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Wacker-Sportpark wird 85

Dienstag, 26. August 2008, 07:00 Uhr
Eine der traditionsreichsten Sportstätten Thüringens, der Albert-Kuntz-Sportpark in Nordhausen, wird heute 85 Jahre alt. Klaus Verkouter hat sich eingehend mit der Geschichte des Fußballplatzes beschäftigt.


Welche Geschichten ranken sich nicht alles um dieses idyllisch am Fuße des Kuhberges gelegene Fußballterrain! Wie viele Emotionen wurden hier entfesselt! Euphorisch wurden Tore der Einheimischen bejubelt. Niedergeschlagenheit machte sich bei Niederlagen breit. Bei Wind und Wetter kamen oft Tausende, um ihre Mannschaft anzufeuern.

Dass das Gelände in die Jahre gekommen ist und einer dringenden Kur bedarf, können Sportler und Besucher Tag für Tag hautnah erleben. Es ist erfreulich zu erfahren, dass in den kommenden Monaten die Stadt Nordhausen, unterstützt durch eine kräftige Finanzspritze des Landes, eine Sanierung des gesamten Geländes in Angriff nehmen wird. Auf das Ergebnis werden viele mit Riesenspannung warten; denn nach wie vor ist Nordhausen auch eine Fußballballstadt.

Der Spielbetrieb des Vereins begann 1905 auf einem Areal zwischen der heutigen Puschkin- und Geschwister-Scholl-Straße. Später wurde am Grenzrasen beim Kurhaus westlich gegenüber der gegenwärtigen Spielstätte (zwischen B4 und Zorge) gekickt sowie in der Nähe des ehemaligen Schlachthofes (Kyffhäuserstraße). Glücklich war der Verein mit diesen Spielstätten nie. Ein eigener Sportplatz musste nun her. Besonders W. Schellknecht war die treibende Kraft. In der Festschrift des 1. SV Wacker Nordhausen zum 25-jährigen Vereinsjubiläum 1930 wurde dem Bau dieses Sportplatzes breiter Raum gewidmet. Daraus wollen wir wichtige Abschnitte wiedergeben.

„Die Bestrebungen nach Schaffung eines eigenen Platzes lebten wieder auf. Nachdem im Anfang des Jahres eine Kommission aus jüngeren Leuten versagte, nahm der Vorstand die Angelegenheiten wieder energischer in die Hand. Das jetzige Gelände wurde ausfindig gemacht und durch die Turn- und Sportgemeinschaft der Stadt angeboten. Die Stadt konnte sich aber nicht entschließen. Wacker trat dann an die Stadt heran wegen Pachtung der Salzaer Bleiche, um diese mit Hilfe der produktiven Erwerbslosen-Fürsorge auszubauen. Die Verhandlungen gediehen sehr weit, der Verein erhielt einen Kontrakt von der Stadt übersandt, nach dessen Zurückgabe man nichts mehr davon hörte…

…Inzwischen waren die Verhandlungen wegen Ankauf eines Sportplatzes in aller Stille weitergeführt worden. Am 24. Dezember 1921 kaufte Wacker nach geheim geführten Verhandlungen von der Nordhäuser Terraingesellschaft den ersten Teil, die Hälfte des jetzigen Geländes. Und am 25. Dezember konnte der Vorstand die Vereinsmitglieder nach dem geplanten Sportplatz führen und von der Gestaltung des Sportplatzes Mitteilung machen.

Im Herbst 1922 wurde der zweite Teil hinzugekauft. Eile war hier dringend geboten, da der Schrebergarten-Verein auf das Gelände reflektierte. Innerhalb 24 Stunden wurde der Kaufvertrag festgelegt und beim Notar abgeschlossen. Anfang 1922 begann dann die Arbeit auf dem Sportplatz. Zunächst Planierungsarbeiten und der Bau des Zaunes…

wacker (Foto: w90) wacker (Foto: w90)

…Der Höhepunkt des Jahres 1923 war die Weihe des eigenen Sportplatzes. In nahezu zweijähriger selbstloser Arbeit, die restlos von den Mitgliedern des Vereins geleistet wurde, war es gelungen, eine der schönsten Anlagen im Gaugebiet herzustellen. Über 60 000 Arbeitsstunden mussten geleistet, 25 Autofuhren und Hunderte von Geschirrfuhren Schlacke, Zement, Bausteine, Ziegel, Holz usw. verarbeitet werden.

Mit Stolz konnte der Verein ein Gelände sein Eigen nennen, das neben großer und kleiner Kampfbahn, Laufbahn und Sprunggrube die Möglichkeit zu einer Erweiterung für jeden noch anzunehmenden Sportzweig in dich barg. Dankbar ist der Verein heute den Männern, die es trotz der Schwere der Zeit auf sich genommen haben, ein solches Wagnis zu unternehmen. Dankbar aber auch denen, die in körperlicher oder geistiger Arbeit geholfen haben, das Werk zu vollenden. Wenn wir heute besonders stolz auf unseren Sportpark sind, dann ist es der Gedanke, dass wir ihn bald unbelastet von finanziellen Sorgen benützen können, eine Tatsache, um die uns sicher mancher Verein…beneidet.“

Fast jeder Satz ruft vielleicht Assoziationen zur gegenwärtigen Situation um die Anlage hervor. Leider ging das Einweihungsspiel gegen Halle 96 mit 0:6 verloren. Gut zehn Jahre später konnte dann auch ein vereinseigenes Klubhaus zur Nutzung übergeben werden (heute Hotel neben dem Sportpark).

Nach 1945 wurde mit bescheidenen Mitteln weiter an der Verschönerung der Anlagen gearbeitet. Hier war es vor allem W. Schönleiter, der sich um den Neubeginn verdient machte. Vor dem Punktspiel der DS-Liga Nordhausen gegen Lichtenberg 47 im September 1951, das 3:3 endete, erhielt der Platz den Namen Albert-Kuntz-Sportpark zu Ehren des im Konzentrationslager Mittelbau-Dora ermordeten Antifaschisten.

Anfang der 1950er-Jahre wurde einiges in den Sportpark investiert. W. Borchert konnte am 14.08.1954 in der Presse die Anlage als eine „der schönsten und saubersten Sportstätten in unserem Kreisgebiet“ nennen und lieferte im Artikel die Begründung in überschwänglichen Worten gleich mit: „Wohltuend für das Auge des Beschauers hebt sich das satte Grün der gepflegten Rasenflächen vom leuchtenden Rot des Farbanstriches der Barrieren ab, die sich im weiten Oval um die Spielfläche ziehen. Im Hintergrund streben die harzduftenden Kiefern des Kuhberges zum lichtblauen Sommerhimmel empor.“

Es verwundert nicht, dass in dieser entbehrungsreichen Zeit gerade auch im durch Bomben zerstörten Nordhausen guter Fußballsport geboten wurde. Viele Abwechslungsmöglichkeiten gab es nicht. Also zogen Tausende mit Kind und Kegel Spieltag für Spieltag in die von vielen Gegnern gefürchtete Spielstätte von Motor West, die oft einem „Hexenkessel“ glich. Einige Male waren es an die 10 000 Zuschauer. Funktionäre wie D. Jürgens, G. Bojarzin und H.-J. Schmidt ließen nicht locker, um den Platz und sein Umfeld den Anforderungen entsprechend zu gestalten.

wacker (Foto: w90) wacker (Foto: w90)

In den 1980er-Jahren wurde der Sportpark einer gründlichen Renovierung unterzogen. H. Beykirch war einer der aktivsten Initiatoren in dieser Phase. Überdachte Sitz- und Stehplatztribünen, ein Sozialgebäude, eine Traglufthalle, eine Flutlichtanlage u.v.a.m., die für mehrere Millionen DDR-Mark errichtet wurden, erhöhten fortan den Komfort für Aktive und Gäste.

Nach einigen Junioren-Länderspielen war mit Sicherheit der 22.09.1987 einer der denkwürdigsten Tage der „schönsten Sportstätte des Bezirkes Erfurt“ (offizieller Titel eines Wettbewerbs), als das Olympiaqualifikationsspiel DDR gegen die Niederlande (4:2) in diesem Schmuckkästchen stattfand. Nachdem auch noch Sitzschalen installiert worden waren, vergab der Fußballverband 1990 sogar zwei Spiele der U16-Junioren-Europameisterschaft in den AKS.

Ab 1990 konnten auch Mannschaften aus der Bundesliga im Wacker-Sportpark empfangen werden (Eintracht Frankfurt, Hannover 96, Eintracht Braunschweig, 1. FC Köln, Schalke 04, Fortuna Düsseldorf). Inzwischen hatte die Treuhand den Albert-Kuntz-Sportpark in die Rechtsträgerschaft der Stadt Nordhausen übergeben. Trotz deren Bemühungen nagte der Zahn der Zeit an der Anlage und Investitionen in Größenordnungen waren bei den beschränkten finanziellen Mitteln nicht mehr zu stemmen.

Nachdem mit 1860 München, dem Hamburger SV, Werder Bremen und Arminia Bielefeld nochmals Bundesligakicker hier aufliefen, war auch die Hoch-Zeit der Wackerelf zunächst vorbei. Finanziell überfordert, folgte der sportliche Abstieg. Damit litten auch der Sportpark (trotz neuer Wackerklause und einiger kosmetischer Aktionen) und dessen Anziehungskraft, obwohl der FSV Wacker 90 auch in der Thüringenliga noch immer die Spitzenposition in der Zuschauergunst einnimmt. Gerade deshalb wünschen wir dem gealterten Albert-Kuntz-Sportpark mit seinen 85 Jahren künftig im Interesse des Vereins und der Region eine würdige Umgestaltung. Verdient hat er es allein der Tradition wegen allemal.
Klaus Verkouter
Autor: nnz

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