nnz-online

Theaterdiskussion kein Selbstzweck

Freitag, 12. Juli 2002, 15:27 Uhr
Nordhausen (nnz). Die Meinungen, Vorwürfe und Schuldzuweisungen im Zusammenhang mit der prekären Lage der Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH gehen munter weiter. Etwas wirklich Konstruktives war darunter bislang nicht zu entdecken. Das aber wäre in der augenblicklichen Situation vordringlich, meint nnz.


Schon deshalb ist es nicht Absicht dieses Beitrags, in den Chor von Stimmungsmachern - das Sommerloch scheint dafür willkommen - oder Zeitgenossen einzustimmen, denen für ihre Meinungen in anderen Medien ein einladendes Podium geboten wird. Einfache Tatsache ist aber doch, dass das Theater Nordhausen, wie immer es sich momentan oder auch zukünftig privatrechtlich darstellt, Finanzmittel braucht, die in der benötigten Höhe nicht vorhanden sind. Und wenn man jetzt auch Möglichkeiten realisieren kann, die über einen gewissen Zeitraum Abhilfe schaffen, ist es doch nur eine Frage der Zeit, wann die Diskussion über Einsparungs- oder Abbaunotwendigkeiten bei Sparten oder Personal wieder geführt werden muss. Einfach deshalb, weil der größte Teil des Finanzhaushalts des Theaters für Personalkosten ausgegeben werden muss.

Nun erinnert sich nnz an einen Vorgang, der im vergangenen Jahr das BIC Nordthüringen betraf. Damals stand die Frage vor den Trägern dieser Institution, wie zukünftig mit dieser Einrichtung zu verfahren sei. Und Helmut Nüchter, der Geschäftsführer des BIC, machte sich auf den Weg zu den Stadträten und den Kreistagen, um für seine Einrichtung den Weiterbestand zu sichern. Was ihm - zusammen mit neu gefassten Konzepten - schließlich auch gelang.

Warum eigentlich ist etwas ähnliches nicht auch im Interesse des Theaters möglich? Wobei hier natürlich nicht an die kommunalen Institutionen gedacht ist, die schon als Stadtrat oder Kreistag in den Gesellschafterkomplex involviert sind. Warum also ist es nicht möglich, ähnlich dem Marketing von Sportvereinen sporadische oder auch permanente Sponsoren für diese kulturelle Einrichtung zu finden, die allein schon als „weicher Standortfaktor“ hohe Bedeutung für die Region hat? Beauftragte könnten dann sowohl die Kommunen als auch Unternehmen im gesamten Einzugsgebiet dieses Theaters aufsuchen und dessen Erhalt als elementare Notwendigkeit überzeugend darzustellen vermögen.

Wohl hat man Versuche gemacht, jene Kommunen anzugehen, förmliche Anfragen an sie gerichtet und sich mit der zu erwartenden Absage zufrieden gegeben. Das müssen auch jene Marketingvereine in Kauf nehmen, die sich mit derart sterilen Versuchen begnügen. Um Sponsoren zu gewinnen, bedarf es schon einiges mehr, das geht bis zum verbissenen persönlichen Einsatz und kann Knochenarbeit sein. Rechtfertigt aber gerade dieser Zweck nicht jeden Einsatz?

Es gibt sowohl in Nordhausen als auch in Sondershausen je einen Förderverein für Theater und Loh-Orchester, zu dessen Aufgaben es eigentlich gehören müsste, mehr zu tun als nur an die Bürger zu appellieren, Theater- oder Musikveranstaltungen zu besuchen. Nur scheint, dass deren Mitglieder zu wirklichem Einsatz in der gemeinten Art kaum zu gewinnen sind (über die Gründe müssen hier keine Ausführungen gemacht werden). Gründet man aber eine Veranstaltungs- und Betriebs-GmbH, dann könnte es sehr wohl zu deren Aufgaben gehören, nach Sponsoren Ausschau zu halten und um solche ständig bemüht zu sein.

Dazu müsste nicht ein besonderer Marketingverein gegründet werden. Was aber Sportvereinen möglich ist, sollte auch für einen solchen Zweck möglich sein. Man kann eine solche Anregung geringschätzig als für eine so hochrangige Kultureinrichtung unangemessen abtun. Man kann aber auch darüber nachdenken, weil eine solche Kultureinrichtung eben gerade jeder Anstrengung wert ist. Sponsoring ist heutzutage ein durchaus angesehenes Instrument der Erhaltung und Förderung. Gehört nicht die Sparkasse schon dazu?
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de