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Problemregion Nordthüringen?

Donnerstag, 01. August 2002, 08:57 Uhr
Nordhausen (nnz). Thüringens Wirtschaftsminister Franz Schuster (CDU) befürchtet angesichts der lahmenden Konjunktur schlechte Wachstumszahlen in Thüringen. Problemregion im Freistaat sei Nordthüringen, wo Produktivität und Erwerbstätigkeit weiter abgenommen hätten. Zweckpessimismus oder Realität fragt nnz.


Die Frage muss hier eigentlich nicht weiter begründet werden. Zumindest nnz-Leser erinnern sich an angemahnten Klärungsbedarf (18.07.02) zu einer Studie der Friedrich-Schiller-Universität, die im Ergebnis ein Bild der Nordthüringer Wirtschaft zeigt, das zwar nicht von Zuwachsraten geprägt ist, aber ein durchaus optimistisch stimmendes Bild vermittelt. Von den für diese Studie befragten 109 Unternehmern in Nordthüringen - davon 45 Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten - bezeichneten lediglich drei Prozent ihre Lage als schlecht, während 40 Prozent angaben, ihre Situation sei gut bis sehr gut. Und immerhin wird sie noch 45 Prozent als befriedigend eingeschätzt (siehe nnz-Archiv).

Die Umsatzentwicklung wird nach dieser Studie durchweg optimistisch gesehen. Das Fachkräfteangebot bezeichnen 31 Prozent als derzeit ausreichend, während es von 69 Prozent als unbefriedigend beurteilt wird. Entlassungen in Größenordnungen seien zwar nicht beabsichtigt, demgegenüber aber auch keine Neueinstellungen. Eine ausgewogene Einschätzung insgesamt also. Wie bei der Vorstellung Anfang Juni betont wurde, spielte bei Erstellung der Studie die infrastrukturelle Situation oder etwaige Defizite keine wirkliche Rolle.

Demgegenüber ergibt sich aus der von Wirtschaftsminister Franz Schuster gerade vorgestellten Studie führender Forschungsinstitute doch ein merklich anderes Bild. Es zeigt, dass lediglich die Region Eisenach-Suhl seit 1996 bei Produktivität und Erwerbstätigkeit ein Plus vorweisen kann. In Ost- und Mittelthüringen stieg die Produktivität, während die Zahl der Erwerbstätigkeit sank. Nordthüringen aber sei weiter eine Problemregion: Dort nahmen Produktivität wie auch Erwerbstätigkeit ab. „Wir müssen verhindern, dass sich regionale Ungleichheiten nicht noch stärker herausbilden“, sagte Schuster. Für Nordthüringen erhofft sich Schuster von der Fertigstellung der A 38 weitere Ansiedlung von Firmen.

Die Ergebnisse beider Studien stimmen also in wesentlichen Bereichen nicht überein. Und nachdem eine Gegenüberstellung diese Unterschiedlichkeit sehr konkret zum Ausdruck bringt, wird man seitens der Auftraggeber der Studie, die von der Uni Jena erstellt wurde, reagieren müssen, um nicht den Eindruck aufkommen zu lassen, es habe sich wirklich um eine „Auftragsarbeit“ gehandelt.
Autor: nnz

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