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Zeichnungen für den "Zug der Gefangenen"

Donnerstag, 11. Dezember 2008, 15:44 Uhr
Die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora hat einige Blätter aus der Sammlung des Bildhauers Heinz Scharr erhalten. Bei einem Besuch in Nordhausen übergab der Künstler neun Grafitzeichnungen. Es handelt sich vorwiegend um Entwürfe...


Übergeben (Foto: Gedenkstätte) Übergeben (Foto: Gedenkstätte) ...für das große Kupferrelief „Zug der Gefangenen“, das Ende der 1970er Jahre auf dem ehemaligen Appellplatz angebracht wurde. Die Zeichnungen ergänzen die bereits in der Sammlung der Gedenkstätte verwahrten Entwürfe Scharrs. Großenteils zeigen sie stilisierte, unterschiedlich positionierte Figurengruppen: Kolonnen von Häftlingen, die sich vorwärts schleppen, oder auch liegende Körper Toter und Sterbender.

Deutlich im Vordergrund dieser und anderer Studien steht die Suche nach einem künstlerischen Ausdruck für das Leiden der Lagerinsassen. Damit lagen die Arbeiten quer zur vorherrschenden staatsoffiziellen Geschichtspolitik der DDR. Diese stellte auch noch in den siebziger Jahren Kampf und Widerstand der inhaftierten antifaschistischen Helden in den Mittelpunkt jeder Betrachtung – eine Perspektive, die Leidenserfahrungen der Mehrheit der KZ-Häftlinge an den Rand der Wahrnehmung drängte.

Die von Heinz Scharr übergebenen Blätter sind sowohl als bedeutende Dokumente der künstlerischen Auseinandersetzung mit der KZ-Geschichte als auch als erinnerungspolitisch interessante Zeugnisse zu betrachten. Schließlich entstanden alle im Zusammenhang mit der Gestaltung eines Kupfergroßreliefs für die damalige Mahn- und Gedenkstätte Mittelbau-Dora. Im Frühjahr 1974 war Scharr vom Rat des Kreises Nordhausen beauftragt worden, eine über 40 Meter lange, leicht geschwungene Mauer zu gestalten. Sie bildet den Hintergrund für ein Betonpostament und grenzt den Appellplatz des ehemaligen Häftlingslagers nach Süden ab. 1979 vollendete Scharr das Werk aus 24 bearbeiteten Kupferplatten mit überlebensgroßen Figuren.

Heinz Scharr ist - abgesehen von der plastischen Arbeit - auch als Grafiker, Zeichner und Maler tätig. 1924 in Sondershausen geboren, hat er nach Kriegsdienst und britischer Kriegsgefangenschaft von 1948 bis 1952 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig studiert. Seit 1976 lebt und arbeitet er als freischaffender Künstler bei Utterode im Landkreis Nordhausen. Jüngst würdigte die Galerie auf der Burg in Großbodungen sein Schaffen mit einer großen Werkschau.
Autor: nnz

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