schon vorher mit dem Pressesprecher besprechen sollen, dann wären die Informationsdefizite nicht entstanden.

Das nächste Minenfeld war das Konjunkturprogramm II der Bundesregierung, in dessen Folge Nordhausen fast 3,5 Millionen Euro erhält und 600.000 Euro an Eigenmitteln zuschießt. Insgesamt stehen als mehr als 4,1 Millionen Euro zur Verfügung, die in Maßnahmen für die Bildung und Erziehung und in die Infrastruktur ausgegeben werden können (nnz hatte ausführlich berichtet). Die Nordhäuser Verwaltung hatte jedoch neben der Prioritätenliste auch eine Alternativliste vorgelegt. Auf der wiederum ist der Lindenhof mit einem Bedarf von 200.000 Euro ausgewiesen.

Oberbürgermeisterin Barbara Rinke bat die Stadträte um Vorschläge, um den der Lindenhof zu ersetzen sei. Norbert Klodt (CDU) und die CDU-Fraktion wollten die Dachsanierung des Lindenhofes streichen und die 200.000 Euro dem Walkenrieder Hof zuzuschlagen. Damit waren die Parteifronten klar. Dr. Klaus Gebhardt (SPD) plädierte für den Lindenhof als bedeutsames Objekt, auch der Bauausschuss habe sich pro Lindenhof positioniert, gab Volker Fütterer (SPD) zu bedenken.

Es halfen alle Versuche seitens Verwaltungsspitze nicht, den Stadtrat für den Lindenhof umzustimmen. 19 Stadträte kippten den Lindenhof, elf votierten dafür. Damit ist der Lindenhof Geschichte. Das Konjunkturpaket II wurde dann geändert verabschiedet.
Autor: nnz

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