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Richtfest im Südharz

Freitag, 08. August 2008, 07:27 Uhr
In Neustadt wird heute – in unmittelbarer Nähe zum Fachkrankenhaus für Atemwegserkankungen – Richtfest für das „Haus Geborgenheit“ gefeiert. Damit ist eine weitere Etappe für den Bau des dritten stationären Hospizes in Thüringen geschafft.


Derzeit gibt es in Thüringen zwei stationäre Hospize (in Bad Berka und Meiningen), vier Palliativstationen und 28 ambulante Hospizinitiativen und Hospiz- und Beratungsdienste. Das jüngste Hospiz wird das christliche Hospiz „Haus Geborgenheit“ in Neustadt/ Südharz sein. Bis zum Ende des Jahres 2008 wird das Haus mit Plätzen für 12 Bewohner/Gäste fertiggestellt.. Bauherr ist die Diakonie-Krankenhaus Harz GmbH, eine Tochtergesellschaft des Deutschen Gemeinschafts-Diakonieverbandes (DGD), die auch das Fachkrankenhaus in dem Südharzort betreibt.

Hospize haben eine Tradition, die bis ins Mittelalter zurück reicht. Sie waren Pilgerherberge (Hospiz, lat. hospitium: Gastfreundschaft, Herberge) und boten Rast und Stärkung. Immer häufiger gehörten Kranke zu den Gästen und so entstanden die ersten Hospitäler. Heute versteht man unter „Hospiz“ ein umfassendes Konzept der Sterbebegleitung - eine angemessene medizinische und pflegerische Versorgung von Patienten mit fortgeschrittenen und progredienten Erkrankungen, welche nicht mehr auf eine kurative Behandlung oder stabilisierende Maßnahmen ansprechen und nur noch eine begrenzte Lebenserwartung haben.

Die Begleitung der Menschen ist auf die Lebensqualität zentriert, verbunden mit der Linderung von Schmerzen und anderer Krankheitsbeschwerden. Psychische, spirituelle und soziale Aspekte werden in die Betreuung integriert. Palliativmedizin schließt dabei immer die Berücksichtigung der Bedürfnisse der Familie vor und nach dem Tod des Hospizbewohners ein. Die Aufenthaltsdauer im Hospiz ist sehr individuell und reicht von nur einigen Tagen bis zu mehreren Monaten.

Das jüngste Hospiz wird das Christliche Hospiz „Haus Geborgenheit“ in Neustadt/Südharz sein. Nach mehrjähriger Planungszeit wird am Mittag das Richtfest gefeiert. Bis zum Ende des Jahres 2008 wird für 12 Bewohner/Gäste ein neues Haus im Luftkurort Neustadt gebaut.

Der Ursprungsgedanke, ein Hospiz am Fachkrankenhaus in Neustadt einzurichten, lag vor allem in der Veränderung der Schwerpunktsetzung der medizinischen Arbeit des Krankenhauses. Eine deutliche Zunahme onkologischer Patienten führte u. a. auch zu einer größeren Mortaliätsrate. Die Mitarbeiterinnen hatten die Anspruch, den Sterbenden ein deutlich höheres Maß an Zuwendung zu schenken. Das Hospiz wird eingebettet in ein „Netzwerk Sterbebegleitung – Hospiz- und Palliativarbeit“, in dem alle entsprechenden haupt- und ehrenamtlichen Dienste zusammengefasst sind, die sich mit der Begleitung und Betreuung sterbender Menschen beschäftigen. Dazu zählt u. a. die Zusammenarbeit mit der Palliativstation des Südharzkrankenhauses in Nordhausen, dem ambulanten Hospiz- und Beratungsdienst Nordhausen e.V., ambulant tätigen Palliativmedizinern und verschiedenen Pflegediensten. Im Netzwerk „Sterbebegleitung“ werden vorhandene Strukturen für eine umfassende Begleitung und Betreuung chronisch kranker, sterbender, aber auch trauernder Menschen aufgegriffen.

Das Christliche Hospiz „Haus Geborgenheit“ ermöglicht eine Betreuung von Erwachsenen mit einer unheilbaren fortschreitenden Erkrankung, die im ambulanten Bereich nicht ausreichend versorgt werden können - unabhängig von ihrer Weltanschauung und sozialen Zugehörigkeit. Die Aufnahme in das Hospiz erfolgt aus freier Willensentscheidung des betroffenen Menschen. Die Einweisung kann durch den Hausarzt oder das Krankenhaus vorgenommen werden.

Konzeptionelle Ansätze:
  • Behandlung der Patienten mit einem „high-person, low-technology“-Ansatz
  • Verbesserung oder Erhaltung der Lebensqualität der Bewohner durch optimale Schmerztherapie und Symptomkontrolle
  • Integration der psychischen, sozialen und spirituellen Bedürfnisse der Patienten, der Angehörigen und des Behandlungsteams sowohl in der Phase der Erkrankung als auch beim Sterben des Patienten und in der Zeit danach
  • regelmäßige Fortbildungen und Supervisionen von Pflegepersonal, Sozialarbeitern und Seelsorgern, u. a. zur Vertiefung der Kompetenz in wichtigen Fragen der Kommunikation und Ethik
  • Akzeptanz des Todes als Teil des Lebens, durch eine eindeutige Bejahung des Lebens soll der Tod weder beschleunigt noch hinausgezögert werden.
Die vorgesehene umfassende soziale und pflegerische Betreuung des Patienten und der Angehörigen erfordert ein multidisziplinäres Team mit einem erhöhten Pflege- und Betreuungsschlüssel, zu dem neben dem Pflegepersonal auch Sozialarbeiter, Psychologen, Seelsorger und Physiotherapeuten gehören. Damit werden voraussichtlich 15 Arbeitsplätze, z. T. in Teilzeit geschaffen. Eine qualifizierte Ausbildung in Palliativpflege und Symptomkontrolle ist dafür Voraussetzung. Neben den hauptamtlich tätigen Mitarbeitern ist die Integration ehrenamtlicher Mitarbeiter für das Selbstverständnis des Hospizgedankens wichtig und entsprechend vorgesehen. Dazu gehören u. a. Mitglieder von Hospizinitiativen und Diakonissen, welche auch die Trauerarbeit der Hinterbliebenen begleiten und unterstützen. Angehörige und Freunde haben die Möglichkeit, in die Betreuung einbezogen zu werden. So bestehen Übernachtungsmöglichkeiten im Zimmer des Hospizgastes oder in einem der vorhandenen Gästezimmer im Haus.

Die Kosten für das Hospiz belaufen sich im investiven Bereich auf circa zwei Millionen Euro. Der Aufenthalt im Hospiz wird zu 90% durch die gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen finanziert. 10% bringt das Hospiz selbst auf, durch Förderverein, Ehrenamtlichenarbeit, Stiftungszuwendungen sowie Trägermittel. Einmalig in unserem Gesundheitssystem ist, dass die entsprechenden gesetzlichen Regelungen einen Selbstbehalt der Hospizgäste verbieten.
Autor: nnz

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