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Im Alter liegt die Zukunft

Dienstag, 03. März 2009, 16:44 Uhr
Die heutige Sitzung des Nordhäuser Kreistages hatte nicht nur eine lange Tagesordnung, sondern auch eine fulminante Gästezahl aufzuweisen. Und die wurden, das kann man jetzt schon verraten, nicht enttäuscht.


Nicht enttäuscht wurden die Anwesenden auch hinsichtlich des ersten Redners innerhalb der Einwohnerfragestunde. Volkmar Pischel, der Nordhäuser Seniorenchef. Und wie bereits im Stadtrat von Nordhausen referierte Herr Pischel minutenlang. Eine Frage stellte er jedoch nicht.

Nach dem Seniorenbeauftragten von Nordhausen war der Verwaltungsbeauftragte des Landkreises mit seinem Bericht an der Reihe: Landrat Joachim Claus (CDU). Im Mittelpunkt stand dabei das „KP II“, das wundersame Allheilmittel zu kurz gekommener kommunaler Investitionen, das Konjunkturpaket. 248.000 Euro gibt es zu dem mehr an Schlüsselzuweisungen. Dieses Geld könnte eventuell als Eigenanteil für die KP-II-Investitionen geparkt werden. Innerhalb dieses Krisenpflasters gibt es 5,8 Millionen Euro für die Bildung, für die Infrastruktur würden 990.000 Euro bereitstehen.

Vom zu erwartenden Geld ging es dann zum Geld, das ausgegeben werden muss. Es ist der soziale Bereich, der immer noch den Löwenanteil des Kreishaushaltes verschlingt. Und weil sich kaum noch jemand in die unterschiedlichen Zahlen, Daten und Fakten auskennt, ist ein Sozialatlas erarbeitet worden, der heute den Kreistagsmitgliedern vorgestellt wurde. Loni Grünwald erläuterte denn auch ausführlich den Aufbau und die Struktur des Atlas und wir haben einige ausgewählte Daten.

  • 5000 Bürger haben von 2001 bis 2007 den Landkreis Nordhausen verlassen
  • Die wenigsten Jugendlichen in der Relation wohnen in Bleicherode
  • Mit 22,3 Prozent hat Bleicherode wiederum die meisten Senioren
  • Im IHK-Ranking landet der Landkreis im Jahr 2007 auf Platz 20 von 23 in Thüringen
  • Jeder sechste Arbeitnehmer ist teilzeitbeschäftigt
  • 7 % der Einwohner haben keinen Schulabschluss
  • 45 % mit Realschulabschluss
  • 15 Alten-und Pflegeheime mit 1.058 Plätze gibt es, davon sind 90 % der Insassen Nordhäuser
  • 84 Kinder im Landkreis Nordhausen sind in Heimen untergebracht, 96 in Pflegefamilien
  • Im Jahr 2020 wird es 60 Prozent weniger Menschen im Alter zwischen 25 und 30 Jahren geben, 36 Prozent mehr Menschen zwischen 60 und 65 Jahren

Das ist nur ein Auszug. Das Gesamtwerk in gedruckter Form ist allerdings ein Privileg der Mitglieder des Kreistages. Für die Medien gab es lediglich was auf die Ohren.

Jürgen Hohberg (pl), der Bürgermeister von Sollstedt, ging in der Aussprache auf „KP II“ ein und brachte die Sollstedter Position vor. 120.000 Euro gibt es in der Sparte „Bildung“ für die 3.500 Einwohner der Einheitsgemeinde. Davon wollen die Sollstedter 100.000 Euro dem Landkreis spendieren, damit der das Geld für die weitere Sanierung der Schule und für die Schwimmhalle einsetzen kann.

Birgit Keller (LINKE) will entsprechende Schlussfolgerungen ziehen und beobachtete, dass alle im Kreistag zehn Jahre älter geworden sind. Deshalb sei es notwendig, einen Seniorenbeauftragten für den Landkreis zu installieren.
Autor: nnz

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