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Landrat in Südafrika und in Nöten

Montag, 26. August 2002, 10:50 Uhr
Nordhausen (nnz). Wenn alles gut gegangen ist, dann könnte Landrat Joachim Claus (CDU) in diesen Stunden in Südafrika gelandet sein. In Johannesburg nimmt er am „Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung“ teil. Nicht in allen politischen Sphären seines Hochheitsbereiches wird das mit Wohlwollen gesehen.


Sicher, die Einladung an Claus ist letztlich auch eine Auszeichnung für den Landkreis Nordhausen, der früher mal ein „ökologischer“ war. Das Attribut wird aber seit Jahren nicht mehr verwendet, es stieß vor allem in der hiesigen Wirtschaft mehr auf Ablehnung denn auf Zustimmung. Und im Hinblick auf künftige Investoren wurde gemunkelt, könnte sich das Image negativ auswirken.

Es hat sich aber nicht negativ ausgewirkt. Der Grund hierfür liegt schlicht und ergreifend in der Tatsache begründet, dass es seit Jahren keine großen, nicht mal mittelgroße Investitionen im Landkreis Nordhausen gab, sieht man von kleineren Unternehmen wie in Werther oder diversen neuen Einkaufsmärkten ab.

Bereits am Rande der Kreistagssitzung wurde also über die Reise des Landrates und ihre Notwendigkeit diskutiert. Vor allem in einer Phase, da sich Verwaltung und Kreistag mit dem Nachtragshaushalt herumquälen müssen. Da wird in der Kreisverwaltung eine ordnende Hand erwartet, da verlangen Kreistagsmitglieder aller Fraktionen, dass die Verwaltung statt über höhere Ausgaben intensiv über Einsparpotentiale nachdenkt.

Das vor allem Mitglieder der Landrats-Fraktion (CDU) - wie vor einem Jahr - wieder auf die Personalpauke hauen, das hat schon einen besonderen Charme. Mal offen, mal hinter vorgehaltener Hand wird dem Landrat vorgeworfen, als Verwaltungschef nicht genug „mit der Faust auf den Tisch zu hauen“. In Zeiten leerer Kassen könne man sich eben keine Luxus-Verwaltung leisten. Claus hingegen verweist auf seine soziale Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern der Kreisverwaltung und auch auf die Verpflichtung, den Verwaltungsablauf am Leben zu erhalten. Das kommt in der Verwaltung an, im Kreistag nicht.

Der Druck auf den Verwaltungschef wird jedenfalls stärker, ob er auch stärker als im vergangenen Jahr wird, das müssen die nächsten Wochen zeigen. Seine Abwesenheit in Nordhausen könnten einige der „Spielverderber“ im Kreistag jedoch dazu nutzen, um neue Fronten aufzumachen.
Autor: nnz

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