Emotionale Funde
Montag, 02. Februar 2009, 12:39 Uhr
Seit Wochen sind die Archäologen mit Ausgrabungen am Nordhäuser Pferdemarkt beschäftigt. In der vergangenen Woche haben Sie Reste des verschütteten Nordhausen freigelegt. Damit förderten sie auch viele Erinnerungen zutage...
Markus Wehmer an den freigelegten Grundmauern. Vermutlich gehören sie zum Pferdemarkt 4
Markus Wehmer, der Ausgrabungsleiter vor Ort, und sein 14köpfiges Team wußten schon, was auf sie zukommt. Trotzdem waren sie überrascht, wie gut erhalten die Begrenzungsmauern der Grundstücke Pferdemarkt 4 und 5 noch erhalten sind. In der vergangenen Woche konnten wir die ersten Fundamente freilegen. Man kann unter anderem erkennen, dass der Pferdemarkt 4 ein Eckgebäude war, beschreibt Wehmer den Stand der bisherigen Arbeiten.
Die bisher freigelegten Keller lassen einen Schluß auf die Beschaffenheit und den Baustil zu. Da geben sich dann so zusagen mehrere Jahrhunderte die Klinken in die Hand. Vom 16. oder 17. Jahrhundert bis ins 20. Jahrhundert ist alles zu sehen. Kein Wunder, denn vor allem im Fundament und Kellerbereich wurde immer wieder neu gebaut, zugemauert, wurde neue Keller und Gänge angelegt.
Der Blick aus dem Fundamenbereich zum Kornmarkt. Links ein Kellereingang der mit Schutt befüllt ist
Die Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie sind in den zurückliegenden Tagen immer wieder Zeugen geworden, wie emotional die Ausgrabungen vor allem auf ältere Nordhäuser wirken. Viele Frauen und Männer haben uns angesprochen, konnten sich an die Grundstücksgrenzen erinnern und baten darum, die Funde als Mahnung zu erhalten, die einstigen Grundrisse durch Mauerreste wirken zu lassen, so Markus Wehmer zur nnz.
Blick in ein Tonnengewölbe
Das wird nicht möglich sein, ein neues Einkaufszentrum soll auf die Jahrhunderte Nordhäuser Geschichte gepfropft werden. Deshalb werden in den kommenden Wochen weitere Grundmauern freigelegt, akribisch wird alles dokumentiert, wird gezeichnet und vermessen. Die Funde werden geborgen und zwischengelagert. Und davon gibt es bereits jetzt schon viele. Zum Beispiel Glas, das durch die Phosphorbomben geschmolzen war, eine Koppelschnalle, Schuhe oder Einmachgläser als Schlesien.
Die archäologischen Arbeiten dauern bis Ende April, dann soll mit dem Bau des Einkaufszentrums begonnen werden. Vermutlich.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzMarkus Wehmer an den freigelegten Grundmauern. Vermutlich gehören sie zum Pferdemarkt 4
Markus Wehmer, der Ausgrabungsleiter vor Ort, und sein 14köpfiges Team wußten schon, was auf sie zukommt. Trotzdem waren sie überrascht, wie gut erhalten die Begrenzungsmauern der Grundstücke Pferdemarkt 4 und 5 noch erhalten sind. In der vergangenen Woche konnten wir die ersten Fundamente freilegen. Man kann unter anderem erkennen, dass der Pferdemarkt 4 ein Eckgebäude war, beschreibt Wehmer den Stand der bisherigen Arbeiten.
Die bisher freigelegten Keller lassen einen Schluß auf die Beschaffenheit und den Baustil zu. Da geben sich dann so zusagen mehrere Jahrhunderte die Klinken in die Hand. Vom 16. oder 17. Jahrhundert bis ins 20. Jahrhundert ist alles zu sehen. Kein Wunder, denn vor allem im Fundament und Kellerbereich wurde immer wieder neu gebaut, zugemauert, wurde neue Keller und Gänge angelegt.
Der Blick aus dem Fundamenbereich zum Kornmarkt. Links ein Kellereingang der mit Schutt befüllt ist
Die Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie sind in den zurückliegenden Tagen immer wieder Zeugen geworden, wie emotional die Ausgrabungen vor allem auf ältere Nordhäuser wirken. Viele Frauen und Männer haben uns angesprochen, konnten sich an die Grundstücksgrenzen erinnern und baten darum, die Funde als Mahnung zu erhalten, die einstigen Grundrisse durch Mauerreste wirken zu lassen, so Markus Wehmer zur nnz.
Blick in ein Tonnengewölbe
Das wird nicht möglich sein, ein neues Einkaufszentrum soll auf die Jahrhunderte Nordhäuser Geschichte gepfropft werden. Deshalb werden in den kommenden Wochen weitere Grundmauern freigelegt, akribisch wird alles dokumentiert, wird gezeichnet und vermessen. Die Funde werden geborgen und zwischengelagert. Und davon gibt es bereits jetzt schon viele. Zum Beispiel Glas, das durch die Phosphorbomben geschmolzen war, eine Koppelschnalle, Schuhe oder Einmachgläser als Schlesien.
Die archäologischen Arbeiten dauern bis Ende April, dann soll mit dem Bau des Einkaufszentrums begonnen werden. Vermutlich.
Peter-Stefan Greiner



