Männlich, Realschulabschluß, arbeitslos
Dienstag, 23. September 2008, 15:21 Uhr
Aktuelle Statistiken belegen deutlich: Das Interesse an einer selbstständigen Tätigkeit schwindet zusehends. So sind die Gründeraktivitäten in Deutschland im Jahr 2007 und Anfang 2008 trotz der guten Konjunktur auf einem Tiefstand seit der Jahrtausendwende angekommen. Der Gründerreport 2008 - eine aktuelle Analyse der Erfurter IHK - gibt nun Aufschluss über Motivation, Ursachen und Ziele von Unternehmensgründungen im Freistaat...
Wer sind die Gründer und wie alt sind sie? Warum machen sie sich selbstständig? Über welche Schulbildung verfügen sie? Die IHK Erfurt befragte im Zeitraum von sechs Monaten fast 1.000 Existenzgründer. Darüber hinaus wurden die Erfahrungen von jährlich ca. 5.000 Kontakten der IHK-Berater mit angehenden Unternehmern berücksichtigt.
Der typische Gründer in Thüringen ist männlich, zwischen 30 und 39 Jahre alt, verfügt über einen Realschulabschluss, hat danach eine betriebliche Lehre absolviert und möchte aus der bestehenden Arbeitslosigkeit eine selbstständige Vollexistenz gründen, fasst Gerald Grusser, Hauptgeschäftsführer der IHK Erfurt, die wichtigsten Ergebnisse der Studie zusammen. Dabei seien es fast immer Einzelunternehmer, die vorher noch nicht selbstständig tätig waren, und nun ihr Glück als eigener Chef suchten. Der Großteil der Neuunternehmer starte im Dienstleistungsbereich, als Einzelhändler oder Gastronom, würde dabei nur einen geringen Finanzbedarf benötigen und den Existenzgründerpass begleitend in Anspruch nehmen.
Für uns ist die Analyse der individuellen Voraussetzungen, Fähigkeiten und schulischen Kenntnisse wichtig für die weitere Ausrichtung unserer Beratungsleistungen, sagt Grusser. So bestünden oftmals bei technologieorientierten und innovativen Gründern erhebliche Defizite im kaufmännischen Bereich. Was Deutschlands Allgemeinbildende Schulen in Sachen Markt und Wirtschaft vermitteln, ist einfach viel zu dünn, bemängelt der IHK-Chef die aktuelle Situation in den Klassenzimmern. Auch deshalb dränge die Wirtschaft derzeit auf eine Reform im Bildungsbereich, die vor allem auf eine Stärkung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer abzielt.
2007 sank in Deutschland die Anzahl der Existenzgründer im Vergleich zum Vorjahr um 230.000 (-21 Prozent) auf knapp 860.000 Personen. Be-sonders in den neuen Bundesländern zeigt sich derzeit eine große Zurückhaltung im Gründungsgeschehen. So fiel der Rückgang im Osten Deutschlands (-35 Prozent) stärker aus als im Westen (-17 Prozent). Ginge es so weiter, könnte es im Jahr 2050 hierzulande mehr als eine halbe Million Selbstständige weniger geben. Dies wäre fatal für die deutsche Volkswirtschaft und den Arbeitsmarkt, entstehen doch langfristig mit jeder Existenzgründung im Schnitt 2,4 Arbeitsplätze, warnt Grusser.
Mit Entlastung in der Statistik und der Anhebung der steuerlichen Buchführungspflichtgrenze von 30.000 auf 50.000 Euro Jahresgewinn, habe die Bundesregierung zu Jahresbeginn 2008 zwar einige Erleichterungen für Existenzgründer umgesetzt, gleichzeitig aber mit der Hinzurechnung von Kostenbestandteilen bei der Gewerbesteuer und der Begrenzung des steuerlichen Verlustvortrages vor allem technologieorientierte, kapitalintensive Unternehmensgründungen unattraktiver gestaltet.
Grusser weist deshalb auf die 11 Vorschläge für mehr Gründungsdynamik der IHK-Organisation hin, die der Politik kürzlich unterbreitet wurden. Sie reichen von der Nachbesserung der Unternehmenssteuerreform über Bürokratieentlastungen bis zur Einrichtung von Startercentern bei den Kammern.
Autor: nnz/knWer sind die Gründer und wie alt sind sie? Warum machen sie sich selbstständig? Über welche Schulbildung verfügen sie? Die IHK Erfurt befragte im Zeitraum von sechs Monaten fast 1.000 Existenzgründer. Darüber hinaus wurden die Erfahrungen von jährlich ca. 5.000 Kontakten der IHK-Berater mit angehenden Unternehmern berücksichtigt.
Der typische Gründer in Thüringen ist männlich, zwischen 30 und 39 Jahre alt, verfügt über einen Realschulabschluss, hat danach eine betriebliche Lehre absolviert und möchte aus der bestehenden Arbeitslosigkeit eine selbstständige Vollexistenz gründen, fasst Gerald Grusser, Hauptgeschäftsführer der IHK Erfurt, die wichtigsten Ergebnisse der Studie zusammen. Dabei seien es fast immer Einzelunternehmer, die vorher noch nicht selbstständig tätig waren, und nun ihr Glück als eigener Chef suchten. Der Großteil der Neuunternehmer starte im Dienstleistungsbereich, als Einzelhändler oder Gastronom, würde dabei nur einen geringen Finanzbedarf benötigen und den Existenzgründerpass begleitend in Anspruch nehmen.
Für uns ist die Analyse der individuellen Voraussetzungen, Fähigkeiten und schulischen Kenntnisse wichtig für die weitere Ausrichtung unserer Beratungsleistungen, sagt Grusser. So bestünden oftmals bei technologieorientierten und innovativen Gründern erhebliche Defizite im kaufmännischen Bereich. Was Deutschlands Allgemeinbildende Schulen in Sachen Markt und Wirtschaft vermitteln, ist einfach viel zu dünn, bemängelt der IHK-Chef die aktuelle Situation in den Klassenzimmern. Auch deshalb dränge die Wirtschaft derzeit auf eine Reform im Bildungsbereich, die vor allem auf eine Stärkung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer abzielt.
2007 sank in Deutschland die Anzahl der Existenzgründer im Vergleich zum Vorjahr um 230.000 (-21 Prozent) auf knapp 860.000 Personen. Be-sonders in den neuen Bundesländern zeigt sich derzeit eine große Zurückhaltung im Gründungsgeschehen. So fiel der Rückgang im Osten Deutschlands (-35 Prozent) stärker aus als im Westen (-17 Prozent). Ginge es so weiter, könnte es im Jahr 2050 hierzulande mehr als eine halbe Million Selbstständige weniger geben. Dies wäre fatal für die deutsche Volkswirtschaft und den Arbeitsmarkt, entstehen doch langfristig mit jeder Existenzgründung im Schnitt 2,4 Arbeitsplätze, warnt Grusser.
Mit Entlastung in der Statistik und der Anhebung der steuerlichen Buchführungspflichtgrenze von 30.000 auf 50.000 Euro Jahresgewinn, habe die Bundesregierung zu Jahresbeginn 2008 zwar einige Erleichterungen für Existenzgründer umgesetzt, gleichzeitig aber mit der Hinzurechnung von Kostenbestandteilen bei der Gewerbesteuer und der Begrenzung des steuerlichen Verlustvortrages vor allem technologieorientierte, kapitalintensive Unternehmensgründungen unattraktiver gestaltet.
Grusser weist deshalb auf die 11 Vorschläge für mehr Gründungsdynamik der IHK-Organisation hin, die der Politik kürzlich unterbreitet wurden. Sie reichen von der Nachbesserung der Unternehmenssteuerreform über Bürokratieentlastungen bis zur Einrichtung von Startercentern bei den Kammern.
