nnz-online

"Taigatrommel" wieder im Einsatz

Sonntag, 14. Juli 2002, 15:37 Uhr
Nordhausen (nnz). Anlieger werden es ebenso wie Eisenbahnfans schon bemerkt haben: Seit einigen Wochen boomt auf der Südharzstrecke zwischen Nordhausen und Northeim wieder der Güterverkehr und wird in vollem Umfang auch über den Sachsenstein abgewickelt. Und es gibt Probleme.


Nach dem Rückzug der DB Cargo von den allermeisten Tarifpunkten entlang der Strecke musste man mit einem völligen Zusammenbrechen des restlichen Güterverkehrs rechnen. Doch ist - vor allem Dank der Initiative des Scharzfelder Dolomitwerks, welches hierdurch den Südharzer Strassen täglich mehrere Dutzend zusätzliche Lkw-Fahrten erspart - das Gegenteil der Fall.

Privatbahnen und DB Cargo im Rennen
Das Scharzfelder Werk wird inzwischen durch zwei private Eisenbahnunternehmen mehrmals wöchentlich bedient. Während nach Osten die zur Connex-Gruppe zählende Regionalbahn Bitterfeld mit teilweise hochmodernen Lokomotiven den Verkehr in Ganzzügen abwickelt, ist es nach Westen hin die Westfälische Almebahn, die einerseits Braunkohlenstaub heranfährt und andererseits ebenfalls Ganzzüge unter anderem in Richtung Bad Segeberg abfährt. Die "WAB" setzt hierbei auf aufgearbeitete ehemalige Loks der Deutschen Reichsbahn, darunter die bekannte "Taigatrommel".

Zum Silber und Blau der RBB und Grün und Gelb der WAB gesellt sich aber auch verkehrsrot, denn auch DB Cargo ist weiterhin im Rennen. Derzeit werden werktäglich 1-2 komplette Züge mit Mergel aus dem Werk herausgezogen und gen Osten abgefahren. Zusammen mit den zugehörigen Leerwagenzügen und Lokomotivbewegungen bringt dies erheblichen Mehrverkehr vor allem zwischen Scharzfeld und Nordhausen. Bis zu vier Güterzüge an einem Werktag waren schon zu beobachten, wobei das "Durchschleusen" dieser Züge bei stündlichen Personenzügen in beiden Richtungen schon ein kleines Kunststück ist.

Infrastruktur weiter vorhalten
Bei der Initiative "Höchste Eisenbahn für den Südharz" ist man über den Boom und das Engagement der Scharzfelder Dolomitwerker hoch erfreut, bringt doch jede Güterzugfahrt erhebliche Trasseneinnahmen, mit denen die Infrastruktur der Strecke weiter verbessert werden kann. "Man sieht aber auch, dass der voreilige Rückbau der Gütergleise mitunter große Zukunftsaussichten verbaut" meint Michael Reinboth von der Initiative, der darauf setzt, dass im Rahmen des "Regent"-Programms der Bahn eine ausreichende Struktur für den Güterverkehr im Südharz vorgehalten wird und auch Zugüberholungen und Zugkreuzungen auf mehreren Stationen möglich bleiben. "Die untere Grenze ist eigentlich schon erreicht, denn der Kreuzungsbahnhof Woffleben steht nicht mehr zur Verfügung. Scharzfeld, Walkenried, Ellrich und Niedersachswerfen werden unbedingt benötigt, um den Verkehr auf der Strecke flüssig halten zu können". Immerhin konnten in Scharzfeld kurzfristig weitere schon abgemeldete Gleise wieder verfügbar gemacht werden.

Trotz Mehrverkehr: Es wuchert weiter
Ein schlechtes Zeugnis stellt man bei der Initiative der Bahn in punkto Streckenpflege aus. Güter- wie Personenzüge müssen sich bei Walkenried am Sachsenstein mittlerweile durch einen Dschungel kämpfen, denn trotz mehrfacher Hinweise hat die Bahn keinen Finger gerührt, um dem wild wuchernden Grün zwischen den Gleisen beizukommen. Üppiger Bewuchs macht, wenn nichts getan wird, das Gleisbett kaputt. "Wir wundern uns schon ein wenig über das Desinteresse der Bahn", kommentiert Reinboth. Der erwägt jetzt erneut, das Eisenbahn- Bundesamt als Aufsichtsbehörde der Bahn auf diesen Umstand hinzuweisen.
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de