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nnz-Forum: Linker Unternehmer - Wie das?

Dienstag, 16. September 2008, 07:13 Uhr
Am Samstag fand in Erfurt das erste Festival für den Mindestlohn statt (nnz berichtete bereits). Eines der Themen war: „Für ein Einkommen zum Auskommen“. An dieser Stelle der Bericht eines nnz-Lesers...

Diskussion auf der Bühne (Foto: Buntfuß) Diskussion auf der Bühne (Foto: Buntfuß)

Organisiert wurde dieses Festival von den Gewerkschaften und von den Parteien, SPD, Die Linke, Die Grünen außerdem von Attac und dem Offenen Wirtschaftsverband von klein- und mittelständischen Unternehmen, Freiberuflern und Selbstständigen in Thüringen (OWUS Thüringen e. V.) Eröffnet wurde die Veranstaltung von der Nordhäuser Gruppe „Krama-Kaje“. Im Anschluss hielten DGB-Landesvorsitzender Steffen Lemme, Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein und der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der SPD (AfA), Ottmar Schreiner (MdB), eine Rede.

Dabei verlangten alle drei die Einführung eines Mindestlohns in allen Branchen. Es könne und dürfe nicht sein, dass Menschen, die 40 Stunden und mehr in der Woche arbeiten, auf's Amt gehen, um dort noch um eine so „Aufstockung“ betteln zu müssen. (Betteln im wahrsten Sinn des Wortes, denn sie müssten sich genau wie Hartz-IV-Empfänger bis auf die Haut ausziehen.) Das sei unmenschlich. Die Reichen würden immer reicher und die Armen immer ärmer.

Petra und Detlef Hauhal, Bodo Ramelow (Foto: Buntfuß) Petra und Detlef Hauhal, Bodo Ramelow (Foto: Buntfuß)

Eine Gruppe Betroffener berichtete von ihren Erfahrungen und von der geringen Bezahlung. So wird eine Friseurin in Thüringen mit 3,81 Euro, ein Wachmann mit 4,53 Euro entlohnt. Auch immer mehr Beschäftigte in den Callcentern müssen zusätzlich Hartz-IV beantragen. Während der Redepausen, gab es kulturelle Beiträge. So trat unter anderem die Breakdance Gruppe „Soul Methodix“ aus Erfurt auf – mit einem guten Programm – meine ich.

Nach dieser Pause kam Detlef Hauthal, ein Vertreter des OWUS Thüringen, der ihn zu seinem Landtagskandidaten für die kommende Landtagswahl nominiert hat, zu Wort. Er sprach sich im Namen des linken Unternehmerverbandes für einen Mindestlohn aus. Seiner Meinung nach, sei ein Mindestlohn nicht nur menschlich, sondern bringe auch den kleinen und mittleren Unternehmen Vorteile. Jemand der gut verdiene könne auch mehr Geld ausgeben und davon würden die Unternehmen auch selbst wieder profitieren – soweit Hauthal.

Aufgefallen ist mir, dass die Ministerpräsidentenkandidaten von SPD, Christoph Matschie und Bodo Ramelow von der Linkspartei, immer schön auf einen gewissen Abstand achteten. Ich fragte Herrn Matschie, warum er so einen Abstand gegenüber Ramelow einhalte, ob er vielleicht Angst vor einem falschen Eindruck in den Medien habe, wenn sie beide zusammen stehen und dass man dann etwa meinen könne, die Rot-Rote Regierung sei perfekt? Darauf hin sagte mir Herr Matschie, das sei nicht der Fall. Im Übrigen verstünde er sich ganz gut mit Herrn Ramelow, sie seien erst am Morgen zusammen auf der Bühne in Altenburg gewesen – bei einer Veranstaltung gegen Rechts.

Nach einer weiteren Pause gab es eine Podiumsdiskussion. Teilnehmer waren, unter anderen Bodo Ramelow, Christoph Matschie, Frank Bsirske, Astrid Rothe-Beinlich und Petra Schwalbe. In dieser Diskussion ging es – wie schon vorher in den Reden – um den Mindestlohn. Einig waren sich alle, es müsse ein Mindestlohn her, jeder Arbeiter müsse auch von seiner Hände Arbeit vernünftig leben können. Es hieß: „Wir haben in Thüringen einen Durchschnittslohn von 14,91 Euro. Da muss man sich einmal vorstellen, wie hoch der Lohn einiger Weniger sein muss, um bei den allgemein niedrigen Löhnen, auf so einen Durchschnitt zu kommen.“

Bleibt zum Schluss noch zu bemerken, dass ich außer Detlef Hauthal von der Linken und Andreas Wieninger von der SPD keinen Vertreter der Nordhäuser Parteiorganisationen zu Gesicht bekam. Letzterer war sicher in seiner Eigenschaft als Gewerkschafter anwesend. Wenn die Parteien keine Vertreter schicken, was verlangt man dann vom Volk?

Bei der SPD habe ich schon so meine Bedenken! In Erfurt verlangen ihre Funktionäre einen Mindestlohn aber die SPD-Bundestagsabgeordneten stimmen dagegen. Überhaupt hat man das Gefühl, die Abgeordneten und Minister der SPD im Bundestag tun alles, um dem Volk das Leben schwer zu machen. So ist der Finanzminister Steinbrück strikt dagegen, dem Volk einen geringen Teil von den hohen Steuereinnahmen zurück zu geben. Man schickt dafür lieber mehr Soldaten in den Krieg nach Afghanistan
Harald Buntfuß, Nordhausen
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Autor: nnz

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