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nnz-Betrachtung: Immer sachlich bleiben

Freitag, 01. August 2008, 07:11 Uhr
Die nnz hatte gestern ausführlich über eine Studie der Friedrich-Schiller-Universität berichtet. In der hiesigen Politik gibt es nun aufgeregtes Reagieren. Das allerdings muß nicht sein.


Wer sich die ausführliche Darstellung in der nnz zu Gemüte geführt hätte, der muß zugeben: Die Autoren haben so Unrecht nicht. Knackpunkt aller politischen Äußerungen ist dieser Satz in der Studie: „Bislang haben sich die Erwartungen an die segensreichen Auswirkungen der neuen Autobahn nicht erfüllt. Noch kein auswärtiges Unternehmen siedelte sich entlang der A 38 neu an.“

Was daran ist falsch? Fahren Sie bitte von der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt die A 38 entlang bis zur Abfahrt nach Bleicherode. Wo sehen Sie da ein Unternehmen, das sich unmittelbar an einer der vier Anschlußstellen angesiedelt hat? Nicht einmal ein Autohof hat sich bislang an die Trasse im Landkreis Nordhausen verirrt, obwohl doch schon jede Menge Flächen angeboten wurden. Also bitte, immer schön sachlich bleiben.

In der Studie wird weiter ausgeführt: "Für die Ansiedlung neuer Industriebetriebe ist die Autobahn ein hilfreicher Faktor", sagt Heise. Jedoch reiche die neue Trasse keineswegs aus, Unternehmen in die Region zu locken. Zahlreiche weitere Faktoren seien notwendig, erfolgreich Firmengründungen anzustoßen. Dazu zählen ein intensives Werben um potenzielle Investoren, niedrige bürokratische Hürden, eine wirtschaftsfreundliche Finanz-, Steuer- und Förderpolitik sowie die Sicherung des Fachkräftebedarfs.

Warum also eine heftige Reaktion seitens der kommunalen Polit- und Wirtschaftsgrößen in lokalen Medien? Muß man sich vielleicht an die eigene Nase fassen? Und weiter heißt es in der ausführlichen Darstellung der nnz von gestern:

Insgesamt kommt Claudia Heise (die Autorin – d. Red.) zu dem Schluss, dass die Studie zunächst eine Momentaufnahme ist. Erst in der Zukunft werde sich erweisen, wie sich die Südharzautobahn in das bestehende Struktursystem Nordthüringens eingliedert und ob sie fördernd oder hemmend auf die soziale und wirtschaftliche Situation des Gebiets einwirkt.

Fakt ist: Hätte die lokale oder die Landespolitik diese Studie in Auftrag gegeben, dann wäre das Ergebnis anders, weitaus positiver ausgefallen. Wie das eben so ist mit Studien und deren Auftraggebern. So aber wurde wissenschaftlich herangegangen. Ob das nun paßt oder nicht.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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