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Zufall oder Gottes Fügung

Dienstag, 31. März 2009, 14:54 Uhr
Es war ein Flyer, den eine junge Frau im Jahr 2002 in ihren Händen hielt. Das Blatt Papier informierte über einen ganz besonderen Studiengang. Sie spürte vielleicht nicht sofort, dass es ihr Leben verändern sollte. Doch mit dem Blatt in der Hand begann ein Weg, dessen aktuelle Station Neustadt im Südharz ist...


Da sitzt sie nun auf einer der Parkbänke im Zentrum des Südharzortes. Die Sonne scheint, der Frühling ist hier angekommen. Hinter ihr die Kirche. Dort wird sie am kommenden Sonntag im Mittelpunkt stehen. Sie mag diese Konzentriertheit anderer auf sich selbst nicht so sehr, doch es gehört zu Ritual. In der evangelischen Kirche nennt man es Vorstellungsgottesdienst.

Die Neue (Foto: nnz) Die Neue (Foto: nnz)

Tina Bäske soll am Sonntag ihrer künftigen Gemeinde vorgestellt werden. Die Christen aus Buchholz, Herrmannsacker und Neustadt werden sich versammeln, werden neugierig sein. Auf die Neue, die Junge, die 27jährige. Die Pfarrerin, die Gemeindepädagogin. Tina Bäske ist von allem etwas. Das muss keine so schlechte Mischung sein, bedenkt man die Aufgaben, die Ziele, die sich die Brandenburgerin selbst stellt.

Doch zum Blick in die Zukunft gehört der Blick zurück. Es ist mal gerade etwas mehr als sechs Jahre her, da stand sie da – das Abitur am evangelischen Gymnasium in Berlin in der Tasche – mit dem Flyer in der Hand. Herausgegeben von der evangelischen Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik. Die Studienzeit, von 2002 bis 2006, war gespickt mit vielen Praktika, sie war vielfältig, ein Paket für den späteren Beruf, der schnell zur Berufung werden kann: Theologie, Pädagogik, Psychologie, Soziologie. „Die Mischung machte es“, bekennt Tina Bäske im Gespräch mit der nnz.

Die praktischen Seiten des Studiums treiben sie durchs Land – nach Halle, nach Saßnitz und die Erkenntnis gewinnt die Oberhand: Das ist das, was du machen wolltest. Doch sie will mehr, will nicht nur erziehen, sie will Gott noch intensiver dienen. Vor allem, sie will den Menschen dienen. Eine Mentorin ist ordinierte Gemeindepädagogin. Jetzt ist sie es – Tina Bäske.

Zu einem Viertel wird künftig das Pfarramt ihren Arbeitstag ausfüllen, drei Viertel die Gemeindepädagogik. So ist es im Vertrag aufgeschrieben. Doch lässt es sich abseits der Paragrafen wirklich trennen? Nein! „Pfarrerin und Gemeindepädagogin – das ist für mich der Reiz, hier kann ich Generationen zusammenführen, hier kann ich Verknüpfungen herstellen“, beschreibt Tina Bäske.

Jetzt erst einmal will sie die Gemeinde im Südharz aufnehmen, erfahren, erspüren. Und sie will dafür sorgen, dass die Kirche zu den Menschen kommt. Die Kirche, das ist auch sie. Natürlich wird das Pfarrhaus offen stehen, doch die junge Frau will die Frauen, Männer, Familien besuchen. Und: Sie wird den Kontakt zur politischen Gemeinde suchen, schließlich wird Leben miteinander gestaltet.

Tina Bäske freut sich auf lebendige Gottesdienste, auf die pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen von Neustadt bis Ellrich. „Ich will die Generationen zusammenführen. Ich will es versuchen“, gibt sie als Marschroute vor. Die ersten Telefonate, die sie als junge Pfarrerin im alten Neustädter Pfarrhaus erreichten, ließen sie zuversichtlich sein. Es waren Anmeldungen zu Taufen. „So kann es weitergehen!“
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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