Das Geheimnis des Granatapfels
Freitag, 28. Juni 2002, 09:58 Uhr
Nordhausen/Bonn (nnz). Wie die nnz bereits berichtete, stellen gegenwärtig Nordhäuser Künstler in Bonn aus. Dazu eine Betrachtung von Christina zu Mecklenburg.
"Im Atelier" des Bernhard Langer herrscht Aufruhr. Schwarze Balken springen aus den Fugen der Staffelei; Papiere, Leinwände lösen sich von ihrem Standort. Die Zeichnung des Nordhäuser Künstlers verlässt schrittweise ihr klassisches Sujet, zeigt den Schwebezustand zwischen konkreter und abstrahierender Raumerfassung an. Die Dynamik der Umbruchsituation ist symptomatisch für jene mitteldeutschen Werkstätten, die das niveaureiche Panorama der Schau "Grafik heute" beschicken.
Sie macht bekannt mit einer vornehmlich in Thüringen angesiedelten Avantgarde, wirft darüber hinaus ein Licht auf ein Bonner Pionierprojekt, das die thüringische Ministerin Dagmar Schipanski in ihrem Grußwort mit besonderer Anerkennung bedachte. Seit der Wende konzentriert sich das tatkräftige Engagement der 1915 in Nordhausen geborenen, seit 1948 in Alfter lebenden Künstlerin Ilsetraut Glock auf die Belebung der heimischen Kunstszene. Die siebzehnköpfige Delegation aus Mitteldeutschland setzt sich zusammen aus Kandidaten des Nordhäuser Ilsetraut-Glock-Grabe-Preises und der beiden bisherigen Preisträgerinnen Petra Albrecht und Ute Zaumseil.
Das "Entdecken und Fördern, Herausholen aus verwunschenen Nestern" (Glock) macht Schule. Mit einem Förderpreis tritt die Nordhäuser Kreissparkasse auf den Plan, zeichnet Edgar Knobloch für seine Kohlezeichnungen aus. Aus dessen Auslotung von Körperformen ist nun eine Auseinandersetzung mit Fläche und Oberfläche hervorgegangen. Albrecht und Zaumseil hingegen sind Paradebeispiele für die kontroverse Handhabe des Farbholzschnittes. Perspektivische Brüche und die Illusion von Raumtiefe (Albrecht) stoßen auf amüsante Szenerien von Zaumseil. Narrativ gefärbt sind ebenso Anekdoten- und Legendenstoffe, die Gabriele Justs Farbholzschnitte in expressive vermittelte Alltagsbegebenheiten umsetzen.
Ein wurmstichiger Granatapfel offenbart sich in Christian Weihrauchs Kupferstich-Miniaturen als Schauplatz surrealer Episoden. Das Ergründen abstrakter Formen (Max Martin, Hein Bohlen, Jens Elgner) ebenso wie die Thematisierung von Gestalt und Physiognomie des Menschen (die Nordhäuserin Kisker, Bernd Papke, Roger Bonnard, Helmut Helmes) stimmen in einem Punkt überein: Es ist der geschliffene, kultivierte und disziplinierte Umgang mit traditionsreichen Techniken.
Drei Blickpunkte machen dies deutlich: die Linolschnitte eines Fritz Dommel verraten eine Nähe zur Malerei, derweil Thomas Paczewskis lebhafte Linolkompositionen in ein Abenteuer von Linien verstricken. Einfallsreichtum außerdem in den Mischtechniken eines Bernhard Lehmann, die den Zuständen von Trance und Halluzination nachspüren.
Christian zu Mecklenburg
Autor: nnz"Im Atelier" des Bernhard Langer herrscht Aufruhr. Schwarze Balken springen aus den Fugen der Staffelei; Papiere, Leinwände lösen sich von ihrem Standort. Die Zeichnung des Nordhäuser Künstlers verlässt schrittweise ihr klassisches Sujet, zeigt den Schwebezustand zwischen konkreter und abstrahierender Raumerfassung an. Die Dynamik der Umbruchsituation ist symptomatisch für jene mitteldeutschen Werkstätten, die das niveaureiche Panorama der Schau "Grafik heute" beschicken.
Sie macht bekannt mit einer vornehmlich in Thüringen angesiedelten Avantgarde, wirft darüber hinaus ein Licht auf ein Bonner Pionierprojekt, das die thüringische Ministerin Dagmar Schipanski in ihrem Grußwort mit besonderer Anerkennung bedachte. Seit der Wende konzentriert sich das tatkräftige Engagement der 1915 in Nordhausen geborenen, seit 1948 in Alfter lebenden Künstlerin Ilsetraut Glock auf die Belebung der heimischen Kunstszene. Die siebzehnköpfige Delegation aus Mitteldeutschland setzt sich zusammen aus Kandidaten des Nordhäuser Ilsetraut-Glock-Grabe-Preises und der beiden bisherigen Preisträgerinnen Petra Albrecht und Ute Zaumseil.
Das "Entdecken und Fördern, Herausholen aus verwunschenen Nestern" (Glock) macht Schule. Mit einem Förderpreis tritt die Nordhäuser Kreissparkasse auf den Plan, zeichnet Edgar Knobloch für seine Kohlezeichnungen aus. Aus dessen Auslotung von Körperformen ist nun eine Auseinandersetzung mit Fläche und Oberfläche hervorgegangen. Albrecht und Zaumseil hingegen sind Paradebeispiele für die kontroverse Handhabe des Farbholzschnittes. Perspektivische Brüche und die Illusion von Raumtiefe (Albrecht) stoßen auf amüsante Szenerien von Zaumseil. Narrativ gefärbt sind ebenso Anekdoten- und Legendenstoffe, die Gabriele Justs Farbholzschnitte in expressive vermittelte Alltagsbegebenheiten umsetzen.
Ein wurmstichiger Granatapfel offenbart sich in Christian Weihrauchs Kupferstich-Miniaturen als Schauplatz surrealer Episoden. Das Ergründen abstrakter Formen (Max Martin, Hein Bohlen, Jens Elgner) ebenso wie die Thematisierung von Gestalt und Physiognomie des Menschen (die Nordhäuserin Kisker, Bernd Papke, Roger Bonnard, Helmut Helmes) stimmen in einem Punkt überein: Es ist der geschliffene, kultivierte und disziplinierte Umgang mit traditionsreichen Techniken.
Drei Blickpunkte machen dies deutlich: die Linolschnitte eines Fritz Dommel verraten eine Nähe zur Malerei, derweil Thomas Paczewskis lebhafte Linolkompositionen in ein Abenteuer von Linien verstricken. Einfallsreichtum außerdem in den Mischtechniken eines Bernhard Lehmann, die den Zuständen von Trance und Halluzination nachspüren.
Christian zu Mecklenburg
