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Förderpreis ausgeschrieben

Freitag, 09. Januar 2009, 09:45 Uhr
Bereits zum vierten Mal schreibt der „Gesprächskreis Baustoffe“ den Förderpreis „Landschaften aus zweiter Hand“ aus. Durch den Rohstoffabbau im Landkreis verändert sich die Landschaft, die anschließend wieder neu gestaltet werden muss.


„Mit diesem Preis wollen wir die Beiträge der Wirtschaft zur Renaturierung und Rekultivierung publik machen und würdigen“, erläutert Horst Huck, einer der Initiatoren des „Gesprächskreises Baustoffe“ und Netzwerkmanager im Kooperationsverbund innovative Baustoffe. „Uns geht es dabei um die Motivation und Förderung für diejenigen, die bei ihrer Arbeit Eingriffe in die Natur tätigen. Wir möchten erreichen, dass diese Eingriffe möglichst naturverträglich geschehen und an den Orten erfolgen, wo die wenigsten Folgen entstehen“, erläutert Ralf Harms, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, der den Gesprächskreis ebenfalls mit bekleidet.

Im „Gesprächskreis Baustoffe“ treffen sich seit fast vier Jahren Vertreter der Rohstoffindustrie sowie des amtlichen Naturschutzes in Form der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes und des nichtamtlichen Naturschutzes, wie zum Beispiel dem Verein NABU und die Ornithologen. Die Mitglieder diskutieren konstruktiv über die Spannungen zwischen der industriellen Nutzung von Flächen, insbesondere den Abbau von Rohstoffen wie Gips, Kalkstein, Ton oder Kies auf der einen Seite und dem Natur- und Landschaftsschutz auf der anderen Seite und beraten den Landrat in Fragen des Abbaus von Baurohstoffen.

Die Ziele beider Seiten – der Wirtschaft und des Naturschutzes – erscheinen oft zunächst gegensätzlich. Kompromisse rücken in weite Ferne. Hier setzt der Gesprächskreis an, um beide Seiten an einen Tisch zu bringen und tragfähige Lösungen zu entwickeln. „Das Gremium ist paritätisch zusammengesetzt. Von den acht ständigen Mitgliedern kommen jeweils vier Vertreter aus der Wirtschaft und vier aus dem amtlichen und nichtamtlichen Naturschutz. Wichtig ist uns ein sachliches, faires Gespräch miteinander, das wir in unseren bisher zwanzig Treffen gepflegt haben“, sagt Horst Huck, ehemaliger Geschäftsführer der Kieswerke Nordhausen, als Vertreter der Wirtschaft im Gremium.

Er bewertet die Zusammenarbeit im Gesprächskreis ebenso wie Ralf Harms positiv. „Wir wollen dazu beitragen, die Landschafts- und Naturraumpotentiale im Landkreis zu erhalten und Lösungen entwickeln, wie sich die Baurohstoffe in unserer Region besser nachhaltig nutzen lassen, um zukünftig die ökonomischen und ökologischen Raumnutzungspotentiale gleichrangig einzustellen, um auch weiterhin einen breit gefächerten Tourismus zu ermöglichen“, so Ralf Harms.

Mit dem Förderpreis „Landschaften aus zweiter Hand“ würdigt der Gesprächskreis speziell Maßnahmen, die zur Rekultivierung bzw. Renaturierung von bergbaulich genutzten Gebieten und industriellen Brachflächen sowie zur Verkehrsinfrastruktur im Landkreis Nordhausen beitragen. Schirmherr und Förderer des Preises ist Landrat Joachim Claus. „Wenn ich durch mein wirtschaftliches Handeln in die Natur eingreife, ist es selbstverständlich, diesen Eingriff nachher naturschutzfachlich zu heilen und eine neue ‚zweite’ Natur zu schaffen“, meint Joachim Claus. Ralf Harms ergänzt: „Es ist wichtig, die Neugestaltung schon in der Phase des Abbaus zu bedenken, weil man sie zu diesem frühen Zeitpunkt besser beeinflussen kann.“

Bisher hat der Gesprächskreis mit dem Förderpreis das Ziegelwerk Nordhausen ausgezeichnet, das einen Pflegeplan entwickelt hat, um den Arten- und Biotopschutz im Tonabbaugebiet zu fördern. Weil sie den Sundhäuser See, Teilsee D-West mit zusätzlichen Maßnahmen rekultiviert und dort ein Tauschsportbasis eingerichtet und befördert haben, hat der Gesprächskreis das Unternehmen TiRo Tief- und Rohrleitungsbau Neu GmbH, das bis 1998 dort Kies abbaute, und den Tauchsport Sondershausen – Sundhäuser See geehrt. Im vergangenen Jahr ging der Förderpreis an die NDH Entsorgungsbetreibergesellschaft mbH für die Rekultivierung der Kalihalde in Bleicherode, die in der 90er Jahren begann. Dort zeigt sich inzwischen wieder der Beginn einer ansprechenden Landschaft.

Im Fokus des Förderpreises steht auch dieses Jahr, wie die über das notwendige Maß hinaus geplante bzw. realisierte Wiedereingliederung, Renaturierung bzw. Rekultivierung umgesetzt wurde und wie die Öffentlichkeit die Neugestaltung annimmt und nutzt. Dabei können die umgestalteten Flächen ganz unterschiedlich genutzt werden, sei es zum Biotop- und Artenschutz, als Naherholungsgebiet oder zur Freizeitgestaltung, um nur drei Beispiele zu nennen.

Der Einsendeschluss für den Förderpreis ist der 10. August 2009. Beteiligen können sich Unternehmen, Institutionen, Behörden und Vereine. Wer sich um den Förderpreis bewerben will, sollte seinen Auszeichnungsvorschlag kurz dargestellt mit einem Verweis auf weitere Dokumentationen in dreifacher Ausführung beim „Gesprächskreis Baurohstoffe“, Landratsamt Nordhausen, Grimmelallee 23, 99734 Nordhausen einreichen. Innerhalb von drei Monaten erhalten alle Einsender eine Antwort.

Der „Gesprächskreis Baustoffe“ beurteilt zum Beispiel, wie die Renaturierungsmaßnahme ausgeführt wurde, wie die Öffentlichkeit in die Planung und Realisierung einbezogen wurde, wie die entstandene Anlage genutzt wird oder ob sie ein Alleinstellungsmerkmale für die Region darstellt. Nähere Informationen zum Förderpreis stehen im aktuellen Amtsblatt des Landkreises Nordhausen (Nr. 1/2009 unter www.landratsamt-nordhausen.de/Amtsblaetter.187.0.html).
Autor: nnz

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