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Jobchance für Flüchtlinge in Nordthüringen

Donnerstag, 02. April 2009, 17:20 Uhr
Unter diesem Thema stand heute eine öffentliche Veranstaltung mit der Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Kathrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/DIE GRÜNEN). Schwerpunkt dabei waren Hintergrundinformationen zu einem Bundesprogramm...


Jobchance Nordthüringen (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Jobchance Nordthüringen (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Im Rahmen des Bundesprogrammes Xenos wurde im Kyffhäuserkreis und im Kreis Nordhausen das Projekt ProJob Nordthüringen aus der Taufe gehoben. Die Laufzeit des Projekts ist auf zwei Jahre festgelegt. Ziel ist es, Flüchtlingen und Asylbewerbern eine Chance auf dem regionalen Arbeitsmarkt oder Ausbildungsmarkt zu geben. Die Veranstaltung sollte sich an Betroffene, Beteiligte und potentielle Arbeitgeber wenden. Träger des Projekts „ProJob Nordthüringen“ sind Starthilfe Sondershausen e.V., LIFT GmbH, Kreisjugendring Kyffhäuserkreis e.V., Landratsamt Nordhausen und Landratsamt Sondershausen.

Einer der Einlader, Jürgen Rauschenbach, Geschäftsführer des sozialen Trägers Starthilfe Sonderhausen e.V. (Bild oben) musste allerdings gleich ernüchtert konstatieren, dass eine ganze Reihe eingeladener Vertreter aus der Politik (Parteien) nicht erschienen waren. Offensichtlich sei das Thema für einige Parteien Thüringens wohl doch nicht so interessant.

Jobchance Nordthüringen (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Jobchance Nordthüringen (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Ähnlich befremdlich, dass kein offizieller Vertreter des Landrates des Kyffhäuserkreises zu gegen war, der auch im Präsidium hätte präsent sein sollen. So musste die 1. Beigeordnete des Landkreises Nordhausen, Jutta Krauth (SPD), das Grußwort verlesen, was ihr auf „fremdem“ Territorium auch etwas seltsam vorkam. In ihren einladenden Worten hob Krauth hervor, dass es wichtig sei, über die Wirtschaftsförderung Verbindung zu Unternehmen in der Wirtschaft aufzubauen, um Flüchtlingen über die Arbeit eine dauerhafte Existenzsicherung in Deutschland zu verschaffen.

Jobchance Nordthüringen (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Jobchance Nordthüringen (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Katrin Göring-Eckardt betonte in ihren Worten, dass die europäische Solidarität mit den Flüchtlingen verbessert werden muss. Dabei kritisierte sie die Verfahrensweise der Bundesregierung, dass bei Flüchtlingen aus dem Irak Christen bevorzugt als Flüchtlinge anerkannt werden. Gerade sie selbst als Christin fordert, dass alle Glaubensrichtungen gleich behandelt werden müssten.

Göring-Eckardt prophezeite auch, dass in den nächsten Jahren der Flüchtlingsansturm noch größer werden wird. Dabei müssen immer mehr Armutsflüchtlinge und auch Flüchtlinge die aus überfluteten Gebieten (Klimaerwärmung) ihre Heimat verlassen müssen. Es gehe ihr nicht darum, nur die Tür in Deutschland weit aufzumachen, sondern es gehe darum, eine gezielte Einwanderung zu erreichen. Unter anderem auch verbunden mit dem Blick demografischer Wandel und dem Ausgleich des Fachkräftemangels.

Im Pressegespräch von kn auf die genauen Regeln zur Einwanderung angesprochen, räumte sie ein, dass da noch genaue Regeln erarbeitet werden müssten. Man kann nicht nur darauf verweisen, dass wohl noch eine Million Flüchtlinge allein in Libyen sind. Bei so einem möglichen Flüchtlingsstrom muss man einfach Maßnahmen ergreifen. Problem auch, dass viele Flüchtlinge aus Diktaturen stammen und damit die Möglichkeit wegfällt, durch finanzielle Hilfen eine Existenz in der Heimat aufzubauen.

Gezielt auf das Projekt Pro Job eingehend sagte Göring-Eckardt, das Projekt brauche mehr politische Unterstützung. Dabei müsse Thüringen mehr Weltoffenheit zeigen. Positiv hob sie die Regelung für lang geduldete Flüchtlinge hervor, welche die Bundesregierung erlassen hatte, die aber in ihrer Durchsetzung noch Lücken hat.

Jürgen Rauschenbach verwies in seinen Worten zum Projekt: „Mit dem Projekt Pro Arbeit haben wir im vergangenen Jahr bewiesen, dass es durchaus möglich ist, auch in strukturschwachen Regionen wie Nordthüringen, benachteiligten Menschen eine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt zu geben. So ist es uns gelungen, 50 als schwer vermittelbar eingestufte Männer und Frauen einen Arbeitsplatz zu verschaffen. Gerade in einer von starker Abwanderung geprägten Region wie Nordthüringen, hoffen wir mit dem Projekt ProJob diese Erfolgsgeschichte wiederholen zu können.“

Allerdings sind die Erfolge des neunen Projekts Pro Job noch recht bescheiden. Denn bei etwas über 100 betroffenen Flüchtlingen konnten erst ca. 10 in eine feste Arbeit vermittelt werden.
(Wird fortgesetzt)
Autor: khh

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