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Erlebniswelt Rechtsextremismus

Donnerstag, 09. Oktober 2008, 07:02 Uhr
Mit aktuellen Tendenzen, neuen Erscheinungsformen und alten Inhalten beschäftigte sich gestern Abend im Nordhäuser Bürgersaal ein Vortrag. Er war Auftakt einer Reihe, die das Phänomen des Rechtsextremismus aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten will. Die nnz war mit dabei...


Vortrag im Bürgersaal (Foto: nnz) Vortrag im Bürgersaal (Foto: nnz) Präventiv hatte Bürgermeister Matthias Jendricke (SPD) zwei „Wachmänner“ des städtischen Ordnungsamtes vor dem neues Rathaus aufziehen lassen. Die beiden Männer sollten darüber wachen, dass das Hausrecht (siehe Foto) durchgesetzt werden kann. Soviel vornweg: Handlungsbedarf bestand nicht. Zum Inhalt:

Der wissenschaftliche Verein der Nordhäuser Fachhochschule beteiligt sich am Lokalen Aktionsplan Nordhausen, der wiederum in das bundesweite Programm „Vielfalt tut gut“ eingebunden ist. In einer vom Verein initiierten Vortragsreihe geht es um die Durchschaubarkeit des Rechtsextremismus, einer alten Gefahr im neuen Design. Und in der Tat, das, was Referent Dr. Thomas Pfeiffer vom Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen den rund 30 Zuhörer/innen anbot, war schon alles andere als harmlos.

Dr. Thomas Pfeiffer (Foto: nnz) Dr. Thomas Pfeiffer (Foto: nnz) Der Rechtsextremismus, mit dem es die Verfassungsschützer heute zu tun haben, ist nicht mehr die dumpfe Nazipropaganda der 80er und 90er Jahre des vorigen Jahrtausends. Das rechte Gedankengut versucht mittels Musik oder Internet in die Köpfe der Menschen zu „schlüpfen“, vorrangig in die von jungen Menschen. Denn: einmal drin, verharren rechte Ansichten nicht temporär, sie setzen sich fest. Pfeiffer sprach vom „Rechtsextremismus im Kopf“.

Mit den Medien – ob Website oder Zeitschrift – versuchen sich alte und neue Nazis den Zugang zu den Köpfen zu verschaffen. Da werden kostenlose CD’s verteilt, da gibt es etwa 1.000 deutschsprachige Internetseiten, die keineswegs langweilig sind, wie etwa die der Nordhäuser Kommunal-Parteienszene. Zum modernisierten Erscheinungsbild des rechten Gedankengutes gehört die geschickte Verbindung von Freizeitangeboten mit rechter Ideologie – Pfeiffer sprach von der Erlebniswelt Rechtsextremismus. Das alles seien keine Zufallsprodukte oder –erscheinungen, dahinter stecke eine ausgeklügelte Strategie, die eine Verschiebung der Agitationsthemen ebenso beinhalte wie eine Professionalisierung der verbalen Tarnung.

Fazit: Der moderne Rechtsextremismus ist nicht mehr immer auf Anhieb erkennbar, er ist gefährlicher, vor allem für junge Menschen. Aufklärung ist nötig in allen gesellschaftlichen Sphären. In der Schule, im Jugendklub, vor allem aber in der Familie.

In den kommenden Wochen wird es im Bürgersaal des Nordhäuser Rathauses weitere Veranstaltungen geben:
  • 28.10.: Angela Marquardt spricht zu „Erfahrungen und Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus auf kommunaler Ebene“
  • 4.11.: „Rechtsextreme Jugendkultur und Gewalt – eine Herausforderung für die pädagogische Praxis“ ist das Thema des Vortrags von Dr. Michael Kohlstruck
  • 26.11.: Sandra Hüpping: Deutsche Zustände – die Normalisierung menschenfeindlicher Einstellungen
  • 9.12.: Konrad Weiß referiert zu: „Die neue alte Gefahr – Rechtsextremismus in der DDR – Rechtsextremismus heute“

Alle Veranstaltungen beginnen um 18 Uhr im Bürgersaal in Nordhausen.
Autor: nnz

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