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Endlich wieder rauchen!

Mittwoch, 30. Juli 2008, 22:09 Uhr
Fast einen Monat war das Rauchen in Thüringer Kneipen verboten. Jetzt ist dieser eklatante Eingriff in die bürgerliche Freiheit endlich vom Tisch. Olaf Schulze freut sich mit den Rauchern und hat da noch ein, zwei Ideen.


Das ist ja toll. Deutschland darf wieder rauchen. Jedenfalls ein bisschen. Na gut, auch nicht alle, nur die Volljährigen. Und auch nicht überall, aber immerhin in eckigen Kneipen, die kleiner sind als 75 qm. Und auch nur dann, wenn ein Schild draußen hängt. Aber das ist ja schnell gemalt so ein Schild mit der Aufschrift „Raucherkneipe“ und runde Wände kann man ja schnell eckig mauern.

Ein schöner Erfolg für die Demokratie, den die Karlsruher Richter heute verkündeten. Und für die bürgerlichen Grundrechte. Der Staat mischt sich ja schon genug in unser Leben ein. Denken wir nur daran, wie er uns alle mit einem Grundrecht zur Arbeit zwingt, die Kinder zu einem deutschlandweit einheitlichen Bildungssystem, die Väter zum Tempolimit auf Autobahnen.

Wie er uns beschneidet, der Staat, und den Managern die Gehälter nicht gönnen will oder ein paar Bankkonten im Ausland. Da ist so ein Erfolg für die uneingeschränkte Freiheit in eckigen Kneipen doch mal ein Lichtblick; ein Rauchzeichen am qualmfreien Horizont so zu sagen.

Ich finde es ja - bei aller Freude für die Raucher und vor allem Mitgefühl für die geplagten Gastronomen, die nun wegen der ausbleibenden Kundschaft doch nicht zu Steuerberatern und Friseuren umschulen müssen - trotzdem etwas dreist, dass sich die Bundesrichter so in die Genehmigungsverfahren einmischen und derartige Vorschriften machen. Das sollten sie doch mal den Bundesländern überlassen, wie die das Nichtraucherschutzgesetz umsetzen wollen.

Hamburg könnte beispielsweise beschließen, dass nur über 1,90 m große türkischstämmige Mitbürger, die in der dritten Generation in Deutschland leben, nicht rauchen dürfen. Oder Brandenburg zum Beispiel, dass alle blonden, blauäugigen und kahlköpfigen jungen Männer rauchen dürfen und der Rest nicht. Da hätte es der Verfassungsschutz auch viel leichter, die rechte Szene zu observieren. Oder Sachsen-Anhalt verbietet das Rauchen allen, die zu spät aufstehen.

Und dann könnte man alle länderspezifischen Regelungen in einer Hochglanzbroschüre zusammenfassen, die deutschlandweit verteilt und von der Tabakindustrie mit Werbung bezahlt wird.

Da käme dann auch kein Ausländer auf die Idee, sich lustig zu machen über das beherzte deutsche Vorgehen und speziell Italiener und Iren wären ganz schön neidisch auf diese einfache und clevere Lösung. Und so viel gelebte Demokratie!
Olaf Schulze
Autor: nnz

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