JS-Special: Krise um Theater
Freitag, 14. Juni 2002, 18:32 Uhr
Nordhausen (nnz). Der Nordhäuser Stadtrat lehnte in seiner Sitzung am Mittwoch die Schließung der Sparte Schauspiel der Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH ab. Nun müssen sich die Gesellschafter bemühen, eine Krise um das Theater zu vermeiden. Und das könnte einige Mühe kosten.
nnz hatte im Zuge seiner Berichterstattung die Entschließung des Stadtrates im Wortlaut abgedruckt. Man muss den Stadträten zugute halten, sich die Sache nicht leicht gemacht zu haben. Trotzdem kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, als hätten sie trotzdem und zumindest in einzelnen Punkten dieser Entschließung einfach vorschnell gehandelt. Und gleichzeitig die Position der Stadt Nordhausen als Mehrheitsgesellschafter der Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH überschätzt. Oder nicht bedacht, dass der Gesellschaftsvertrag bei Entschließungen Einmütigkeit voraussetzt.
Dass zum Beispiel die Forderung des Stadtrates nach sofortiger Beurlaubung der Intendantin nicht die Zustimmung aller Gesellschafter finden würde, war bzw. ist vorauszusehen. Eine Intendantin wird primär nach ihren qualitativen, vor allem künstlerischen Fähigkeiten eingeschätzt. Und die kann die Mehrheit der Stadträte aus eigenem Vermögen oder Erleben wohl gar nicht beurteilen. Und die es können, sehen keinen Anlass, die Fähigkeiten einer Intendantin Monika Pirklbauer in Frage zu stellen. Die aber sitzen mehrheitlich nicht im Stadtrat, sondern im Aufsichtsrat. Man hat also zunächst nichts anderes bewirkt, als eine Führungskrise am Theater hervorgerufen. Dass eine sofortige Beurlaubung der Theaterleitung auch unter finanziellen Gesichtspunkten höchst problematisch wäre, bedarf nicht einmal einer ausdrücklichen Begründung.
Der Beschluss wird aber auch die strukturelle Situation und Perspektive am Theater Nordhausen nicht vereinfachen, er kompliziert sie. Dass der Stadtrat der Empfehlung Klaus Wahlbuhls nicht folgte – die Schließung der Sparte Schauspiel also ablehnte – ist zwar nachvollziehbar, führt aber zunächst bei den Gesellschaftern mit Sicherheit zu Interessenkonflikten. Sicher nämlich ist zur Zeit nur, dass Einsparungen gemacht werden müssen, die durch einfachen Personalabbau nicht zu bewerkstelligen sind. Ob hier ein Haustarif in Frage kommen und Abhilfe schaffen könnte, bliebe abzuwarten. Hier erinnert man sich allerdings an frühere Versuche und den Standpunkt der Gewerkschaft, die sich sehr schnell wieder zu Wort melden würde. Personalabbau in einzelnen Sparten würde immer auf Kosten der Qualität in der jeweiligen Sparte gehen, was vor allem auf das Loh-Orchester und im Zusammenhang damit auf das Musiktheater zuträfe. Tatsache aber ist auch, dass das Schauspiel in Nordhausen – entgegen der bundesweiten Situation – in der Akzeptanz der Bürger hinter den anderen Sparten rangiert. Man kann das bedauern, aber ändern kann man es nicht.
Wenn schließlich in der Entschließung den Gesellschaftern und der Geschäftsführung auferlegt wird, innerhalb der nächsten 8 Wochen eine überzeugende Konzeption vorzulegen, macht es sich zum Beispiel der Sprecher der CDU-Fraktion im Stadtrat, Thomas Pape, zu einfach. Hatte nicht gerade er im öffentlichen Teil der Debatte um die entsprechende Beschlussvorlage solche Konzepte in Aussicht gestellt? Er vermittelte doch damit im öffentlichen Teil Zuversicht!? Sie scheint sich im nichtöffentlichen Teil in Nichts aufgelöst zu haben. Wurde deshalb etwa die Öffentlichkeit von der weiteren Debatte ausgeschlossen? Nun hat man mit jener Verpflichtung der Gesellschafter und Geschäftsführung – deren sofortige Beurlaubung der Stadtrat in seinem Beschluss doch fordert – binnen 8 Wochen eine überzeugende Konzeption vorzulegen, alles auf andere geschoben. Man kann gespannt sein, ob in dieser Zeit das erreicht werden kann, was in den vergangenen anderthalb Jahren nicht möglich war.
Autor: nnznnz hatte im Zuge seiner Berichterstattung die Entschließung des Stadtrates im Wortlaut abgedruckt. Man muss den Stadträten zugute halten, sich die Sache nicht leicht gemacht zu haben. Trotzdem kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, als hätten sie trotzdem und zumindest in einzelnen Punkten dieser Entschließung einfach vorschnell gehandelt. Und gleichzeitig die Position der Stadt Nordhausen als Mehrheitsgesellschafter der Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH überschätzt. Oder nicht bedacht, dass der Gesellschaftsvertrag bei Entschließungen Einmütigkeit voraussetzt.
Dass zum Beispiel die Forderung des Stadtrates nach sofortiger Beurlaubung der Intendantin nicht die Zustimmung aller Gesellschafter finden würde, war bzw. ist vorauszusehen. Eine Intendantin wird primär nach ihren qualitativen, vor allem künstlerischen Fähigkeiten eingeschätzt. Und die kann die Mehrheit der Stadträte aus eigenem Vermögen oder Erleben wohl gar nicht beurteilen. Und die es können, sehen keinen Anlass, die Fähigkeiten einer Intendantin Monika Pirklbauer in Frage zu stellen. Die aber sitzen mehrheitlich nicht im Stadtrat, sondern im Aufsichtsrat. Man hat also zunächst nichts anderes bewirkt, als eine Führungskrise am Theater hervorgerufen. Dass eine sofortige Beurlaubung der Theaterleitung auch unter finanziellen Gesichtspunkten höchst problematisch wäre, bedarf nicht einmal einer ausdrücklichen Begründung.
Der Beschluss wird aber auch die strukturelle Situation und Perspektive am Theater Nordhausen nicht vereinfachen, er kompliziert sie. Dass der Stadtrat der Empfehlung Klaus Wahlbuhls nicht folgte – die Schließung der Sparte Schauspiel also ablehnte – ist zwar nachvollziehbar, führt aber zunächst bei den Gesellschaftern mit Sicherheit zu Interessenkonflikten. Sicher nämlich ist zur Zeit nur, dass Einsparungen gemacht werden müssen, die durch einfachen Personalabbau nicht zu bewerkstelligen sind. Ob hier ein Haustarif in Frage kommen und Abhilfe schaffen könnte, bliebe abzuwarten. Hier erinnert man sich allerdings an frühere Versuche und den Standpunkt der Gewerkschaft, die sich sehr schnell wieder zu Wort melden würde. Personalabbau in einzelnen Sparten würde immer auf Kosten der Qualität in der jeweiligen Sparte gehen, was vor allem auf das Loh-Orchester und im Zusammenhang damit auf das Musiktheater zuträfe. Tatsache aber ist auch, dass das Schauspiel in Nordhausen – entgegen der bundesweiten Situation – in der Akzeptanz der Bürger hinter den anderen Sparten rangiert. Man kann das bedauern, aber ändern kann man es nicht.
Wenn schließlich in der Entschließung den Gesellschaftern und der Geschäftsführung auferlegt wird, innerhalb der nächsten 8 Wochen eine überzeugende Konzeption vorzulegen, macht es sich zum Beispiel der Sprecher der CDU-Fraktion im Stadtrat, Thomas Pape, zu einfach. Hatte nicht gerade er im öffentlichen Teil der Debatte um die entsprechende Beschlussvorlage solche Konzepte in Aussicht gestellt? Er vermittelte doch damit im öffentlichen Teil Zuversicht!? Sie scheint sich im nichtöffentlichen Teil in Nichts aufgelöst zu haben. Wurde deshalb etwa die Öffentlichkeit von der weiteren Debatte ausgeschlossen? Nun hat man mit jener Verpflichtung der Gesellschafter und Geschäftsführung – deren sofortige Beurlaubung der Stadtrat in seinem Beschluss doch fordert – binnen 8 Wochen eine überzeugende Konzeption vorzulegen, alles auf andere geschoben. Man kann gespannt sein, ob in dieser Zeit das erreicht werden kann, was in den vergangenen anderthalb Jahren nicht möglich war.
