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Eine Brücke über die Flut?

Sonntag, 18. August 2002, 10:08 Uhr
Nordhausen (nnz). Spendenaufrufe, Hilfsangebote, Sofortmaßnahmen... Viele Reaktionen auf die grausigen Bilder von der Zerstörung, Flucht und Rettung in den Überflutungsgebieten lassen uns kaum schlafen. Kann ich helfen? Eine Antwort auf diese Frage bietet Pfarrer Peter Kube in der nnz an.


Was ist an Unnötigem zu unterlassen (z.B. eine Beobachtungsreise als „Katastrophentourist“) und was sollte ich keinesfalls unterlassen, was den betroffenen Menschen und Lebensräumen kurz und langfristig Hilfe bedeutet? Die Schau auf die politisch Verantwortlichen fragt immer zurück nach unserer persönlichen Sicht der Entwicklung. Wie sollten sich Landschaft und Infrastruktur entwickeln? Welche Rücksicht (oder besser Voraussicht) auf kommende Generationen sollten wir walten lassen, dass die Kräfte der Natur als segenspendende Gaben erfahren werden?

Naturerscheinungen und -gewalten, die zu Katastrophen werden, lassen sich nicht vermeiden - aber wir können ihre Wege ins Schlimmere oder ins Aushaltbare führen. Und wir können in den Zusammenhang von Ursache und Auswirkung unsere Verantwortung einbringen. Davon wird viel gesprochen und es ist (darf!) kein Hohn, kein Spott, keine Andeutung von Gehässigkeit gegenüber den Opfern der Flutkatastrophe in diesem Nachdenken enthalten sein.

Wenn alle Hilfsmaßnahmen und -angebote gut koordiniert werden sollen, bedarf das einer großen Leistung. Ich wünsche denen eine gute und an gerechten und gerechtfertigten Maßstäben orientierte Hand, die jetzt tätig werden. Ich hoffe, dass die Töne von zerbrochener Solidargemeinschaft und egoistischer Handlungsweise umgestimmt werden angesichts des Leidens. Menschen, die gemeinsam im Schlammassel sitzen, können auch nur gemeinsam die Rettungsaussichten ergreifen und einander beistehen.

Es ist (nicht nur) für Christen immer eine Mahnung, ein Ruf zur Buße, zur Umkehr von Abwegen und falschen Handlungsweisen in solchen Ereignissen enthalten. Nicht, um Hände in den Schoß zu legen; nicht, um besserwisserisch dazustehen - vielmehr NUR, um die jeweilige Not beim Namen und die Schritte zur gebotenen Handlungsweise zu finden. (Es ist dies Teil des Gottesdienstes nach Römer 12, 1.2)

Deshalb an alle in den verschonten Regionen Deutschlands der Aufruf: F a s t e n z e i t! Lasst uns einen Teil zur Arche beitragen. Die Rettung und Neuanfang. Wird das Land trocken soll niemand auf dem Trocknen sitzen: resignieren, verzagen und aufgeben. Worauf ich an (mindestens) drei Fastentagen verzichten will, dessen Gegenwert soll den Menschen und Verhältnissen in den Überschwemmungsgebieten in geeigneter Weise zukommen.

PS.: Sollten sich die Besitzer der ins Ausland geschlenzten Steuerunterschlagungssummen jetzt selbst anzeigen, so wäre ein großer Teil Hilfe möglich und ihre Strafe gering - jedenfalls kein Verlust an Ehre würde sie weiterhin drücken müssen!
Peter Kube, Pfarrer
Autor: nnz

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