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Anwälte der Jugend

Samstag, 06. Juli 2002, 10:42 Uhr
Nordhausen (nnz). Vor acht Jahren wurde im HORIZONT e.V. das Projekt Streetwork ins Leben gerufen. Es ist im Bereich der Jugendarbeit das einzige dieser Art in Nordhausen. nnz-Mitarbeiter Rainer Hellberg berichtet über die ungewöhnliche Arbeit der Streetworker des Vereins.


Sie führen keine Akten über Jugendliche, sie akzeptieren auch diejenigen, die „etwas auf dem Kerbholz haben“. Sonst würde ihnen niemand zuhören und sie könnten den Mädchen und Jungen nicht helfen, ihr Leben selbst in den Griff zu bekommen. Wo andere nicht weiterkommen, gehen die Streetworker direkt in die Jugendcliquen hinein. Sie sind stets an den sozialen Brennpunkten präsent, sie sind Anwälte der Jugend und vermitteln zwischen den Generationen.
Zum Klientel der Streetworker gehören u.a. junge Sozialhilfeempfänger, Arbeitslose, von Obdachlosigkeit bedrohte Mädchen und Jungen, Jugendliche mitrechtsradikalen Einstellungen, junge Straffällige und immer mehr Schulverweigerer. Oft haben die Betroffenen das Vertrauen in Beratungsstellen, Institutionen, Familien und Lehrer verloren und versuchen ihre Probleme zu verdrängen. Straffälligkeit ist nicht selten eine Folge davon.

Die Streetworker suchen Treffpunkte von Cliquen auf und knüpfen erste Kontakte, um später Vertrauen aufzubauen und danach durch geeignete Hilfe eine Integration in das gesellschaftliche Leben zu ermöglichen. Hierbei unterstützen sie nicht nur die einzelnen Betroffenen, sondern bahnen auch Kontakte zwischen dem Einzelnen und den Institutionen an, die sich mit den spezifischen Problemen befassen. Beratung in der Kontaktstelle, Begleitung zu Behörden, Hilfe bei Drogenproblemen und Vermittlung zur Schuldnerberatung gehören ebenso zu ihrer Tätigkeit wie die Unterstützung bei der Wohnungssuche und die Vermittlung zur Ableistung gemeinnütziger Arbeit. Für Eltern besteht das Angebot, Hilfe vor Ort zu bekommen. Nicht selten werden die Mitglieder der Projektgruppe hinzugezogen, wenn jugendliches Verhalten zu Konflikten mit Anwohnern führt. Dann müssen sie zwischen den Generationen vermitteln und versuchen, gegenseitiges Verständnis aufzubauen.

Besonderes Augenmerk gilt der Wiedereingliederung von jungen Arbeitslosen, die durch die enge Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt und Vermittlungsprojekten oft von Erfolg gekrönt war. Das Streetworkprojekt des HORIZONT e.V. unterbreitet auch Angebote, die Beispiel für sinnvolle Freizeitgestaltung sind, um später Kinder und Jungendliche in entsprechende Einrichtungen zu vermitteln und ihnen damit Alternativen zum bisherigen Freizeitverhalten zu eröffnen. „Wir arbeiten am Rande der gängigen Pfade. Ins Abseits gerät man leicht, wenn man jung ist. Wo immer sich die Jugendlichen treffen, wir suchen sie auf. Allerdings dauert es oft sehr lange, bis das tiefe Misstrauen dem interessierten Zuhören Platz macht“, beschreibt Projektleiter Gerold Seeber die Tätigkeit der Streetworker, die viel Einfühlungsvermögen und Beharrlichkeit erfordert.

Bisher hatten die Streetworker in der Oscar-Cohn-Straße 5 in Nordhausen ihr Domizil. Seit 1. Juli 2002 ist die Kontakt- und Beratungsstelle des Projektes Streetwork in der Nordhäuser Grimmelallee 46 zu finden (Tel.: 03631/ 900546, Fax 03631/ 474014, e-mail: horizontstreet@aol.com, Internet: www.horizont-ndh.org). Dienstags und donnerstags von 14 bis 18 Uhr haben die drei Streetworker Gerold Seeber, Michael Hendrich und Michael Werner des HORIZONT-Vereins in ihrem Büro für alle Betroffenen und Angehörige Sprechzeiten.
Autor: rh

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