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nnz-Betrachtung: Politik und Wirtschaft

Mittwoch, 21. Januar 2009, 13:12 Uhr
Es ist das ewige Spiel zwischen Politik und Wirtschaft. Erstere kann machen was sie will, die Zweiten haben immer was zu kritisieren. Also: Unternehmer, rein in die Politik! Doch das ist schwerer getan als hier geschrieben...


Thema Naturpark. Ich kann mich an Diskussionen mit Unternehmern aus dem Landkreis Nordhausen, in der diese Frauen und Männer lautstark über das Ansinnen des Kreistages lamentierten, alsbald einen Naturpark Südharz auf den Weg zu bringen. „Das kann nicht sein. Dürfen die das?“

Ich musste da schon innerlich ein wenig lächeln. Diejenigen, die Tag für Tag mit Zahlen, Bilanzen oder Mitarbeitern umgehen, die benötigen in punkto Politik ab und zu Nachhilfeunterricht. „Natürlich dürfen die das beschließen“, sagte ich. Dazu habe man sie gewählt. Und da genau liegt der Hase im Pfeffer.

Wer sich Gemeinde- oder Stadträte oder aber auch den Kreistag genauer ansieht, der wird Vertreter aus der Wirtschaft nicht allzu häufig finden. Selbst die dreiköpfige FDP-Fraktion, deren Parteimitglieder quasi als die Erfinder und Behüter der Marktwirtschaft gelten, weisen einen Rechtsanwalt und zwei Lehrer in ihren Reihen auf. Ähnlich den anderen Fraktionen. Ganz klar, hier werden Beschlüsse gefaßt, die nicht nur die Wirtschaft des Landkreises im Auge haben, mal vorsichtig ausgedrückt. Ob sie damit des Wählers Meinung gerecht werden, sei dahin gestellt. Sie sind für fünf Jahre gewählt.

Die Konsequenz kann hier nur lauten: Unternehmer in die Kommunalpolitik! Ich kann es schon hören: Wenig oder keine Zeit, vielleicht auch kein Interesse. Und selbst wenn es denn doch Firmenchefs gibt, dann werden die nicht unbedingt mit offenen Armen empfangen. Vielleicht noch als zahlendes Mitglied in einer Partei wie der CDU, vielleicht auch noch als sichere Bank der Wahlkampffinanzierung. Dann aber hört der Spaß auf: Die christdemokratische Politik wollen Anwälte, Mediziner, Sozialarbeiter, Bürgermeister oder Rentner machen. Auch für eine konservative kommunale Politik wollen sie verantwortlich sein. All das Quergedenke stört da nur.

Das Jahr 2009 wird jedoch die Möglichkeit bieten, zum Beispiel die CDU-Fraktionen in Räten und im Kreistag ein wenig zu verjüngen. Ich habe bereits vernommen, dass das sehr schwer wird. Frauen und Männer, die in der Blüte der Mittsiebziger angekommen sind, die wollen noch mal eine Schippe drauflegen. Kann man auf ihre Erfahrung verzichten? Ich sage: Ja, man kann. Irgendwann mal muss Schluß sein. Selbst wenn die Menschheit im Landkreis Nordhäuser immer älter wird.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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