nnz-online

nnz-Forum: 675 Jahre unterm Hohnstein?

Montag, 12. August 2002, 08:14 Uhr
Neustadt (nnz). Hat Neustadt unterm Hohnstein überhaupt ein echtes Wappen oder alles nur Schwindel? Diese Frage wirft nnz-Leser Tim Schäfer aus Niedersachswerfen im Forum auf.


Wir Sachswerfer, gemeinhin als Arrees bekannt, sind eine gern wandernde, alles erkundende, interessierte und vor allem liebenswerte Art von Mensch, weshalb wir in unseren Nachbargemeinden wie gerade Neustadt ganz besonders gefragt und beliebt sind und immer wieder auf das Herzlichste begrüßt werden. Natürlich gerade dann wenn Neustadt zu den großen Festen wie der 675 Jahrfeier rüstet, das Harzfest vor der Tür steht und wir Arre's gerne zum prengelschen Hohnsteinwirte pilgern, um dem Schwerterklang auf der nostalgischen Hohnstein zu lauschen, da wird Tolles geboten !

Jubiläen und Jahrfeiern sind immer gute Anlässe, die zum Feiern einladen, aber ist Neustadt wirklich erst 675 Jahre alt, wenn die Burg Hohnstein zwischen 1110 und 1130 erbaut worden ist, eine Frage, der hier nicht nachgegangen werden soll.

Nun schmückt sich das kleine Neustadt mit dem ansehnlichen Neubau einer Freiwilligen Feuerwehr, das Gebäude ist geschmückt mit einer professionell gestalteten Tafel, darauf sich ein detailgetreues Wappen wiederfindet, welches freilich nicht einen Helm oder eine Spritze visualisiert, sondern in Grau eine Brücke mit Bogen, darüber drei Zinnen stolzer mächtiger Bauart, die in Neustadt nicht wiederzufinden ist, und unter dem Brückenbogen ein Tier, ja was für ein Tier ist das auf dem Wappen hier? Ein Hirsch, ein Reh oder ein Schaf, jedenfalls steht das Tier und ist nicht im Sprung, wie das man von Neustadtwappen im Internet kennt!

Traut man in Neustadt dem eigenen Hirsche nicht mehr zu springen? Fragt man die Neustädter, winken einige Eingeweihte und die, die es wissen müßten und manche die es wissen wollten, in ebensolcher Einigkeit ab, so das man mehr vermuten darf.

Einer bringt es dann auf den Punkt, ja der Rat der Neustädter Götter, genannt nach der Ratsversammlung um den Bürgermeister Peter Sickel habe dies so beschlossen. Auch das Grau haben die Gemeindevertreter verfügt und angewiesen im August 2002, wer hätte das gedacht! Nachgefragt erfährt der interessierte Sachswerfer Arree- Wanderer dann die Auskunft, daß die Farben eigentlich anders seien und der Hirsch, aha da haben wir das stolze Wappentier, eigentlich springen muss. Ja hat der Neustädter Götterrat zu lang getagt und was ist nun mit dem Wappen, fragt sich der geneigte Leser.

Daraufhin wird recherchiert, die Experten in Stadt und Land befragt, ein sehr historisch bewanderter, weil promovierter und prominenter Nordhäuser Stadtarchivar, gibt sich überraschend bedeckt (er muß es doch wissen) und verweist telefonisch und sachlich korrekt auf seine Nichtzuständigkeit in dieser Frage und ebenso kompetent auf das Landkreisarchiv, das Thüringenhandbuch und das Thüringer Hauptstaatsarchiv zu Weimar, die müssen es doch nun wirklich wissen.

Einmal neugierig wird nun nachgeforscht und recherchiert und es kommt zu einer echten Überraschung. Laut Information des Thüringischen Hauptstaatsarchives ist die Frage welch Farbe das erwähnte Neustädter Wappen trägt, wie viel Zinnen zu sehen und welch Tier darauf steht oder springt völlig unerheblich, denn Neustadt unterm Hohnstein möchte sich gern eines solchen Wappens schmücken aber weder Inhalt noch Herkunft dieses Wappen sind verbrieft oder geschweige denn historisch belegt, ja bis auf ein altes Siegel und ein Ölbild, von dem das Wappen hergeleitet werden soll.

Als Arree analysiert man das und fragt sich, dann haben die Neustädter gar kein Wappen? Sucht man sich des Schmuckes eines solchen Wappens der lieben Touristen Willen oder ist es der Wunsch nach einem solchen Wappen, der hier etwas zu viel betont worden ist ?

Nun sicherlich ist Neustadt durch die einst mächtige berühmte Burg Hohnstein, die zwischen 1110 und 1130 von einem Grafen Konrad, dem Brudersohne Ludwigs des Springers von Thüringen erbaut worden ist, im Südharz wirklich privilegiert. Seit 1162 nannten sich die damit von Heinrich dem Löwen belehnten Ilfelder „Grafen von Hohnstein“, ein weithin sehr berühmtes, bedeutendes Adelsgeschlecht. 1593 traten die stammverwandten und erbverbrüderten Stolberger in den Lehnsbesitz ein.

Und diese Herrschaften führten ein Wappen, nämlich das der Grafschaft Hohnstein, dessen Zentrum das Örtchen Neustadt unterm Hohnstein ist. Aber dieses Wappen hat nichts mit dem gemein was Neustadts Rat der Götter beschloß, keine Brücke, keine Türme, kein stehender oder springender Hirsch, schon gar nicht alles grau in grau. “Das Wappen der Grafschaft Hohnstein ist geschacht von Silber und Rot auf zwölf Plätzen“. Hat sich in Neustadt der Grafensitz in die Gemeinde verlegt? Warum nimmt man nicht das Wappen der Hohnsteiner stolz an, sondern eine zumindest fragwürdige Kreation eines Wappen ?

Nicht nur ein Sachswerfer Arree würde dies sicher gern genau erfahren, Ihr lieben Neustädter...
Tim Schäfer, Niedersachswerfen

Anmerkung der nnz-Redaktion: Die im nnz-Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de