nnz-online

Wacker gegen Traditionsverein

Donnerstag, 30. Oktober 2008, 11:42 Uhr
Nachdem der bisher ungeschlagene Aufsteiger und Spitzenreiter der Landesliga, die SG Rudisleben-Arnstadt, von Wacker Nordhausen auswärts in beeindruckender Art in die Schranken verwiesen worden ist, schickt sich mit dem FV Gera Süd der nächste Neuling an, am kommenden Sonnabend ab 14 Uhr dem einzigen noch unbesiegten Team der höchsten Spielklasse Thüringens ein Bein zu stellen. Der Vorbericht in Ihrer nnz von Klaus Verkouter...


Die Geraer als Tabellennachbar haben wie die Neunziger fünf ihrer acht Spiele gewonnen, davon ebenfalls drei auswärts (in Schlotheim, Ilmenau und Heiligenstadt). Auch das Torverhältnis beider Kontrahenten ist fast gleich. Die Gäste aus Ostthüringen haben allerdings schon zweimal verloren (in Jena, gegen Steinach). Mancher wird sich vielleicht fragen, wer ist dieser Verein – FV Gera Süd? Mit dem gegenwärtigen Oberligaklub 1. FC Gera 03 hat er absolut nichts zu tun und will es auch nicht, auch nicht die eigenen Fans.

Damals (Foto: Archiv Verkouter) Damals (Foto: Archiv Verkouter) Für viele ist es sehr verwirrend, die Traditionslinie dieses Vereins nachzuvollziehen. Das ist jedoch aus Nordhäuser Sicht sehr interessant, denn so wird deutlich, dass der FV Gera Süd als solcher kein Neuland für die Gastgeber darstellt. Die Gäste sehen es selbst so: 1936 entstand der 1. SV Gera durch Fusion der SpVgg 04 und des SV Concordia. Nach der Auflösung aller Vereine 1945 setzte die SG Pforten den Spielbetrieb fort und wurde 1949 in die BSG VEB Gera Süd überführt. Dadurch war der Oberligaplatz erhalten geblieben. 1950 fusionierte diese BSG mit RFT Gera und nannte sich BSG Mechanik Gera, die 1951 in BSG Motor Gera umbenannt wurde.

Aus dieser Zeit stammt auch die erste Begegnung mit Nordhausen. Motor West bewies zu Hause in einem Freundschaftsspiel gegen den damaligen Oberligisten durch einen 4:2-Sieg seine wiedererwachte Kampfkraft und großes Stehvermögen. Seit 1953 trug man dann den Namen BSG Wismut Gera. 43 Punktspiele (1955 fand nur eine einfache Runde statt) wurden dann in der DDR-Liga bis 1989 gegeneinander bestritten. Und was für hochklassige Schlachten waren darunter! Die Gesamtbilanz dieser Jahre spricht klar gegen Nordhausen (10 Siege, 14 Remis und 19 Niederlagen) und zeigt, dass die Wismut zu den besten Mannschaften der DDR-Liga zählte.

Mit der politischen Wende nannte sich der Verein FSV Wismut und spielte seit 1993 unter dem Namen 1. SV Gera weiter. Ab 1990 kamen dann noch einmal 14 Punktspiele in der DDR-Liga, der NOFV-Amateuroberliga und Thüringenliga gegen den FSV Wacker 90 Nordhausen hinzu. Auch hier gelangen den Nordhäusern insgesamt nur drei volle Erfolge (6 Unentschieden, 5 Niederlagen). Die beiden letzten Thüringenliga-Punktspiele in der Saison 2001/02 endeten jeweils 3:1 für Gera.

1992 besiegten wir im Thüringer Pokalendspiel Wismut im neutralen Gotha verdient 2:1. In der Aufstellung Fienhold, Weiß, Gogsch, Gerlach (46. Große), J. Ludwig, Kiel, Schneider, M. Weißhaupt, F. Ludwig, Görke, Heider (88. Etzrodt) wurde der Pott geholt. Weißhaupt verabschiedete sich mit seinen zwei Toren für viele Jahre aus Nordhausen. Der 1. FC Köln in der DFB-Hauptrunde war der Lohn des Triumphes.

2007 fusionierte der 1. SV Gera erneut. Gemeinsam mit dem FC Blau-Weiß Gera und dem KFC Geraer Dynamos spielte man nun als FV Gera Süd. Um die Verwirrung komplett zu machen: Auch mit diesen beiden hinzugekommenen Fusionsgliedern haben die Nordhäuser schon Erfahrungen gesammelt. 2004/05 besiegte Wacker die Blau-Weißen aus Gera in der Landesklasse Ost mit 4:1 und auswärts gar mit 8:2, und Dynamo Gera musste in der DDR-Liga bereits 1977/78 die Nordhäuser Überlegenheit mit 1:8 im AKS und 1:3 anerkennen.

Für Spannung ist demnach in diesem Traditionsderby schon jetzt gesorgt – für Stimmung auf den Rängen müssen die sicher zahlreichen Gerafans und die Wackeranhängerschar aufkommen. Möge es dabei auf den Rängen und auf dem Rasen fair zugehen. Ein volles Haus hat dieses Spitzenspiel auf jeden Fall verdient.

Die Wacker-Reserve muss am Sonntag um 14 Uhr bei Germania Wüstheuterode antreten. Die Trauben hängen dort hoch. Erst einer Mannschaft gelang es in dieser Saison, dort zu punkten. Gelingt Wacker II das auch, kann der Gastgeber den Rückstand von einem Punkt zu den Nordhäusern nicht verkürzen.
Klaus Verkouter
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de