nnz-online

Kein Platz für wilde Hirsche

Samstag, 06. September 2008, 12:32 Uhr
Die Beobachtung von Rotwild gehört zu den beeindruckendsten Naturerlebnissen in Deutschland. Jetzt im Spätsommer ist die Zeit der Hirschbrunft. Die "Hochzeit der Hirsche" ist ein besonderes Naturschauspiel: Feiste Geweihträger kämpfen um die Gunst der Hirschkühe. Geführte Wanderungen und Ansitze gibt es in vielen Regionen...


Doch die Idylle trügt: Die großen Wildtiere haben in Deutschland nur wenig Freiheit, denn der Lebensraum des Rotwildes ist in 13 Bundesländern gesetzlich reglementiert. Die Tiere dürfen dort nur in sogenannten Rotwildverbreitungsgebieten leben. Außerhalb dieser Zonen muss jedes Tier erlegt werden. Als Begründung werden Fraßschäden angeführt, die das Rotwild in den Wäldern und auf Feldern anrichten kann.

Doch Rotwild will wandern. Das Problem der Wildschäden im Wald wird durch die Eingrenzung erst verschärft. Auch die vielen Störungen der Tiere durch den Menschen haben dazu geführt, dass sich Rothirsche häufig in den Wald zurückziehen. Der Hirsch ist aber ein "König der Steppe". Er fühlt sich in Offenlandschaften am wohlsten.


Geeigneter Lebensraum für Rotwild
Rotwild braucht geeigneten Lebensraum, der seinen Ansprüchen und Nahrungsbedürfnissen gerecht wird. Und es braucht weniger Störungen. Deshalb sind Wildruhezonen, kürzere Jagdzeiten und ein Nachtjagdverbot Kernforderungen der Deutschen Wildtier Stiftung. Sie stößt damit auf breite Zustimmung in der Bevölkerung. Das belegen Ergebnisse einer Emnid-Umfrage, die die Deutsche Wildtier Stiftung jetzt in Auftrag gegeben hat. Danach befürworten 70 Prozent der Befragten Wildruhezonen und ein Nachtjagdverbot. Gerade das Nachtjagdverbot wird häufig per Sonderregelung in den Bundesländern aufgeweicht und führt wiederum zu erhöhter Stressbelastung der Tiere.

Stattliche Geweihträger
Mit einer Schulterhöhe von etwa 1,50 Metern sind die stattlichen Geweihträger beeindruckende "wilde" Tiere. Jährlich werfen sie ihr Geweih ab und bilden es in rasanter Geschwindigkeit wieder neu aus. Die Männchen schieben bis zu zwei Zentimeter Geweih in nur 24 Stunden nach. Der enorme Knochenaufbau, der dabei in kürzester Zeit bewältigt wird, erstaunt selbst die Wissenschaft. Das Geweihwachstum des Rothirsches dient der Forschung als Modellsystem für den Aufbau menschlicher Knochen.

Hier können Neugierige die Hochzeit der Hirsche erleben
Die Deutsche Wildtier Stiftung veranstaltet vom 13. bis 28. September rund um Klepelshagen im südöstlichen Mecklenburg-Vorpommern die "Hirschtage in Wildtierland". Das abwechslungsreiche Programm bietet für jeden etwas: Ansitze zur Morgen- und Abenddämmerung, Pirschgänge, Familienansitze und geführte Wanderungen durch Wildtierland sowie spezielle Ansitze für Hobbyfotografen. Anmeldung und das Programm im Internet.
Autor: nnz/kn

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de