nnz-Forum: Erinnerung verpflichtet
Dienstag, 05. August 2008, 14:23 Uhr
Am 9./10 November jährt sich zum siebzigsten Male das faschistische Verbrechen der Pogromnacht. Wie an vielen anderen Orten unseres Landes werden wir auch in Nordhausen und Umgebung der zahlreichen Toten gedenken. Dazu die Betrachtung eines nnz-Lesers...
Nach einer am 16. Juni 1933 erfolgten Volkszählung, die verbunden war mit einer Erhebung der Religionsgliederung gab es in Nordhausen; 349 männliche und 213 weibliche Glaubensjuden, die besonders geführt wurden. So genannte Rassejuden wurden nicht gezählt und auch nicht die zahlreichen Kinder in der jüdischen Gemeinde und darüber hinaus.
Von vielen ist ihr weiterer Verbleib nur fragmentarisch bekannt – und führt aber in vielen Fällen in die Vernichtungslager des Ostens. Wenig bekannt und deshalb stellvertretend für viele unser jüdischen Mitbürger, einige Beispiele.
Familie Grunsfeld aus Ellrich, damals Horst Wessel Straße 25, versuchte 1938 dem Terror zu entkommen und suchte Angehörige in Hannover Asten 30 auf. Hier erfolgte ihre Festnahme und die Konzentration in Ahlen in der dortigen jüdischen Landwirtschaftsschule. Der Zug nach Riga Skirotawa mit 1001 Personen, darunter 105 Kinder, brachte sie am 15. Dezember 1941 in die Lager ohne Rückkehr. Im Transport waren auch Kratzer Auguste und Mellis Rosa aus Nordhausen sowie Levi Hermann aus Immenrode. Was geschah in Riga?
Im Band III der Historie des Holocaust, Seiten 1228 bis 1232, ist unter anderen zu lesen: Mit der Besetzung durch deutsche Truppen begann der antijüdische Terror in grausamster Form. Etwa 28000 einheimische Juden wurden von November bis Dezember 1941 im Wald von Rumbula bei Riga ermordet. Das Ghetto, so befreit, bot jetzt Platz für 16.000 Opfer aus dem Nazi – Reich.
Nach gründlichen Selektionen gab es für wenige den Arbeitseinsatz in den Torfmooren, im KZ – Kaiserwald und Stutthoff. Der ausgesonderte Teil wurde auf bestialische Art hingerichtet. Erst im Dezember 1943 war die Räumung des beendet.
Als am 13. Oktober 1944 Riga von den sowjetischen Truppen befreit wurde, lebten noch 150 jüdische Bürger hier. Nach Riga kamen auch die Schwestern Breslauer Gertrud und Klein Martha geborene Goldschmidt, die bereits seit der Jahrhundertwende in unserer Stadt lebten. In Bleicherode wohnte das Ehepaar Graefenberg mit den Kindern Frieda und Toni. Auch sie flohen aus diesem Ort und suchten Hilfe bei Angehörigen oder Bekannten in Frankfurt am Main, um von hier nach Belgien auszuwandern. Mit dem Einmarsch deutscher Truppen erfolgte ihre Inhaftierung im Lager Mechelen. Am 12.Oktober 1942 erfolgte die Überstellung in das berüchtigte Lager Auschwitz. Hier verlieren sich ihre Spuren.
Einen ähnlichen Weg musste die Familie Messing aus Nordhausen gehen. In den Tod getrieben wurden auch die beiden Kaufleute Max Schächter sen. und Max Schächter jun. aus Nordhausen, Altendorf 26 bzw. Hesseröder Straße 20. Beide nahmen sich bereits 1933 und 1934 das Leben - also vor der Pogromnacht.
In Vorbereitung auf den Gedenktag im November werden ein Modell der Synagoge und eine Ehrentafel mit den Namen unserer ehemaligen jüdischen Mitbürger erstellt. Wir sind es ihrem Vermächtniss schuldig.
Reinhard Gündel, Nordhausen
Nach einer am 16. Juni 1933 erfolgten Volkszählung, die verbunden war mit einer Erhebung der Religionsgliederung gab es in Nordhausen; 349 männliche und 213 weibliche Glaubensjuden, die besonders geführt wurden. So genannte Rassejuden wurden nicht gezählt und auch nicht die zahlreichen Kinder in der jüdischen Gemeinde und darüber hinaus.
Von vielen ist ihr weiterer Verbleib nur fragmentarisch bekannt – und führt aber in vielen Fällen in die Vernichtungslager des Ostens. Wenig bekannt und deshalb stellvertretend für viele unser jüdischen Mitbürger, einige Beispiele.
Familie Grunsfeld aus Ellrich, damals Horst Wessel Straße 25, versuchte 1938 dem Terror zu entkommen und suchte Angehörige in Hannover Asten 30 auf. Hier erfolgte ihre Festnahme und die Konzentration in Ahlen in der dortigen jüdischen Landwirtschaftsschule. Der Zug nach Riga Skirotawa mit 1001 Personen, darunter 105 Kinder, brachte sie am 15. Dezember 1941 in die Lager ohne Rückkehr. Im Transport waren auch Kratzer Auguste und Mellis Rosa aus Nordhausen sowie Levi Hermann aus Immenrode. Was geschah in Riga?
Im Band III der Historie des Holocaust, Seiten 1228 bis 1232, ist unter anderen zu lesen: Mit der Besetzung durch deutsche Truppen begann der antijüdische Terror in grausamster Form. Etwa 28000 einheimische Juden wurden von November bis Dezember 1941 im Wald von Rumbula bei Riga ermordet. Das Ghetto, so befreit, bot jetzt Platz für 16.000 Opfer aus dem Nazi – Reich.
Nach gründlichen Selektionen gab es für wenige den Arbeitseinsatz in den Torfmooren, im KZ – Kaiserwald und Stutthoff. Der ausgesonderte Teil wurde auf bestialische Art hingerichtet. Erst im Dezember 1943 war die Räumung des beendet.
Als am 13. Oktober 1944 Riga von den sowjetischen Truppen befreit wurde, lebten noch 150 jüdische Bürger hier. Nach Riga kamen auch die Schwestern Breslauer Gertrud und Klein Martha geborene Goldschmidt, die bereits seit der Jahrhundertwende in unserer Stadt lebten. In Bleicherode wohnte das Ehepaar Graefenberg mit den Kindern Frieda und Toni. Auch sie flohen aus diesem Ort und suchten Hilfe bei Angehörigen oder Bekannten in Frankfurt am Main, um von hier nach Belgien auszuwandern. Mit dem Einmarsch deutscher Truppen erfolgte ihre Inhaftierung im Lager Mechelen. Am 12.Oktober 1942 erfolgte die Überstellung in das berüchtigte Lager Auschwitz. Hier verlieren sich ihre Spuren.
Einen ähnlichen Weg musste die Familie Messing aus Nordhausen gehen. In den Tod getrieben wurden auch die beiden Kaufleute Max Schächter sen. und Max Schächter jun. aus Nordhausen, Altendorf 26 bzw. Hesseröder Straße 20. Beide nahmen sich bereits 1933 und 1934 das Leben - also vor der Pogromnacht.
In Vorbereitung auf den Gedenktag im November werden ein Modell der Synagoge und eine Ehrentafel mit den Namen unserer ehemaligen jüdischen Mitbürger erstellt. Wir sind es ihrem Vermächtniss schuldig.
Reinhard Gündel, Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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