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Die Wirtschaft bleibt pessimistisch

Samstag, 15. Juni 2002, 12:53 Uhr
Nordhausen (nnz). Noch immer beschäftigt hiesige Kreise der Wirtschaft eine Studie der Universität Jena zur Situation und den Perspektiven der Unternehmen in Nordthüringen, die kürzlich in der Fachhochschule Nordhausen FHN vorgestellt wurde. nnz berichtete und stellt hier die bundesdeutsche Situation ins Kalkül.


Ein überraschend optimistisch stimmendes Ergebnis der Befragung von 109 Geschäftsführern regionaler Unternehmen, das da in der vergangenen Woche von Dr. Michael Behr von der Friedrich-Schiller-Universität Jena einer doch ansehnlichen Zuhörerschaft gegenüber im großen Hörsaal der FHN erläutert worden war. Und unmittelbar danach vom Dekan der FHN in seinem Aussagewert in Frage gestellt wurde. Weil dieses Ergebnisse mit den Folgerungen daraus unter wirtschaftswissenschaftlichen Gesichtspunkten kaum haltbar sein dürfte. Und so gar nicht den allgemeinen und aktuellen Stimmungstrend der Wirtschaft widerspiegelt. Am kommenden Dienstag wird sich der Verband der Wirtschaft in einer Veranstaltung im BIC vermutlich auch mit dem Ergebnis dieser Studie befassen.

Die Wirtschaft in Deutschland hat nämlich die Hoffnung auf eine kräftige Konjunkturbelebung in diesem Jahr weitgehend aufgegeben. „Der Konjunktur in Deutschland fehlt es auch in den nächsten Monaten an Kraft und Breite“, sagte am Mittwoch der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben. Der DIHK hat 20 000 Unternehmen zu ihrer Situation und ihren Erwartungen befragt. Danach deuten zwar die Erwartungen exportorientierter Großunternehmen auf den Beginn einer Aufwärtsentwicklung hin. Doch die binnenorientierten Unternehmen seien weiterhin pessimistisch. Danach sei wohl nur mit einer verhaltenen Belebung der Konjunktur zu rechnen.

„Aussichten auf ein kräftiges Wirtschaftswachstum bestehen nicht“, sagte Wansleben und bestätigte die Wachstumsprognose seines Verbandes von 0,5 Prozent in diesem Jahr. Der DIHK liegt damit am unteren Rand der Konjunkturprognosen, die sich zwischen einem halben und einem Prozent Wachstum bewegen. „Überhaupt ein Wachstum zu prognostizieren ist schon optimistisch“, sagte Wansleben. So gefährdeten die Euro-Stärke und die Tarifpolitik „mit überzogenen Abschlüssen und angedrohten Streiks“ die Konjunkturerholung.

Für die Beschäftigung könne keine Entwarnung gegeben werden. „Die vier vor dem Komma bleibt uns im Jahresdurchschnitt erhalten“, sagte Wansleben zur Entwicklung der Arbeitslosenzahl. Zwar lasse bei den großen und mittleren Unternehmen der Druck zu weiteren Personalabbau langsam nach. Bei einem Teil der kleinen Unternehmen hätten sich die Beschäftigungsaussichten aber verschlechtert. Insgesamt werde die Beschäftigung in den Unternehmen in diesem Jahr niedriger liegen als im Vorjahr. Wansleben forderte die Legalisierung von betrieblichen Bündnissen für Arbeit und den Abbau von Einstellungsbarrieren, etwa bei der Teilzeit oder den Kündigungsschutz, um die Beschäftigung zu erhöhen.

Von der Investitionstätigkeit ist in diesem Jahr nach Einschätzung des DIHK kein großer Beitrag zur wirtschaftlichen Erholung zu erwarten. Das Investitionsklima sei so schlecht wie noch nie in der 17järhigen Geschichte der DIHK-Konjunkturumfragen. Besonders der Handel wolle weniger investieren. „Hier nähern sich die Umfragergebnisse dem trüben Bild der Baubranche an“, sagte der DIHK-Hauptgeschäftsführer.
Autor: nnz

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