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nnz-Froum: Warum das Schweigen?

Donnerstag, 01. August 2002, 17:42 Uhr
Nordhausen (nnz). Immer noch beschäftigt die Menschen in Nordhausen der tödliche Schuß aus der Waffe eines Kriminalbeamten. Wir veröffentlichen eine weitere Lesermeinung zu diesem Thema in unserem Forum.


In den vergangenen Tagen wurde einem sehr eindrucksvoll vor Augen geführt, wie von Seiten der Behörden, durch gezielte Falschmeldungen und konsequente Abschottung der betreffenden Beamten, versucht wurde, die öffentliche Meinung an sich zu reißen, das Opfer Rene. B in ein schlechtes Licht zu rücken, ihn zu kriminalisieren und den Todesschützen als bedauernswertes Opfer darzustellen.

Es wurde für die Öffentlichkeit eine Notwehrsituation konstruiert ungeachtet dessen, das der tödliche Schuss, der Opfer Rene B. in den Rücken traf und ohne jegliche Einlassungen der beiden beteiligten Polizeibeamten. Glücklicher Weise gibt es nicht nur eine kuragierte Frau Dr. S. Carius, die sich ihre Kritikfähigkeit und eine gesunde Skepsis bewahrt, auch wenn das die zuständigen Mitarbeiter der Nordhäuser Polizeidirektion bitter aufstoßen lässt.

Natürlich ist die Aussageverweigerung nicht nur gängige Praxis der Polizei, sondern vor allem auch das gute Recht jedes Beschuldigten im Strafprozess. Auch die beiden Polizeibeamten können natürlich von diesem Recht gebrauch machen. Stellt sich mir jetzt nur die Frage, warum eigentlich? Machen sie sich dadurch nicht unnötig verdächtig? Schadet dieses Verhalten nicht eher ihrer Glaubwürdigkeit? Müsste es den Polizeibeamten nicht ein dringendes Bedürfnis sein sich zu den Tatvorwürfen zu äußern und zur Wahrheitsfindung beizutragen?

Was hat eigentlich die Polizeibeamtin für ein Grund die Aussage zu verweigern? Könnte sie mit ihrer Aussage ihren Kollegen belasten, würde ihr Schweigen einen Sinn ergeben! Wo war die Beamtin als der Schuss fiel? Hat es unmittelbar vor dem Todesschuss zwischen den Beamten Unstimmigkeiten über deren Vorgehensweise gegeben? Warum wird eigentlich den Beamten die Möglichkeit eingeräumt, sich trotz Aussageverweigerung untereinander abzusprechen, um so eventuelle spätere Aussagen den Ermittlungsergebnissen anzupassen? Warum wird eigentlich nicht, wie es sonst auch überall üblich ist, von allen beteiligten ein Drogentest durchgeführt? Gibt es bei Polizeibeamten keine Verdunklungsgefahr?

Mir ist auch noch unklar, wie jemand der gerade mit Handschellen an einem Eisengitter angekettet miterleben muss, wie sein Freund auf der Straße verblutet, vernehmungsfähig sein soll? Jedenfalls spricht für sich, das von dieser Seite her nicht gemauert wurde! War es nun nur pure Selbstüberschätzung oder war es ein Versuch der beiden Nordhäuser Polizeibeamten sich durch die Festnahme des Rene B. zu profilieren?

Werden nicht unsere Polizeibeamte in aller erster Linie mit der Aufgabe vertraut, Leben zu schützen und nichts Unnötiges zu unternehmen, was ihr eigenes Leben gefährden könnte? Ganz offensichtlich konnten die beiden Polizeibeamten die Situation in der sie sich befanden nicht einschätzen. Andernfalls hätten sie in Sichtkontakt und sicherer Entfernung zum aufgebrachten Rene B. auf ihre bereits herbei gerufene Verstärkung abgewartet.

Gemeinsam wäre es sicher ein Leichtes gewesen, der Situation Herr zu werden und Rene B. professionell zu beruhigen. Nun drängt sich mir und vielen Anderen die Frage auf, ob unsere Nordhäuser Polizeibeamten vielleicht nicht ausreichend und regelmäßig geschult werden, um solche Situationen wie die vom Morgen des 28.Juli in Nordhausen entschärfen zu können? Wird den Beamten vielleicht aus Zeit und Kostengründen einfach nur stärkere Munition gegeben? Jeder, der entsprechende Pressemeldungen verfolgt, weiß doch, wie viele Unfälle es in der Vergangenheit allein durch Polizeiwaffen gab. Brauchen wie da wirklich noch Munition, die einen Menschen nach dem Eintreten innerlich zerfetzt? Wenn ja, sollte diese Munition dann nicht ausschließlich speziell geschulten Sondereinheiten vorbehalten bleiben?

Verstehen kann wohl kaum jemand, wie es zu dieser schrecklich entgültigen Konsequenz, einer völlig aus der Kontrolle geratenen Situation, kommen konnte. Bleibt uns allen nur zu hoffen, das die Zuständigen der Polizei und Staatsanwaltschaft Ihre Strategie ändern und alles für eine lückenlose Aufklärung tun. Ganz besonders dann, wenn im Ergebnis dieser Ermittlungen keine Notwehrsituation festgestellt wird!

Dies ist wichtig, um bei den Bürgern ein Verständnis für Recht und Gesetz zu erhalten und um dem Ansehen von Polizei und Staat nicht noch größeren Schaden zuzufügen. Zum Abschluss möchte ich noch betonen, das ich die Äußerungen von einigen Nordhäuser Polizeibeamten: „Vorsicht, Rauchen gefährdet ihre Gesundheit“ völlig unpassend und geschmacklos finde. Einen besseren Einblick in das Verständnisvermögen dieser Beamten kann man nicht bekommen!
Christopher Brahmstaedt Nordhausen

Anmerkung der nnz-Redaktion: Die im nnz-Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Autor: nnz

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