nnz-Betrachtung: Weihnachtswunsch
Samstag, 20. Dezember 2008, 16:56 Uhr
Im kommenden Jahr müssen alle gesetzlich versicherten Menschen dieses Landes, auch ich, richtig viel Geld für die Gesundheit abdrücken. Da ist mir ein Wunsch schon mal erlaubt...
Ich muss zum Arzt, ein Grippe ist vermutlich im Anzug. Also – da muss ich nicht wählen, ich gehe zum Hausarzt, dem Arzt meines Vertrauens. Einen Termin habe ich nicht. Im Wartezimmer drei weitere Patienten, eine freundliche Schwester am Tresen, die mir nach dem Einlesen der Chipkarte einen Platz im Wartebereich empfiehlt.
Nach 15 Minuten werde ich aufgerufen. Der Arzt empfängt mich freundlich, egal ob die Börsenkurse gerade fallen oder steigen. Der Mann im weißen Kittel hat Zeit, die für ihn kein Geld bedeutet. Auch klappert er nicht pausenlos auf der Tastatur seines PC herum. Er spricht mit mir, will in aller Ruhe wissen, was mich hierher führt.
Dieser Arzt ist Arzt, ein Mensch also, der mal einen Eid geschworen hat. Auch die Deklaration des Weltärztebundes ist ihm nicht fremd, er handelt danach:
Möglich ist das, weil der Arzt, der mich gewissenhaft untersucht, kein Unternehmer ist, sondern bei einer der beiden großen Krankenkassen angestellt ist, die es im Reich meiner Wünsche noch gibt. Er muss nicht den Punkten hinterher hecheln.
Ich bin nicht schwer krank, nur ein kleiner Infekt. Ich erhalte ein Rezept, der Mann im weißen Kittel reicht mir die Hand, gibt mir noch einige Ratschläge mit auf den Weg. Er will nicht, dass ich bald wiederkomme. Er mag gesunde Patienten. Drei Tage später bekomme ich Post von ihm. Es ist die Auflistung dessen, was er mit mir gemacht hat und es stehen die Summen dahinter, was diese Behandlung gekostet hat, samt eingelöster Medikamente. Schließlich will ich wissen, warum ich Kassenbeiträge zahle.
Wäre das nicht eine wunderbare Welt der Medizin? Weitere Wünsche hätte ich noch. Zum Beispiel für den Besuch einer Apotheke. Aber das würde diesen Rahmen sprengen. Man will ja nicht unverschämt sein. Irgendwann ist wieder Weihnachten.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz/knIch muss zum Arzt, ein Grippe ist vermutlich im Anzug. Also – da muss ich nicht wählen, ich gehe zum Hausarzt, dem Arzt meines Vertrauens. Einen Termin habe ich nicht. Im Wartezimmer drei weitere Patienten, eine freundliche Schwester am Tresen, die mir nach dem Einlesen der Chipkarte einen Platz im Wartebereich empfiehlt.
Nach 15 Minuten werde ich aufgerufen. Der Arzt empfängt mich freundlich, egal ob die Börsenkurse gerade fallen oder steigen. Der Mann im weißen Kittel hat Zeit, die für ihn kein Geld bedeutet. Auch klappert er nicht pausenlos auf der Tastatur seines PC herum. Er spricht mit mir, will in aller Ruhe wissen, was mich hierher führt.
Dieser Arzt ist Arzt, ein Mensch also, der mal einen Eid geschworen hat. Auch die Deklaration des Weltärztebundes ist ihm nicht fremd, er handelt danach:
- Ich gelobe feierlich mein Leben in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen;
- Ich werde meinen Lehrern die Achtung und Dankbarkeit erweisen, die ihnen gebührt;
- Ich werde meinen Beruf mit Gewissenhaftigkeit und Würde ausüben;
- Die Gesundheit meines Patienten soll oberstes Gebot meines Handelns sein;
- Ich werde die mir anvertrauten Geheimnisse auch über den Tod des Patienten hinaus wahren;
- Ich werde mit allen meinen Kräften die Ehre und die edle Überlieferung des ärztlichen Berufes aufrechterhalten;
- Meine Kolleginnen und Kollegen sollen meine Schwestern und Brüder sein;
- Ich werde mich in meinen ärztlichen Pflichten meinem Patienten gegenüber nicht beeinflussen lassen durch Alter, Krankheit oder Behinderung, Konfession, ethnische Herkunft, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, politische Zugehörigkeit, Rasse, sexuelle Orientierung oder soziale Stellung
Möglich ist das, weil der Arzt, der mich gewissenhaft untersucht, kein Unternehmer ist, sondern bei einer der beiden großen Krankenkassen angestellt ist, die es im Reich meiner Wünsche noch gibt. Er muss nicht den Punkten hinterher hecheln.
Ich bin nicht schwer krank, nur ein kleiner Infekt. Ich erhalte ein Rezept, der Mann im weißen Kittel reicht mir die Hand, gibt mir noch einige Ratschläge mit auf den Weg. Er will nicht, dass ich bald wiederkomme. Er mag gesunde Patienten. Drei Tage später bekomme ich Post von ihm. Es ist die Auflistung dessen, was er mit mir gemacht hat und es stehen die Summen dahinter, was diese Behandlung gekostet hat, samt eingelöster Medikamente. Schließlich will ich wissen, warum ich Kassenbeiträge zahle.
Wäre das nicht eine wunderbare Welt der Medizin? Weitere Wünsche hätte ich noch. Zum Beispiel für den Besuch einer Apotheke. Aber das würde diesen Rahmen sprengen. Man will ja nicht unverschämt sein. Irgendwann ist wieder Weihnachten.
Peter-Stefan Greiner
