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Grünes Licht vom Planungsverband

Mittwoch, 19. Juni 2002, 21:25 Uhr
Nordhausen (nnz). Keine Überraschungen gab es heute bei der Sitzung des Planungsverbandes „Goldene Aue“ im Schloss Heringen. Jetzt scheint zumindest die Diskussion über das „Ob“ des Industriestandortes eindeutig geklärt zu sein. Lesen Sie in der nnz die Einzelheiten.


Für manche vielleicht nicht ganz überraschend entschied sich heute Abend der Planungsverband für den Bebauungsplan des künftigen Industriegebietes „Goldene Aue“. Bei sieben von acht anwesenden Verbandsräten fiel der Beschluss letztlich trotz zwei Enthaltungen mehrheitlich aus. Damit ist der Weg zunächst frei für die Erschießung des 100 Hektar großen Areals in unmittelbarer Nähe zur Autobahn 38. Von diesem Gebiet versprechen sich die Gemeinden der Goldenen Aue und die Stadt Nordhausen die Ansiedlung von mehreren Unternehmen und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Unterstützt werden die Kommunen bei der Planung von der Landesentwicklungsgesellschaft des Landes Thüringen. Gefördert wird die künftige Erschließung durch die Europäische Union.

Während der Sitzung wurden bei den anwesenden Gemeindevertretern und Gästen jedoch einige Fragen aufgeworfen, die für den einen oder anderen Verbandsrat unangenehm zu sein schienen. Zum Beispiel fragte man sich, warum denn die Baupläne nicht in den jeweiligen Gemeinden ausliegen würden, so dass jeder Bürger die Möglichkeit hat, diese einzusehen oder ob man denn schon eine gewisse Vorstellung hätte, welche Industrie man ansiedeln wolle. Dazu nahm Bauamtsleiter Dietrich Beyse Stellung: „Es ist schwer, die Pläne einfach so auszuhängen. Wir unterliegen gewissen Gesetzlichkeiten. Die Pläne müssen sozusagen beaufsichtigt werden. Man stelle sich mal vor, jemand würde sie einfach zerreißen. Bezüglich der Art und Weise der geplanten Industrie haben wir zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Vorstellung.“

Auch wenn das Thema „Industriestandort Goldene Aue“ in den letzten Monaten stark diskutiert wurde, fragte man sich heute noch kurz vor dem Beschluss des Planungsverbandes, warum es denn nun unbedingt dieses Gebiet sein muss. Nach mehreren Alternativvorschlägen die sich in der Umgebung befinden - wie zum Beispiel in Hesserode, Werther, Nentzelsrode oder auch einige Standorte in Nordhausen - musste man allerdings nach deren Überprüfung feststellen, dass diese allesamt nicht als passender Industriestandort geeignet scheinen. Wie wichtig der Standort Goldene Aue für die Region Nordhausen vor allem aber für die Stadt ist, welche ja EU-Fördergelder in Millionenhöhe bekommt, wurde noch einmal besonders betont. „Nach intensiven Gesprächen mit dem Wirtschaftsministerium und der Idee einer eventuellen Anbindung an die industriellen Großniederlassungen von Daimler-Chrysler oder BMW in der Region Leipzig“, so Beyse weiter „brauche man eben größere Gebiete und solch ein Gebiet wäre mit der Goldenen Aue gegeben.“

Wenn es um die Goldene Aue geht, dann rechnet man immer mit dem Auftritt der Bürgerinitiative „Rettung der Goldenen Aue“ (BI). BI-Macher Klaus-Dieter Korb war ebenfalls anwesend, zügelte allerdings seine Meinungskundgabe. Bei einer Frage jedoch brachte er die Verbandsräte in Bedrängnis. Klaus-Dieter Korb besorgt: „Was passiert eigentlich mit Familie Geiseler, welche an der Bundesstraße 80 in Höhe der Autobahnbrücke wohnt? Ich finde es menschlich verwerflich, dass bis heute weder alternative Wohnangebote, noch überhaupt Gespräche seitens der Stadt angeboten wurden.“ Eine Antwort bekam er nicht. Wie jedoch die Vertreter der Stadt nnz versicherten, werde man sich in nächster Zeit um diese „Alternativen“ für Familie Geiseler kümmern.
Autor: vf

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