Nur im Widerstand gelächelt
Mittwoch, 14. Januar 2009, 12:46 Uhr
In diesem Jahr soll die DDR wieder einmal im Mittelpunkt in Nordhausen stehen. Neben den vielen Wahlen. Vielleicht wird auch einiges miteinander verwoben? Den Auftakt der rolandstadt-historischen Aufarbeitung von vier Jahrzehnten macht eine Ausstellung im Kunsthaus. Deren Tenor gibt die Richtung vor...
Es ist ein Mann, der mit dem Fotoapparat in der damaligen DDR unterwegs war. Nach dem Roger Melis für die schmucken Fotos für die Sybille verantwortlich war, zog es ihn zur wahren DDR und deren darin eingepferchten Menschen hin. In die Kombinate, in die Dreckecken der sozialistischen Planwirtschaft. 67 Fotos haben die Macher des Kunsthauses Meyenburg von ihm an die Wände gehängt. Heute habe ich sie mir angesehen. Bis auf eines zeigen die schwarz-weißen Aufnahmen Menschen, die zum Teil abgestumpft in die Kamera blicken. Trostlos, inhaltslos, müde, zerfurcht, die Qual des Lebens im real existierenden Sozialismus, das Hinsiechen im staatlichen Gefängnis ist ihnen anzusehen.
Lächeln (Foto: nnz)
Auf einem der 67 Bilder lächeln die dort angebildeten Menschen dem Herrn Melis zu. Zu erkennen sind darauf Wolf Biermann und Sarah Kirsch. Na klar, die müssen lächeln, sie sind der Widerstand. Sie haben sich gefunden, um dem grauen Alltag zu entkommen, um gemeinsam das zu tun, was ihnen da draußen verwehrt ist – glücklich sein. Dieses Bild wird keinen Geruch wie die anderen haben. Da bin ich froh, wenigstens ein Bild, dass Menschen nicht als Teil einer Masse zeigt. Schwarz-weiße Pseudo-Freiheit.
Ich persönlich habe in den 70er und 80er Jahren auch fotografiert. Vielleicht nicht so professionell und heute so gut verwert- und vermarktbar, aber ich habe nicht gezielt gesucht, den Auslöser bedient, entwickelt und wieder sortiert, damit jetzt die DDR an die Wände des Kunsthauses Meyenburg gehängt werden kann, die sich für den 20. Jahrestag der friedlichen Revolution bestens eignen kann. Man hat sie ausgesucht – die DDR.
Ich habe damals drauflos fotografiert – unter Freunden, Bekannten, bei Volksfesten – eben drauf los. Und habe eine Mischung aus dem erhalten, was Zusammenleben aus macht: Leid, Kummer, Mißmut, Ärger. Aber eben auch Freude, Glück und Lachen.
Im vergangenen Jahr war ich mit meinem Fotoapparat in der Nordhäuser Altstadt unterwegs und habe gezielt nach baulichen Ruinen, nach Dreckecken gesucht und habe diese Aufnahmen veröffentlicht. Postwendend kam eine Mail von Hansjürgen Nüßle, der mich darauf aufmerksam machte, was sich alles zum Positiven in der Altstadt verändert habe und auch das sollte fotografiert werden. Recht hatte er damals, der Herr Nüßle. Nur, wenn ich gezielt suche und gezielt etwas ablichte, dann erhalte ich Ergebnisse oder Aussagen, die zuvor gewollt waren. Das ist heute nicht anders als vor 30 oder 40 Jahren.
Insofern kann ich dem Bemühen des Herrn Melis nicht mal ein mühsames Lächeln abringen. Er tut mir einfach leid. Hoffentlich bleibt dieses Gefühl nicht beim Rest der Aufarbeitung der 40 Jahre DDR in den kommenden Monaten bestehen. Verdient hat es dieser Teil der Biographie vieler Menschen in Nordhausen nicht.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzEs ist ein Mann, der mit dem Fotoapparat in der damaligen DDR unterwegs war. Nach dem Roger Melis für die schmucken Fotos für die Sybille verantwortlich war, zog es ihn zur wahren DDR und deren darin eingepferchten Menschen hin. In die Kombinate, in die Dreckecken der sozialistischen Planwirtschaft. 67 Fotos haben die Macher des Kunsthauses Meyenburg von ihm an die Wände gehängt. Heute habe ich sie mir angesehen. Bis auf eines zeigen die schwarz-weißen Aufnahmen Menschen, die zum Teil abgestumpft in die Kamera blicken. Trostlos, inhaltslos, müde, zerfurcht, die Qual des Lebens im real existierenden Sozialismus, das Hinsiechen im staatlichen Gefängnis ist ihnen anzusehen.
Lächeln (Foto: nnz)
Auf einem der 67 Bilder lächeln die dort angebildeten Menschen dem Herrn Melis zu. Zu erkennen sind darauf Wolf Biermann und Sarah Kirsch. Na klar, die müssen lächeln, sie sind der Widerstand. Sie haben sich gefunden, um dem grauen Alltag zu entkommen, um gemeinsam das zu tun, was ihnen da draußen verwehrt ist – glücklich sein. Dieses Bild wird keinen Geruch wie die anderen haben. Da bin ich froh, wenigstens ein Bild, dass Menschen nicht als Teil einer Masse zeigt. Schwarz-weiße Pseudo-Freiheit.Ich persönlich habe in den 70er und 80er Jahren auch fotografiert. Vielleicht nicht so professionell und heute so gut verwert- und vermarktbar, aber ich habe nicht gezielt gesucht, den Auslöser bedient, entwickelt und wieder sortiert, damit jetzt die DDR an die Wände des Kunsthauses Meyenburg gehängt werden kann, die sich für den 20. Jahrestag der friedlichen Revolution bestens eignen kann. Man hat sie ausgesucht – die DDR.
Ich habe damals drauflos fotografiert – unter Freunden, Bekannten, bei Volksfesten – eben drauf los. Und habe eine Mischung aus dem erhalten, was Zusammenleben aus macht: Leid, Kummer, Mißmut, Ärger. Aber eben auch Freude, Glück und Lachen.
Im vergangenen Jahr war ich mit meinem Fotoapparat in der Nordhäuser Altstadt unterwegs und habe gezielt nach baulichen Ruinen, nach Dreckecken gesucht und habe diese Aufnahmen veröffentlicht. Postwendend kam eine Mail von Hansjürgen Nüßle, der mich darauf aufmerksam machte, was sich alles zum Positiven in der Altstadt verändert habe und auch das sollte fotografiert werden. Recht hatte er damals, der Herr Nüßle. Nur, wenn ich gezielt suche und gezielt etwas ablichte, dann erhalte ich Ergebnisse oder Aussagen, die zuvor gewollt waren. Das ist heute nicht anders als vor 30 oder 40 Jahren.
Insofern kann ich dem Bemühen des Herrn Melis nicht mal ein mühsames Lächeln abringen. Er tut mir einfach leid. Hoffentlich bleibt dieses Gefühl nicht beim Rest der Aufarbeitung der 40 Jahre DDR in den kommenden Monaten bestehen. Verdient hat es dieser Teil der Biographie vieler Menschen in Nordhausen nicht.
Peter-Stefan Greiner

