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Vergiftung in Wülfingerode (Update 3)

Mittwoch, 25. März 2009, 13:35 Uhr
Wie geht es den Kindern im Krankenhaus? Was passiert mit den anderen. Wie ist die Zukunft des kontaminierten Gebäudes in Wülfingerode? Und was sagt die Politik dazu? Hier gibt es erste Antworten...


Die 13 Kinder aus dem Heilpädagogischen Zentrum Wülfingerode, die vermutlich am Montag Quecksilber gefunden und damit gespielt hatten, geht es nach Auskunft des Südharz-Krankenhauses den Umständen entsprechend gut. Auch die vier Betreuer der betroffenen Kinder, die ebenfalls dort behandelt werden, sind wohlauf. Die Ärzte des Südharz-Krankenhauses untersuchen Kinder und Betreuer derzeit eingehend. Uwe Schäfer, Leiter des Heilpädagogischen Zentrums, geht davon aus, „dass ein großer Teil heute entlassen wird“.

Da die Kripo Nordhausen das Gebäude, in dem die 12- und 13-Jährigen mit dem Quecksilber Kontakt hatten, versiegelt hat, bringt der Träger der Einrichtung, das Jugendsozialwerk, die Kinder nun vorübergehend in einer anderen Einrichtung unter. Dorthin kommen heute auch die Kinder, die ebenfalls in dem betroffenen Gebäude leben, aber keine Beschwerden zeigten. Gestern hat die KMG-Klinik in Sülzhayn diese Kinder aufgenommen, wie Uwe Schäfer mitteilte.

Nach Auskunft von Kreisbrandinspektor Erich untersucht heute das Landesamt für Arbeitsschutz aus Erfurt eingehend das Gebäude auf mögliche Rückstände des Quecksilbers. Nach den notwendigen Messungen entscheidet das Landesamt, ob und wenn ja welche Maßnahmen ergriffen werden, damit das Gebäude mit Schul-, Wohn- und Therapieräumen wieder freigegeben werden kann.

Die Feuerwehren aus Bleicherode und Niedersachswerfen, ausgestattet mit Komponenten des Gefahrgutzuges, untersuchen derzeit das Gebäude des ehemaligen Kali-Werkes in Sollstedt, aus dem die Kinder das Quecksilber geholt haben. Sollstedts Bürgermeister Jürgen Hohberg reagierte mit Unverständnis darauf, dass es in dem Gebäude überhaupt giftige Substanzen gebe. Zumal es dort Silvester gebrannt und die Kripo das Gebäude untersucht habe, wie der Bürgermeister sagte. Bis 1997 war in dem Gebäude ein Umweltlabor untergebracht, was aber seitdem stillgelegt ist (nnz berichtete bereits). „Wir haben den Eigentümer wiederholt dazu aufgefordert, das Gebäude zu sichern“, sagte Jürgen Hohberg. Dies ist offenbar nicht in ausreichendem Umfang geschehen, da die Kinder in das Gebäude hineingelangen konnten.

SPD-Landtagsabgeordnete Dagmar Becker wohnt in Wülfingerode und zeigte sich gegenüber nnz überrascht, dass es 12 Jahre nach der Stilllegung der Laborarbeiten dort immer noch Panzerschränke mit vermutlich hochtoxischen Substanzen gebe. Becker, die keine Schuldzuweisung an Polizei oder Feuerwehr üben will, stellt jedoch die Frage nach der Verantwortung.

"Ich hoffe, dass hier gegen den Eigentümer des Gebäudes ermittelt wird, damit letztlich strafrechtliche oder finanzielle Haftungen ausgesprochen werden können. Es darf nicht sein, dass die Kosten solcher Maßnahmen von der öffentlichen Hand getragen werden müssen.“ Das Wichtigste jedoch, so Dagmar Becker, sei, dass es den Kindern und Betreuern den Umständen entsprechend gut gehe.
Autor: nnz/kn

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