nnz-Forum: Produkt ihrer Geschichte
Donnerstag, 23. Oktober 2008, 09:53 Uhr
Die nnz hatte gestern über die Verleihung des Museumspreises 2008 der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen berichtet. Dazu Anmerkungen eines nnz-Lesers.
Gerade war sie wieder in den Schlagzeilen: Die Gedenkstätte Mittelbau-Dora wurde mit dem Museumspreis der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen ausgezeichnet. Und tatsächlich hat sich auf dem Gelände der Gedenkstätte in den letzten Jahren konzeptionell und praktisch viel getan. Ob der Neubau des Museumsgebäudes, die Zugänglichkeit eines Teils der Stollenanlage, Ausstellungen oder Öffentlichkeitsarbeit, es gibt viel Positives zu berichten.
Schaut man sich jedoch die heutige Geschichtsschreibung der Gedenkstätte selbst an, wird der Eindruck vermittelt, dass erst nach 1989, wie Phoenix aus der Asche, überhaupt eine greifbare Gedenkstättenarbeit möglich wurde. Dem ist definitiv nicht so! Hier werden ganz bewusst fast 30 Jahre Gedenkstättengeschichte unterschlagen, und das von studierten Historikern!
Gerade so gesteht man zu, dass bereits auf Anregung Fritz Gießners das Gelände in den fünfziger Jahren bereinigt und gestaltet wurde und 1964 die Gründung der Mahn- und Gedenkstätte Dora erfolgte. Danach wird man gemäß den derzeitigen offiziellen Darstellungen in das Jahr 1989 gebeamt.
Was ist mit den Tausenden freiwilligen Arbeitsstunden von Jugendlichen und Arbeitern aus dem Kreis Nordhausen, die in den siebziger und achtziger Jahren dabei halfen, die Gedenkstätte weiter zu gestalten? Was ist mit den Besuchen französischer und belgischer ehemaliger Häftlinge, die bereits zu DDR-Zeiten regelmäßig stattfanden? Was ist mit dem Mehrzweckgebäude mit Kinosaal und Bibliothek, das schon zu DDR-Zeiten existierte? Was ist mit dem bereits damals zusammen getragenen fundierten Archiv?
Schließlich wäre all dies nicht möglich gewesen ohne die engagierte Arbeit des ersten Direktors der Gedenkstätte, Kurt Pelny, mit seinem Mitarbeiterteam. Ohne sie gäbe es heute wahrscheinlich gar keinen zu besichtigenden Stollen mehr, weil die Gipswerke diesen Bereich abgebaut hätten. Ebenfalls haben die Stadt und der Kreis Nordhausen und seine Betriebe der Gedenkstättengestaltung immer eine große Unterstützung gewährt.
Ohne all diese Grundlagen wäre die Gedenkstätte in ihrer heutigen Form gar nicht denkbar! Zukunft entsteht aus Geschichte. Auch wenn es vielleicht dem heutigen Zeitgeist widerstrebt, die Wahrheit ist, ohne die Arbeit tausender DDR-Bürger über viele Jahrzehnte gäbe es heute keine Gedenkstätte.
Frank Pelny, Nordhausen
Gerade war sie wieder in den Schlagzeilen: Die Gedenkstätte Mittelbau-Dora wurde mit dem Museumspreis der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen ausgezeichnet. Und tatsächlich hat sich auf dem Gelände der Gedenkstätte in den letzten Jahren konzeptionell und praktisch viel getan. Ob der Neubau des Museumsgebäudes, die Zugänglichkeit eines Teils der Stollenanlage, Ausstellungen oder Öffentlichkeitsarbeit, es gibt viel Positives zu berichten.
Schaut man sich jedoch die heutige Geschichtsschreibung der Gedenkstätte selbst an, wird der Eindruck vermittelt, dass erst nach 1989, wie Phoenix aus der Asche, überhaupt eine greifbare Gedenkstättenarbeit möglich wurde. Dem ist definitiv nicht so! Hier werden ganz bewusst fast 30 Jahre Gedenkstättengeschichte unterschlagen, und das von studierten Historikern!
Gerade so gesteht man zu, dass bereits auf Anregung Fritz Gießners das Gelände in den fünfziger Jahren bereinigt und gestaltet wurde und 1964 die Gründung der Mahn- und Gedenkstätte Dora erfolgte. Danach wird man gemäß den derzeitigen offiziellen Darstellungen in das Jahr 1989 gebeamt.
Was ist mit den Tausenden freiwilligen Arbeitsstunden von Jugendlichen und Arbeitern aus dem Kreis Nordhausen, die in den siebziger und achtziger Jahren dabei halfen, die Gedenkstätte weiter zu gestalten? Was ist mit den Besuchen französischer und belgischer ehemaliger Häftlinge, die bereits zu DDR-Zeiten regelmäßig stattfanden? Was ist mit dem Mehrzweckgebäude mit Kinosaal und Bibliothek, das schon zu DDR-Zeiten existierte? Was ist mit dem bereits damals zusammen getragenen fundierten Archiv?
Schließlich wäre all dies nicht möglich gewesen ohne die engagierte Arbeit des ersten Direktors der Gedenkstätte, Kurt Pelny, mit seinem Mitarbeiterteam. Ohne sie gäbe es heute wahrscheinlich gar keinen zu besichtigenden Stollen mehr, weil die Gipswerke diesen Bereich abgebaut hätten. Ebenfalls haben die Stadt und der Kreis Nordhausen und seine Betriebe der Gedenkstättengestaltung immer eine große Unterstützung gewährt.
Ohne all diese Grundlagen wäre die Gedenkstätte in ihrer heutigen Form gar nicht denkbar! Zukunft entsteht aus Geschichte. Auch wenn es vielleicht dem heutigen Zeitgeist widerstrebt, die Wahrheit ist, ohne die Arbeit tausender DDR-Bürger über viele Jahrzehnte gäbe es heute keine Gedenkstätte.
Frank Pelny, Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: nnzDie im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
