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Duell der Ungeschlagenen in Arnstadt

Donnerstag, 23. Oktober 2008, 14:52 Uhr
Die Fußballabteilungen der Vereine SV Arnstadt/Rudisleben und BC 07 Arnstadt haben eine Spielgemeinschaft im Männerbereich formiert und müssten demnach eigentlich SG SV Arnstadt/Rudisleben/BC 07 Arnstadt heißen. Und dorthin führt am Samstag die Reise der Wacker-Elf. Der Vorbericht wie immer von Klaus Verkouter...


Da dieses Wortungetüm kaum zu handhaben ist, nennt man sich einfach SG Arnstadt Rudisleben. Spielgemeinschaften haben laut Satzung des TFV keine Aufstiegsberechtigung, weshalb der Verband auch nicht sehr glücklich über diese Gebilde ist (ähnlich Wacker Gotha/Friemar).

Trotzdem müssen die Neunziger, die ebenso wie die „Arnstädter“ als einzige im bisherigen Ligaverlauf ungeschlagen geblieben sind, am kommenden Sonnabend um 14 Uhr im Arnstädter Jahnstadion Farbe bekennen. Nach fast nur Gegnern aus unteren Tabellenregionen (Ausnahme zu Hause 0:0 gegen SV SCHOTT Jena) folgen jetzt die Begegnungen der Wahrheit mit Konkurrenten, die um die oberen Plätze mitspielen werden. Nun wird sich zeigen, wie stabil die Wackeren wirklich sind.

Erster „Hammergegner“ ist der Aufsteiger SG Rudisleben-Arnstadt, wie er im offiziellen Ansetzungsheft des TFV genannt wird, der überraschende Spitzenreiter nach dem 8. Spieltag. Gegen diese Mannschaft hat Wacker natürlich noch nie gespielt, wohl aber gegen dessen „Kerntruppe“, nämlich Rudisleben.

In der einstigen Bezirksliga Erfurt traf man zehnmal aufeinander, sogar vierzehn Punktspiele sind in der DDR-Liga miteinander ausgetragen worden. Manche Jahre ging es richtig heiß her. Die erste Begegnung beider Kontrahenten gegeneinander fand 1960 in der 2.DDR-Liga, Staffel 5, statt. Motor West gewann auswärts in einem Kampf voller Dramatik und Spannung 2:1 durch Tore von Willing und König. Das Rückspiel endete 2:2. Nordhausen wurde Dritter, Rudisleben stieg ab.

Nachdem auch Motor West dieses Schicksal 1963 ereilte, traf man sich in der Bezirksliga wieder. Mehrmals waren es dann 1963/64, 1965/66 oder 1967/68 Millimeterentscheidungen um die Erringung des Bezirksmeistertitels und die damit verbundene Berechtigung, in Qualifikationsspielen um den Aufstieg in die DDR-Liga anzutreten. Auch der Wechsel der Brüder Günter und Udo Hoffmann, heute sportlicher Leiter bei Wacker, von Nordhausen nach Rudisleben und später zurück heizte damals die Rivalität beider Vereine tüchtig mit an.

Gegen Rudisleben in der Saison 1965/66 (Foto: Archiv Verkouter) Gegen Rudisleben in der Saison 1965/66 (Foto: Archiv Verkouter)

Während 1963/64 ein Punkt mehr für Rudisleben entschied und denen der Aufstieg glückte, traf man nach dem sofortigen Abstieg 1965/66 wieder aufeinander. Erneut gab es einen 1-Punkt-Vorsprung zum Saisonende, aber dieses Mal für die Nordhäuser. Die Hoffmann-Brüder auf der gegnerischen Seite konnten in einem an Dramatik kaum zu überbietenden Finalspiel vor 6000 Zuschauern den 3:2-Erfolg von Motor Nordhausen West nicht verhindern (Bild: Das war der Sieg. In der 64. Minute schlug Willings Freistoß bei Tormann Thiere ein).

Die Südharzer absolvierten die fälligen Qualifikationsspiele erfolgreich und stiegen auf. Nach einem Jahr musste Motor West jedoch in den sauren Abstiegsapfel beißen. Auf ein neues Duell konnten sich beide Vereine demnach 1967/68 freuen. Wieder kam es zu einem echten Finalkrimi am 30. Spieltag in Nordhausen. Dieses Mal säumten sogar 7000 Zuschauer die Ränge im Albert-Kuntz-Sportpark. Trotz einer 2:0-Führung für die Gastgeber stand es am Ende 3:3. Das Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden Favoriten war damit zugunsten von Rudisleben entschieden. Erneut trennte beide Vereine nur ein Punkt voneinander.

1968/69 lachte dann die Sonne wieder über Nordhausen. 15 Punkte lagen zwischen beiden Mannschaften und Motor West war nach dem erneuten Aufstieg für fast ein Jahrzehnt aus der Reichweite von Rudisleben entwischt. Erst 1978 kreuzten sich wieder die Wege in der DDR-Liga, wo es insgesamt bis zur Saison 1983/84 in sechs Spieljahren Nordhäuser Vorteile gab (6 Siege, 3 Niederlagen, 3 Unentschieden).

Die Punktspielsaison 1989/90 in der Bezirksliga brachte zwei klare Nordhäuser Siege (5:1 und 3:0) und nach Wackers Aufstieg über die DDR-Liga, die NOFV-Amateur-Oberliga und die Regionalliga für über ein Jahrzehnt keine prickelnden Begegnungen beider Kontrahenten um Punkte. Lediglich 1996 eliminierten die Neunziger Rudisleben im Thüringenpokal auswärts klar mit 4:0.

Die beiden einzigen Thüringenligapartien gab es in der Saison 2001/2002. Man trennte sich jeweils torlos unentschieden. Wacker stieg am Ende des Spieljahres ab. 2003/2004 traf man sich in der Landesklasse Ost wieder, trennte sich erneut in der Gesamtrechnung remis, aber torreich. Wacker verlor auswärts 1:4 und siegte im Rückspiel 5:2. Nur Taute, Pohl und Kapitän Pistorius sind aus jener Saison noch im Kader. Die sechs Nordhäuser Tore erzielten Kulbacki (3), Pohl (2) und Pistorius.

Nun ist Arnstadt-Rudisleben die Rückkehr in Thüringens „Oberhaus“ gelungen und das in eindrucksvoller Manier – mit echtem Teamgeist, gepaart mit hoher Disziplin, Willensstärke, Moral und Kampfgeist, wie auf der Vereinshomepage zu lesen ist. Die Thüringenliga wurde durch dieses Team schon bis jetzt bereichert und man darf gespannt sein, wie das Duell der Ungeschlagenen ausgeht.

Sicher sind die Arnstädter trotz des Fehlens einiger Stammkräfte (Sperren, Verletzungen) wegen des Heimvorteils in einer Favoritenstellung und sie würden bei einem Dreier die Tabellenspitze erfolgreich verteidigen. Außerdem dürfte die Rückkehr ihres genesenen Trainers Jürgen Heun auf die Bank den Gastgebern Ansporn geben. Ein Nordhäuser Sieg allerdings würde Wacker 90 bis auf einen Punkt an Rudisleben heranführen und den Abstand zur unmittelbaren Spitze in Schlagweite halten. Ein Remis ließe beide Teams ihre ungeschlagenen Serien bewahren. Das zumindest sollte Ziel Wackers sein.

Wacker II kann nach dem 5:0-Heimsieg über Dingelstädt erneut auf das Heimrecht bauen. Die SG Arenshausen/Gerbershausen liegt nur zwei Punkte hinter der Wacker-Reserve und wird am Sonntag ab 14.30 Uhr im Albert-Kuntz-Sportpark versuchen, mit einem Erfolg an den Nordhäusern vorbeizuziehen.
Klaus Verkouter
Autor: nnz

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