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Silver-Surfer on tour

Mittwoch, 05. November 2008, 16:33 Uhr
Die Senioren des Internetklubs der Nordhäuser Kreisvolkshochschule sind nicht nur virtuell „gut unterwegs“, Auch im realen Leben gehen sie gern auf Reisen. Dazu der Bericht im Forum der nnz.


Nach unseren bereits erfolgten und beliebten Busausflügen zum Erfurter Landtag sowie zum Computermuseum in Paderborn war diesmal wieder im Rahmen der Kreisvolkshochschule Nordhausen eine Besichtigungsfahrt nach Weimar zur KZ Gedenkstätte Buchenwald mit dem Ziel „Sowjetisches Speziallager Nr. 2“ angesagt.

Das so genannte Speziallager Nr. 2 Buchenwald, errichtet im August 1945, war eines der insgesamt 10 Lager und drei Gefängnissen in der sowjetischen Besatzungszone, die von der Besatzungsmacht zur Internierung von Deutschen benutzt wurden. Nachdem wir von einer fachkundigen Mitarbeiterin des Objektes empfangen wurden, ging es dann zur Besichtigung.

Das sowjetische Speziallager wurde auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Bereichs Buchenwalds von den Sowjets von 1945 bis 1950 unterhalten. Es diente unter menschenunwürdigen Bedingungen zur Inhaftierung und Isolierung tausender verhafteter oder denunzierter Männer und Frauen, die mehr oder weniger NS– Parteizugehörigkeit hatten oder Jugendlicher, die als „Werwolf“ von der roten Armee bezeichnet wurden. Der Inhaftierung gingen Verhöre voraus, die oft unter Anwendung von Folter stattfanden. Mit dem Instrument des „automatic arrest“ sollten als gefährlich eingestufte Personengruppen, vor allem mittlere und kleinere NS-Funktionäre, wie z. B. Bürgermeister und NS-Ortsgruppenleiter, für eine bestimmte Zeit interniert werden.

Es ging den Machthabern dabei insbesondere auch um die Verfolgung und Vernichtung Missliebiger aus dem Bürgertum, die zur Durchsetzung des Arbeiter- und Bauernstaates ausgeschaltet werden sollten. Insgesamt waren etwa 28.000 Menschen, davon etwa 1000 Frauen sowie einige in Buchenwald und anderen Lagern geborene Kinder, im Speziallager Buchenwald inhaftiert.

Die zeitweise katastrophalen Zustände in den sowjetischen Speziallagern führten zu einer hohen Sterblichkeit. Mehr als 7000 Menschen kamen durch die unmenschlichen Lagerverhältnisse, insbesondere durch völlig unzureichende Ernährung und unbehandelte Folgeerkrankungen wie Dystrophie, Ruhr, Tuberkulose und Typhus ums Leben und wurden am Rande des Lagers in Massengräbern verscharrt. Im Speziallager 2 Buchenwald starben offiziellen sowjetischen Dokumenten zufolge 7113 Menschen. Sie wurden in Massengräbern beerdigt. Die Angehörigen erhielten keine offizielle Benachrichtigung. Etwa 1500 Personen wurden noch, vornehmlich zum Arbeitseinsatz, aber auch zum Schweigen in die UdSSR gebracht.

Ende 1989 erfuhr die Öffentlichkeit von den Gräberfeldern des sowjetischen Speziallagers, die sich nördlich des Lagergeländes befinden. Die anonymen Massengräber nördlich des Lagers und in der Nähe des Bahnhofs wurden mit Stahlstelen markiert und zu Waldfriedhöfen gestaltet. Im Februar 1990 hatte die Gedenkstätte im Gräberfeld ein erstes Kreuz aufgestellt. An dieser Stelle entstand ein individueller Trauerplatz mit Kreuzen und Gedenksteinen.

In der DDR wurde dieser Teil der Geschichte des Konzentrationslagers offiziell nicht erwähnt. Vor allem in den frühen 50er-Jahren wurde durch die SED ein Klima geschaffen, das Fragen zu diesem Teil der Geschichte verhinderte. In einem neuen, gegenüber dem Gräberfeld des Speziallagers errichteten Gebäude wurde die Ausstellung 1997 eröffnet. Sie zeigt auf einer Fläche von 300 qm Relikte, Fotos und Erinnerungsberichte aus der Zeit des Lagers und der sowjetischen Besatzungszone.

Nach einem Mittagessen besuchten wir noch den Goethepavillon, das Elternhaus der Charlotte von Stein. Kaffee und selbstgebackener Kuchen rundeten die Reise unseres Clubs ab. Besonderer Dank noch dem Busunternehmen Keitel für eine sichere und schöne Hin- und Rückfahrt.
Peter K. Kuk, Senioren-PC- u. Internetclub
Anmerkung der Redaktion:
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Autor: nnz

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