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nnz/kn-Bücherkiste: Das Monster und die Liebe

Freitag, 06. Februar 2009, 11:05 Uhr
Selten wurde ein Debütroman so begeistert aufgenommen wie "Gargoyle" des Kanadiers Andrew Davidson. Der Verkaufsstart erfolgte gleichzeitig in 26 Ländern. Für die nnz hat Olaf Schulze das Buch gelesen.

buch (Foto: buch) buch (Foto: buch)


Andrew Davidson
GARGOYLE
(Berlin Verlag GmbH)


Gargoyles sind die herrlich-hässlichen Wasserspeier an mittelalterlichen Kirchen, die uns ihre Fratzen entgegenrecken und dumpfe, dunkle Gefühle erzeugen sollen. Monster, deren Körper aus verschiedenen Lebewesen zusammengesetzt und absolut nicht von dieser Welt sind.

Ein erfolgreicher Pornodarsteller und -produzent, dessen Namen wir im Roman nie erfahren werden, sieht nach seinem Autounfall, bei dem er bis zur Unkenntlichkeit verbrannt wird, genau so aus. Dieser drogensüchtige, arrogante Zyniker ist der Ich-Erzähler im Debütroman des Kanadiers Andrew Davidson und er muss die Torturen einer unvorstellbar schmerzhaften Rehabilitation erdulden, ohne Hoffnung auf ein späteres, menschenwürdiges Leben. Der einstige Schönling und Frauenschwarm sieht nicht nur schlimmer als Quasimodo aus, er hat zu seinem großen Entsetzen neben Fingern und Zehen beim Unfall auch seinen Penis eingebüßt.

Als er Pläne schmiedet, wie er nach seiner Krankenhausentlassung schnellstens seinem Leben ein Ende bereiten kann, tritt Marianne Engel an sein Krankenbett. Von Stund an ändert sich für ihn alles. Die scheinbar völlig verrückte und höchst attraktive Frau erzählt ihm Geschichten aus dem Mittelalter, in dem sie angeblich mit ihm in Deutschland verheiratet war. Der Verbrannte glaubt ihr kein Wort. Marianne lässt sich davon nicht beirren und enthüllt ihm immer mehr Details, die ihn schließlich an allem zweifeln lassen, selbst an seinem Atheismus.

Andrew Davidson legt seinen ersten Roman vor und „Gargoyle“ wird wie eine Bombe in die Gegenwartsliteratur einschlagen. Die erzählerische Dichte und Wortgewalt, mit der Davidson seine Geschichte vorträgt, die knisternde, nervenaufreibende Spannung und die Dramatik der Handlung in den thematisierten Zeitaltern, allem voran aber das allumfassende Plädoyer für die Liebe machen „Gargoyle“ zu einer Sensation auf dem Buchmarkt. Sieben Jahre hat der 40-jährige Autor daran gearbeitet und jeder Tag davon hat sich gelohnt. In 26 Ländern startete der Roman jetzt gleichzeitig, von Japan bis Island. Und er wird die Bestsellerlisten stürmen.

Mit Andrew Davidson geht ein neuer Stern geht am Literatenhimmel auf, in dessen Glanz die Browns, Folletts und Rowlings dieser Welt schnell verblassen könnten.
Olaf Schulze
Autor: nnz

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