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nnz-Forum: Mehrheit der Windehäuser spricht sich gegen großes Industriegebiet aus

Freitag, 01. Dezember 2000, 19:01 Uhr
Windehausen (nnz). Über 100 Einwohner Windehausens hatten sich gestern zu einer Informationsveranstaltung in Windehause versammelt, dazu waren fast der gesamte Gemeinderat, Vertreter der Verwaltungsgemeinschaft, Mitglieder des Planungsverbandes, das Planungsbüro, Mitarbeiter des Bauamtes der Nordhäuser Stadtverwaltung und Vertreter der Umweltbehörde anwesend. Die Eindrücke dieser Veranstaltung schildert in diesem Forum-Beitrag der Sprecher der Bürgerinitiative, Klaus-Dieter Korb:
Da uns von vielen Seiten suggeriert wurde, das die Vertreter der Gemeinde Windehausens zu den heftigsten Befürwortern dieses Industriegebietes (das Industriegebiet liegt hauptsächlich in der Gemarkung Windehausen!) zählten und wir mit heftigster Gegenwehr zu rechnen hätten, fuhren wir mit gemischten Gefühlen dorthin. Die Sicherheit und Notwendigkeit dieser Veranstaltung entnahmen wir aber aus den gesammelten Unterschriftenlisten. Darin haben sich über 70 Prozent der wahlberechtigten Einwohner Windehausens gegen dieses Industriegebiet ausgesprochen. Nach unserer Darlegung des Sachverhaltes (Auszug aus den Planungsunterlagen) und unserer Begründung der Ablehnung wurde durch uns gezielt nach der Planungssicherheit, sprich nach dem Nachweis der Verkaufsbereitschaft der Grundeigentümer gefragt. Da die meisten Grundeigentümer in Windehausen und Urbach wohnen sahen wir hier eine legitime Möglichkeit effektive Auskünfte zu erhalten. Uns wurde von Seiten des Planungsverbandes die Auskunft gegeben, das sogenannte Vorverträge mit den Grundstückseigentümern geschlossen wurden. Da uns kurz vorher von einem Grundbesitzer dieses Formular vorgelegt wurde, mussten wir feststellen, das es sich hier um eine Vollmacht handelte, die einer rechtlichen Prüfung wohl kaum standhalten wird. Dieses teilten wir den vielen anwesenden Grundbesitzern mit. Eine große Anzahl äußerte daraufhin schwerste Bedenken und teilten mit, das sie diese Vollmacht umgehend widerrufen wollen und vom Verkauf Abstand nehmen werden. Viele hätten dem Verkauf nur zugestimmt, da sie nicht über die Auswirkungen eines "Industriegebietes" aufgeklärt waren und sich ihre Einstellung darüber in der vergangenen Zeit deutlich geändert habe. Somit wurde deutlich, das dem Planungsverband auf Sicht gesehen die Grundlage der Planung entzogen wird. Auf den Punkt gebracht hat dies Dieter Köhler, Geschäftsführer der Agrarproduktion Zorgeland: "Hier haben Sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Mir gehören größere Flächen und ich werde keine Handbreit Land verkaufen". Ebenso verwahrt sich Herr Köhler gegen die Behauptung, es handele sich bei den Flächen um minderwertige Böden. Laut Bodenwertkarte habe dieser Boden die höchsten Zahlen und gehöre zu den besten Ackerflächen Deutschlands. In diesem Sinne äußerten sich auch viele andere. Deutlich wurde aber auch der Ansatz des Umdenkens im Planungsverband bzw. beim Gemeinderat Windehausens. Nachdem Bürgermeister Karnstedt am Anfang die Planung mit der Begründung der Schaffung von Arbeitsplätzen zu rechtfertigen suchte, wurde ihm und sicherlich den anwesenden Gemeinderäte klar, das sie hier gegen den erklärten Willen der Einwohner handelten. Da ihnen nur das Wohl der Gemeinde am Herzen liege, werde man selbst eine Bürgerbefragung durchführen und danach entscheiden. Wir begrüßen hier deutlich den Umdenkungsprozeß, der zeigt, das großer öffentlicher Druck, verbunden mit sachlichen und fundierten Argumenten noch immer und vor allem bei Politikern einen Denkprozeß in Gang setzen. Dies bestätigte uns der anwesende Bürgermeister Görsbachs, Herr Junker, der fast bei allen Veranstaltungen zugegen war und durch seine sehr sachliche und menschlich überzeugende Art auffiel.
Wir hoffen nun, das wir am Montag im BIC auch die Stadträte der Stadt Nordhausen durch mannigfaltige Informationen dazu bringen können, die schon vor Jahren getroffene Entscheidung noch einmal zu überdenken. Dies wird sicherlich schwieriger, da Nordhäuser Stadträte sicherlich nicht den persönlichen Bezug zur Goldenen Aue haben (sinngemäße Aussage: Ackerflächen sind keine Natur). Doch wenn auch nur bei wenigen ein Umdenken einsetzt, wäre dies ein Anfang!
Autor: nnz

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