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Aufträge mit Niedriglöhnen

Dienstag, 24. März 2009, 11:56 Uhr
Seit Beendigung des Baubooms Mitte der 90er Jahre versuchen ostdeutsche Bauunternehmen, den Auftragsrückgang in der heimischen Region mit Bautätigkeit außerhalb des lokalen Marktes abzufedern. Und müssen in den Westen ziehen. Wir haben bedrückende Zahlen...


Dabei konzentriert sich das ostdeutsche Baugewerbe stark auf das Gebiet der alten Bundesländer. Im Jahr 2000 war ein Viertel der ostdeutschen Unternehmen auch in den westlichen Bundesländern tätig, 2006 betraf dies nach Informationen des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) bereits 37 Prozent der Betriebe.

„Die Rechnung geht nur auf, wenn ostdeutsche Bauunternehmen ihren Arbeitnehmern erheblich weniger zahlen. Schließlich kostet die weite Anfahrt bzw. auswärtige Unterbringung ihrer Arbeitnehmer die Unternehmen eine Stange Geld“, sagt Dietmar Schäfers, stellvertretender Vorsitzender der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU).

Laut Studie wird die Ertragssituation der überregional tätigen Bauunternehmen nicht durch die weiten Anfahrten zu den Baustellen beeinträchtigt. „Ich frage mich, an welcher Stelle die Unternehmen sparen bei identischen Materialkosten und zusätzlichen Transport- und Übernachtungskosten“, sagt IG BAU-Vize Dietmar Schäfers. Es gilt der Lohn der Baustelle, d.h. Bauunternehmer aus dem Osten müssen auf westlichen Baustellen den höheren Westlohn zahlen.

Der Tariflohn liegt derzeit bei 15,48 Euro West und 13,80 Euro Ost. Der Mindestlohn für angelernte Bauarbeitnehmer bei 12,85 Euro West und 9,80 Euro Ost, der Mindestlohn für Hilfskräfte bei 10,70 Euro West und 9 Euro Ost. Ziel der IG BAU in den laufenden Tarifverhandlungen ist es, die Schere zwischen Ost und West mittelfristig zu schließen.
Autor: nnz/kn

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