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Ein reines Wackerwochenende

Donnerstag, 06. November 2008, 11:08 Uhr
Die ominöse Dreizehn brachte dem FSV Wacker 90 Nordhausen am vergangenen Wochenende kein Pech. Im Gegenteil. In einem gutklassigen Landesliga-Punktspiel setzten sich die Südharzer gegen den FV Gera Süd (ehemals Wismut) verdient mit 2:0 durch. Jetzt heißt es: Auf nach Gotha, zu Wacker...

Wacker gegen Wacker (Foto: Verkouter) Wacker gegen Wacker (Foto: Verkouter)

Seit dem 4. Juni beim knappen 1:2 in Erfurt haben die Neunziger in 13 Pflichtspielen neunmal gewonnen (davon drei Auswärtsbegegnungen im Pokal) und vier Unentschieden (drei zu Hause) erkämpft. Mit den erfolgreichen Testspielen in der Sommerpause hat man sogar 16-mal hintereinander nicht verloren.

Natürlich muss man irgendwann auch wieder Niederlagen einstecken. Ausgerechnet der kommende Gegner, die Spielgemeinschaft Wacker 03 Gotha/Friemar, als Gastgeber des Spitzenspiels am Sonnabend um 14 Uhr im Volkspark-Stadion an der Pfullendorfer Straße kann da schon einmal solche Gedanken aufkommen lassen, denn die Gothaer waren neben SCHOTT Jena und Rot-Weiß Erfurt II das einzige Team der Vorsaison, das Nordhausen zweimal das Nachsehen gab.

Im Hinspiel sah Vizepräsident Olaf Schulze die letzten Minuten so: „Nordhausen führte, das Spiel schien fast gelaufen zu sein, doch dann kam die Unzeit des Christian Finsterbusch. In der 87. Minute kam der Ball, der wohl als Abschlag gedacht war, direkt vor die Beine von Brandl, der lief auf das Nordhäuser Tor zu, Finsterbusch lief raus und das 2:2 war eine leichte Sache für den Gothaer. Es sollte aber noch dicker kommen, denn zwei Minuten später wird die Gäste-Abwehr völlig überraschend überflankt, Finsterbusch macht die kurze Ecke auf, der Ball liegt hinter ihm im Tor: Es steht 3:2 für Gotha.“

Parallelen zum Rückspiel in Nordhausen sind unverkennbar. Die Neunziger spielten nach dem Platzverweis Elles die gesamte zweite Halbzeit auf schwerem Boden nur zu zehnt, hielten aber bis in die Schlussphase das 2:2 und waren drauf und dran, noch nach dem Sieg zu streben. Doch es kam anders. So beschrieb die nnz den Spielaisgang:

„Ein unberechtigter Freistoß in der 82. Minute wird ausgeführt, wieder gewinnt ein Gothaer (in diesem Fall Scheidler) das Kopfballduell. Den Ball machen sich die Nordhäuser Finsterbusch und Taute streitig, das Leder liegt jedoch zum 2:3 im Nordhäuser Tor. Da war die Moral der Nordhäuser gebrochen. Das vierte Tor für die Gothaer in der 88. ist nur noch Formsache.“

Die Gesamtbilanz beider Gegner in Punktspielen spricht jedoch eindeutig von einer Nordhäuser Dominanz. 14-mal konnte man gewinnen, vier Unentschieden und sechs Niederlagen vervollständigen die Statistik, wobei 1949 wegen Protesten des jeweiligen Gegners zwei Ergebnisse offiziell annulliert wurden und es zu Neuansetzungen kam.

Die Gothaer waren aber in den letzten Jahren zumeist einen Tick besser. In der gemeinsamen Thüringenligazeit setzte sich Gotha viermal durch, davon einmal im Pokal, dreimal gab es ein Unentschieden. Letztmalig konnte sich Wacker 90 2003 zu Hause in einem mitreißenden Pokalkrimi nach Verlängerung mit 5:4 behaupten.

Welcher Wackermannschaft die Favoritenrolle am 11. Spieltag zukommt, dürfte damit klar sein. Gotha kann auf 24 Punkte verweisen (Nordhausen 21) und hat einen ausgesprochen torhungrigen Sturm. Bärwolf (11 Treffer), Scheidler (9) und Arndt (5) haben allein mehr Tore erzielt als die Nordhäuser zusammen. In neun Spielen traf Gotha/Friemar 34-mal (Nordhausen 20-mal, davon zwei Eigentore). Zweimal wurden die Gegner sogar mit 8:0 vom Rasen gefegt. Bis auf ein Spiel konnten alle anderen mehr oder weniger klar gewonnen werden.

Aber: Jena siegte in Gotha 1:0, in Nordhausen spielten die Schottianer nur 0:0. Also ist Gotha/Friemar doch verwundbar. Warum sollte das Wacker 90 eigentlich nicht auch gelingen? Schließlich kann man nach der eigenen Erfolgsserie (siehe oben) mit breiter Brust im Stadion auflaufen. Sicherlich werden die Einheimischen auch etwas Respekt vor den Auswärtsergebnissen Nordhausens haben. Burkhard Venth wird seine Männer entsprechend einstellen. Eins sollten die Akteure um Sven Pistorius nicht aus den Augen verlieren: Mit einem Sieg hätte man nach Punkten gleichgezogen, eine Niederlage würde bereits sechs Punkte Differenz bedeuten.

Udo Hoffmann, der sportliche Leiter von Wacker 90, kann ebenfalls eigene Erfahrungen über ein Novemberspiel vor 44 Jahren beim damals härtesten Widersacher in der Bezirksliga Erfurt einbringen. Man lag nur einen Punkt voneinander getrennt in der Tabelle auf Platz 1 und 2. Er war einer der elf glücklichen Nordhäuser, die im von Pfützen übersäten Gothaer Stadion mit 5:0 gewannen und so den Herbstmeistertitel holten. Auch 1969 gelang mit einem 5:0-Auswärtssieg das gleiche Kunststück noch einmal in eindrucksvoller Manier. Hoffmann trug selbst mit zwei Treffern zum Erfolg bei. Hoppla, da darf man doch mal träumen, dass es im 25. Meisterschaftsspiel gegeneinander endlich wieder einmal klappen könnte.

Schlecht geträumt haben dürften dagegen Spieler und Trainer von Wacker II nach der vermeidbaren 1:3-Niederlage in Wüstheuterode. Man macht das Spiel und verliert. Fußball kann so grausam sein. Auch Wacker II muss gegen eine Wackermannschaft antreten, nämlich den FC Wacker 1914 Teistungen, der punktgleich mit den Nordhäusern in der Tabelle steht. Im AKS am Sonntag ab 14 Uhr sollte unbedingt ein Heimsieg angestrebt werden, um weiter im oberen Drittel mitmischen zu können. Doch das wollen die Gäste auch.
Klaus Verkouter
Autor: nnz

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