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Richter Kropp: Der tote Hund

Mittwoch, 04. März 2009, 08:55 Uhr
„Jedes Tier verdient es geliebt zu werden, dass weiß ich ganz genau, weil jedes Tier einzigartig ist. Nun wollen Sie uns für die Trauer an unserem Hasso auch noch eine Geldstrafe aufbrummen“ – so Angelika W. (Name geändert) in einem Schreiben an das Sondershäuser Amtsgericht.


Hasso war der Schäferhund des Ehepaares Bertram und Angelika aus dem östlichen Kyffhäuserkreis. Am 30. März vergangenen ist das Tier verstorben, Bertram W. hat seinen Hund mittels eines Bolzenschussapparats vom Leben zum Tode befördert. Als Verstoß gegen das Tierschutzgesetz wertete dieses Vorgehen die Staatsanwaltschaft Mühlhausen und beantragte beim Sondershäuser Amtsgericht den Erlass eines Strafbefehls in Höhe von 150 Euro, der auch antragsgemäß erging.

Durch das Schreiben der Angelika W. kamen erst die eigentlichen Gründe der Tat hervor. Hasso war in der Gemeinde ein ständiger Störenfried. Er biss Kinder und ältere Menschen, und dies mehrfach. Eine Gefahr war Hasso auch für den nahegelegenen Kindergarten und Jugendclub, da das Tier trotz Umzäunung auch das Grundstück verließ und sich im Nachbargrundstück vergnügte.

Einen Wesenstest sollte das Tier noch durchführen, was aber nach Ansicht der behandelnden Tierärztin keinen Sinn machen würde. Hasso würde aufgrund seiner Gefährlichkeit diesen Test ohnehin nicht bestehen. In einer Art Kurzschlussreaktion hat Bertram W. dann am 30.03.2008 aus diesen Gründen das Tier getötet.

Das Verfahren ist nunmehr rechtskräftig geworden, allein aus formalen Gründen. Denn Angelika W. hatte für ihren Mann als Angeschuldigten Einspruch eingelegt, ohne eine entsprechende Vollmacht dem Gericht vorlegen zu können. Was an rein formalen Gründen scheiterte, hätte vielleicht den W.’s auch wenig gebracht. Denn mit 150 Euro ist der Tod des Tieres angemessen gesühnt.

Die Entscheidung über das Leben ihres Tieres stand eben auch aus den nachvollziehbaren Gründen den Eigentümern alleine nicht zu. Ein Tier ist eben einzigartig und kann nicht so ohne weiteres getötet werden.
Autor: nnz/kn

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