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Schneebälle und anderes (Teil 1)

Samstag, 20. Juli 2002, 09:00 Uhr
Nordhausen (nnz). Im fernen Namibia gibt es viele Farmen. Eine davon trägt den Namen „La Rochelle“. Dort sonnt sich ein Mann namens Hans-Jürgen Koch. Was Koch mit Nordhausen zu tun hat, das hat die nnz für Sie mit Zahlen und Fakten zusammengetragen.


„Der 53jährige Beschuldigte Hans-Jürgen Koch veranlasste in den Jahren 1994 bis März 2000, von seinem Wohn- und Geschäftssitz in Bad Heilbrunn aus zahlreiche deutsche Kommunen und kommunale Verbände dazu, Geldbeträge teilweise in Millionenhöhe kurzfristig gegen einen Zinssatz von durchschnittlich drei Prozent bei anderen Gemeinde anzulegen“. So beginnt eine nüchterne Pressemitteilung der Münchner Staatsanwaltschaft aus dem Jahr 2001.

Am 26. April wurde durch das Amtsgericht München Haftbefehl erlassen. Da aber war Hans-Jürgen Koch bereits nach Namibia „abgereist“, wo er als Honorarkonsul lebt. Mit dem Verschwinden von Koch brach ein Schneeballsystem zusammen, in dem sich nicht nur rund 350 Kommunen, sondern auch die Stadt Nordhausen verfangen hatten. Bereits in diesem Jahr hatten verschiedene TV-Magazine über die Geschäfte des Herrn Koch berichtet (siehe hierzu auch im nnz-Archiv). Fakt ist, dass viele Städte und Landkreise durchaus mit löblicher Absicht gehandelt hatten, als sie Geld verliehen, das mal so übrig war. Aber warum musste es über ein System sein, bei dem der Verleiher zwar vielleicht wusste, wem er das Geld verliehen hatte, aber nicht wusste, von wem er es zurückbekommen sollte?

Viele Kommunen lobten denn auch in den zurückliegenden Monaten öffentlich Besserung. So zum Beispiel die Stadt Böblingen. „Nach der Koch-Affäre hat die Stadt Böblingen politische Konsequenzen gezogen. Wir tätigen Geldanlagen nun bevorzugt bei hiesigen Banken“, sagte der Sprecher der baden-württembergischen Stadt, Wolfgang Pfeiffer, im Juni der Pforzheimer Zeitung. In diesem Bundesland liegt auch die 14.000-Seelen-Gemeinde Grenznach-Wyhlen. Sie hat Rücklagen in Höhe von 12 Millionen Euro in das Koch-System eingezahlt. An 23 Kommunen hat Grenznach-Wyhlen Geld verliehen, von 22 Städten und Landkreisen Geld erhalten. Doch da stehen auch noch einige Beträge offen. Und so führt die Spur nach Nordhausen. Nordhausen muß an Grenznach-Wyhlen eine erkleckliche Summe zahlen, erhält aber auch Geld zurück.

Wie in Nordhausen mit dem System Koch umgegangen wird, welche Forderungen an Nordhausen anhängig sind und von wem Nordhausen Geld zurückbekommt, das erfahren Sie im 2. Teil dieser Abhandlung. Vor allem wird auch die Frage aufgeworfen, wie man hier und anderswo mit der Öffentlichkeit umgeht.
Autor: nnz

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