nnz-Forum: Dumme Stadträte?
Donnerstag, 04. Juli 2002, 16:48 Uhr
Nordhausen (nnz). Die Wogen zur Theaterdiskussion schlagen hoch, sehr hoch. Persönliche Meinungen scheinen den Boden der Fairness zu verlassen. nnz veröffentlicht deshalb im Forum einen offenen Brief des Aufsichtsratsvorsitzenden der GmbH, Klaus Wahlbuhl.
Wahlbuhl reagiert damit auf einen Leserbrief, der heute in der hiesigen Tageszeitung veröffentlicht wurde. Absender des Briefes ist der Technische Direktor der Theaters, Ingo Langer. Der Absender wirft Wahlbuhl vor, aus dem Theater einen Wanderzirkus zu machen, unterstellt den Stadträten konspirative Pausenabsprachen und den Willen zur Zerschlagung des Theaters. Hier nun Wahlbuhls offener Brief:
Sehr geehrter Herr Langer,
wir kennen uns jetzt seit mehr als dreißig Jahren. Deshalb hat mich die Art und Weise und vor allem der Inhalt Ihrer Kritik überrascht. Ihre Vorwürfe haben mich verwundert. Diese können so nicht stehen bleiben, müssen korrigiert werden, öffentlich - Sie haben diesen Weg gewählt, ich gehe ihn mit.
Fantasie und Einfallsreichtum unter den Bedingungen der Machbarkeit: Jawohl, genau das ist dringend nötig, um das Theater den Menschen unserer Stadt, der Region, den Gästen zu erhalten. Das Theater ist ein Teil des Selbstverständnisses von Nordhausen. Damit das Theater bleibt, sind neue Wege nötig - im Sinne des Wortes: Was ist dagegen einzuwenden, dass sich das Ensemble auf den Weg macht nach Göttingen, nach Neustadt, zum Bergtheater nach Thale? Was ist dagegen einzuwenden, frühere Gastspielorte wie Heiligenstadt zurückzuerobern? Was ist gegen Mehreinnahmen einzuwenden, die damit erzielt werden? Was gegen den Werbeeffekt, der damit eintritt? Es wäre zu begrüßen gewesen, wenn diese Wege das Theater von sich aus und früher beschritten hätte, wenn es diese Wege gar nicht verlassen hätte. Es ist nicht zu begrüßen, dass Sie, Herr Langer, als Mitarbeiter des Theaters, als dessen Technischer Direktor, diese Wege nicht auf sich nehmen möchten.
Sie sehen einen Qualitätsverlust - die Darstellung des Zusammenhang zwischen Gastspielen und diesem angeblichen Qualitätsverlust sind Sie allerdings schuldig geblieben. Wanderzirkus - nein! Richtig verstandene Volksbelustigung - ja, wir wollen sie! Und das Theater braucht sie. Sie ist ein Daseinsgrund! Für wen - wenn nicht für das Publikum - bauen Sie, Herr Langer, die Kulissen? Für wen stehen Schauspieler und Sänger auf der Bühne? Für wen musiziert das Orchester? Für den Applaus! Und der tut wohl, ist Anerkennung, ist Honorar. Warum ist es für Sie ein Problem, dass er nicht nur im großen Haus, sondern auch im Dorf, in Neustadt oder in Göttingen geschenkt werden soll?
Unser Theater war und ist der Stadt, allen politische Verantwortlichen, auch mir ganz persönlich, immer viel wert. Es gab stets das Ja zum Theater. Auch in finanziell schwierigen Zeiten, als - mit Ausnahme des Theaters - die Zuschüsse für andere städtische Gesellschaften, das Budget der Verwaltung selbst beschnitten wurden. Das ist vor allem das Verdienst des Stadtrates. Er hat seine Hausaufgaben stets gemacht, und sie auch mit dem jüngsten Beschluss erledigt. Der Stadtrat hat neue, gangbare Wege für unser Theater in die Zukunft aufgezeigt.
Sie, Herr Langer, haben auf Ihre Weise darauf reagiert. Sie behaupten Unerhörtes, in dem Sie von Konspiration, von Imperien, sprechen. Sie bezeichnen die Mitglieder des Stadtrates als dumm, unterstellen ihnen Spielchen. Mit Ihren Äußerungen haben Sie das Theater - neben den bereits bestehenden finanziellen Schwierigkeiten - zusätzlich in eine Legitimationskrise gebracht.
Klaus Wahlbuhl, Aufsichtsratsvorsitzender der Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH und Bürgermeister der Stadt Nordhausen
Wahlbuhl reagiert damit auf einen Leserbrief, der heute in der hiesigen Tageszeitung veröffentlicht wurde. Absender des Briefes ist der Technische Direktor der Theaters, Ingo Langer. Der Absender wirft Wahlbuhl vor, aus dem Theater einen Wanderzirkus zu machen, unterstellt den Stadträten konspirative Pausenabsprachen und den Willen zur Zerschlagung des Theaters. Hier nun Wahlbuhls offener Brief:
Sehr geehrter Herr Langer,
wir kennen uns jetzt seit mehr als dreißig Jahren. Deshalb hat mich die Art und Weise und vor allem der Inhalt Ihrer Kritik überrascht. Ihre Vorwürfe haben mich verwundert. Diese können so nicht stehen bleiben, müssen korrigiert werden, öffentlich - Sie haben diesen Weg gewählt, ich gehe ihn mit.
Fantasie und Einfallsreichtum unter den Bedingungen der Machbarkeit: Jawohl, genau das ist dringend nötig, um das Theater den Menschen unserer Stadt, der Region, den Gästen zu erhalten. Das Theater ist ein Teil des Selbstverständnisses von Nordhausen. Damit das Theater bleibt, sind neue Wege nötig - im Sinne des Wortes: Was ist dagegen einzuwenden, dass sich das Ensemble auf den Weg macht nach Göttingen, nach Neustadt, zum Bergtheater nach Thale? Was ist dagegen einzuwenden, frühere Gastspielorte wie Heiligenstadt zurückzuerobern? Was ist gegen Mehreinnahmen einzuwenden, die damit erzielt werden? Was gegen den Werbeeffekt, der damit eintritt? Es wäre zu begrüßen gewesen, wenn diese Wege das Theater von sich aus und früher beschritten hätte, wenn es diese Wege gar nicht verlassen hätte. Es ist nicht zu begrüßen, dass Sie, Herr Langer, als Mitarbeiter des Theaters, als dessen Technischer Direktor, diese Wege nicht auf sich nehmen möchten.
Sie sehen einen Qualitätsverlust - die Darstellung des Zusammenhang zwischen Gastspielen und diesem angeblichen Qualitätsverlust sind Sie allerdings schuldig geblieben. Wanderzirkus - nein! Richtig verstandene Volksbelustigung - ja, wir wollen sie! Und das Theater braucht sie. Sie ist ein Daseinsgrund! Für wen - wenn nicht für das Publikum - bauen Sie, Herr Langer, die Kulissen? Für wen stehen Schauspieler und Sänger auf der Bühne? Für wen musiziert das Orchester? Für den Applaus! Und der tut wohl, ist Anerkennung, ist Honorar. Warum ist es für Sie ein Problem, dass er nicht nur im großen Haus, sondern auch im Dorf, in Neustadt oder in Göttingen geschenkt werden soll?
Unser Theater war und ist der Stadt, allen politische Verantwortlichen, auch mir ganz persönlich, immer viel wert. Es gab stets das Ja zum Theater. Auch in finanziell schwierigen Zeiten, als - mit Ausnahme des Theaters - die Zuschüsse für andere städtische Gesellschaften, das Budget der Verwaltung selbst beschnitten wurden. Das ist vor allem das Verdienst des Stadtrates. Er hat seine Hausaufgaben stets gemacht, und sie auch mit dem jüngsten Beschluss erledigt. Der Stadtrat hat neue, gangbare Wege für unser Theater in die Zukunft aufgezeigt.
Sie, Herr Langer, haben auf Ihre Weise darauf reagiert. Sie behaupten Unerhörtes, in dem Sie von Konspiration, von Imperien, sprechen. Sie bezeichnen die Mitglieder des Stadtrates als dumm, unterstellen ihnen Spielchen. Mit Ihren Äußerungen haben Sie das Theater - neben den bereits bestehenden finanziellen Schwierigkeiten - zusätzlich in eine Legitimationskrise gebracht.
Klaus Wahlbuhl, Aufsichtsratsvorsitzender der Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH und Bürgermeister der Stadt Nordhausen
Anmerkung der nnz-Redaktion: Die im nnz-Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor. |
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