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Gardelegen, April 1945

Dienstag, 07. April 2009, 08:07 Uhr
Zu den grausamsten Mordtaten im Zusammenhang mit der Räumung der Konzentrationslager zählt das Massaker von Gardelegen. Mit einer Sonderausstellung soll in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora daran erinnert werden...

Der Ort des Verbrechens (Foto: Archiv) Der Ort des Verbrechens (Foto: Archiv)

SS-Männer, Wehrmachtsoldaten und Angehörige des Reichsarbeitsdienstes trieben hunderte KZ-Häftlinge in eine Scheune und steckten sie in Brand. Fliehende wurden erschossen. Über 1000 Häftlinge – zahlreiche von ihnen kamen aus Außenlagern des KZ Mittelbau – starben am 13. April 1945. Nur einen Tag später erreichten Einheiten der US-Armee die Stadt in der Altmark.

Eine neue Sonderausstellung der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora widmet sich der visuellen Erinnerung an dieses Verbrechen. Gezeigt werden Foto- und Filmaufnahmen, die den amerikanischen Umgang mit dem Tatort, mit den Spuren und den Opfern des Verbrechens dokumentieren.

Die Schau öffnet am 9. April 2009 gegen 13.00 Uhr im Ausstellungsraum „Ehemalige Feuerwache“. Zur Einführung spricht Dr. Regine Heubaum, die stellvertretende Leiterin der Gedenkstätte, über Entstehungskontext und Verwendung der Bildquellen aus den National Archives in Washington. Die Eröffnung findet im Rahmen der Gedenkveranstaltungen zum 64. Jahrestag der Befreiung des KZ Mittelbau statt.

Anfang April 1945 befahl die SS die Räumung der Lager. Mehrere Transporte mit Häftlingen aus verschiedenen Außenlagern des KZ Mittelbau und einem Hannoveraner Nebenlager des KZ Neuengamme blieben in der näheren Umgebung von Gardelegen stecken. Lokale Verantwortungsträger beschlossen, die Gefangenen zu beseitigen. Sie koordinierten auch
deren Ermordung in der Scheune.

Nach der Entdeckung versuchten amerikanische Militärberichterstatter, das Grauen auf Fotos und Filmen festzuhalten. Schon bald darauf dienten diese Aufnahmen in Medienberichten als Beleg für die NS-Verbrechen sowie zur Aufklärung der Bevölkerung. Bei der Strafverfolgung wurden sie als Beweismittel gegen die Täter genutzt.

Auch an den folgenden Tagen wurde das Geschehen bei der Scheune fotografisch festgehalten: Die Amerikaner konfrontierten kommunale Funktionsträger aus der Region mit den grauenvollen Spuren des Massakers. Zwangsverpflichtete Einwohner von Gardelegen mussten die Toten bergen und würdig bestatten. Ende April 1945 wurde schließlich mit einer Gedenkzeremonie ein neu angelegter Friedhof eingeweiht.
Autor: nnz

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