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Krankenhaus schafft Abwechslung

Montag, 20. April 2009, 16:03 Uhr
Es gibt selbst mal im Kreisausschuss des Nordhäuser Kreistages Abwechslungen in der Tagesordnung. Eine davon war der Geschäftsleitung des Südharz-Krankenhauses vorbehalten.

Zahlen vorgestellt (Foto: nnz) Zahlen vorgestellt (Foto: nnz)
Geschäftsführer Antonius Pille erläutert Unternehmenszahlen im Kreisausschuss

Neben den Routine-Beschlüssen zu den Ausgaben jenseits von 10.000 Euro (heute: Austausch einer Schmutzwasserpumpe) stand das Krankenhaus im Mittelpunkt des Interesses. Geschäftsführer Antonius Pille legte die Lage der Gesellschaft dar, erläuterte die Gewinn- und Verlustrechnung der vergangenen zwölf Jahre und präsentierte ein Unternehmen, das kontinuierlich einen Jahresüberschuss ausgewiesen habe. Im vergangenen Jahr zum Beispiel waren das rund 1,4 Millionen Euro.

Auf eine Arzt-Personalstelle entfielen im Jahr 1994 155 Fälle, im Jahr 2008 waren es 147, bei den Pflegestellen geht das Verhältnis 48 zu 56 aus. Was dann kam, waren Folien, Werte und Zahlen. Ob die Anwesenden das alles in der Schnelle der Zeit aufnehmen konnten, blieb deren Geheimnis. Was noch aufgenommen werden konnte ist die Tatsache, dass die Personalkosten im Ärztebereich in den zwölf betrachteten Jahren von einst neun Millionen Euro auf nunmehr 17 Millionen Euro angestiegen sind.

Die finanzielle Decke des Krankenhauses sei sehr wärmend, einen Dispokredit gebe es nicht. In der Chirurgie seien einige Ärzte in Richtung Mühlhausen flüchtig gewesen, hier werde der Personalbestand jedoch wieder aufgefüllt (siehe nnz-Archiv). Junge, gute Ärzte würden nicht immer nach Nordhausen kommen und hier bleiben, so lukrativ sei die Region nicht unbedingt. Hier müssten sich die Rahmenbedingungen verbessern, gemeinsam muss hier auch die Politik handeln. Denn, so Pille, wer mit dem Kopf nicht in der Region verwurzelt wird oder werden kann, derjenige ist nicht zu halten.

Aufsichtsratsvorsitzender Prof. Heinrich Markgraf (CDU) berichtete über die Kompetenzverteilung zwischen Aufsichtsrat und Geschäftsleitung. Grundlage seien das GmbH-Gesetz und der Gesellschaftsvertrag. Letztlich werde den Aufsichtsräten ein „gläsernes Unternehmen“ präsentiert. Im Ergebnis wird eine straffe Kontrolle gewährleistet. Kontrolliert wird hier ein kommunales Unternehmen, das – im Gegensatz zu vielen anderen – nicht defizitär arbeitet. Insgesamt werden Erlöse von rund 100 Millionen Euro erzielt, abzüglich aller Kosten (65 – 70 Prozent sind Personalkosten) bleibt mehr als eine Million Euro als Überschuss übrig.

Die Patientenzahlen seien in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, das Personalkostenniveau liege im Thüringer Mittelfeld, weniger als zehn Prozent der Ärzte kämen aus dem Ausland.

Gisela Hartmann (B90/Grüne) hatte natürlich Fragen, sie lobte aber auch die Arbeit von Antonius Pille. Die Politik müsse die Stadt interessanter als Wohnort für Ärzte machen, dazu seien alle Verantwortlichen gefragt. Ihrer Meinung nach gebe es Defizite bei der Weiterbildung der Ärzte. Was folgte, waren Fragen, die ihren Ursprung im Hören-Sagen haben bei Bekannten oder Verwandten von Gisela Hartmann hatten. Auch habe Frau Hartmann von weiteren Abgängen gehört und schließlich wollte sie wissen, wie das Klima im Krankenhaus sei.

Dagmar Becker (SPD) dankte für die Vorstellung der Zahlen und Fakten und stellte klar, dass letztlich Kreistag und Stadtrat für die Kommunalität verantwortlich seien, das sei der politische Wille. Sie lobte jedoch auch die Arbeit von Geschäftsführer Pille, der mit Herz und Seele ein kommunales Krankenhaus leiten würde.

Rainer Bachmann (LINKE) erinnerte an die Anfänge der 90er Jahre und beurteilte die Arbeit des Hauses als sehr gut, wollte aber wissen, warum sieben Ärzte auf einen Schlag das Krankenhaus verlassen hatten (nnz berichtete)? Jährlich würden 20 bis 25 Ärzte die Nordhäuser Einrichtung verlassen, die gleiche Anzahl käme wieder hinzu, jedoch alles auf die Ärzteschaft zu fokussieren, sei falsch. Die Gesamtheit des medizinischen Personals jedoch mache jedoch nicht allein die Leistungsfähigkeit eines Krankenhauses aus. Pille sagte, dass seit Mitte der 90er Jahren drei Oberärzte das Südharz-Krankenhaus verlassen hätten.

Abschließend forderte der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Joachim Leßner die niedergelassenen Ärzte auf, mehr mit dem Nordhäuser Krankenhaus zusammen zu arbeiten, statt Patienten auf die lange Reise ins Eichsfeld oder nach Bad Berka zu schicken, wenn sie in Nordhausen behandelt werden können. Warum ein Wipperdorfer Arzt seine Patienten ins Eichsfeldklinikum überweise, werde wohl dessen Geheimnis bleiben, so Leßner.
Autor: nnz

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