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Niedergang in der Altstadt

Dienstag, 15. Juli 2008, 12:58 Uhr
Während die Visionen der Stadtplaner bei neuen Verkaufsflächen in Tausenden Quadratmetern Einkaufsfläche ausfallen, sieht die Realität in der Altstadt in Nordhausen wesentlich trostloser aus. Dort wird gerade ein weiteres Geschäft beerdigt...

Abschied vom Laden (Foto: nnz) Abschied vom Laden (Foto: nnz)
Muß aufgeben: Cornelia Wiegner in ihrem "Laden"

Nach der Wende mit Millionen DM an Fördermitteln saniert, zeigt die Nordhäuser Altstadt aktuell ein trostloses Gesicht. Die wenigen Geschäfte halten durch, die Kneipen haben sich mehr oder weniger etabliert, haben diverse Nutzungs- und Eigentümerwechsel hinter sich gebracht. Immer mehr Wohnungen sind nicht vermietet. Dabei sollte das Areal rund um die Barfüßerstraße mal das Schatzkästchen der Rolandstadt werden.

Der Alltag sieht längst anders aus. Die dortigen Visionen sind geprägt von Existenzängsten. Auch Cornelia Wiegner hatte einst Visionen, sie wollte am Geschäft in der Altstadt teilhaben. Vor einem Jahr war „DER LADEN“ in die Barfüßerstraße 19 umgezogen. Ein Fehler, wie sich heute herausstellt. Viele ehemalige Kunden waren mit „umgezogen“, neue kamen hinzu. Am Ende aller Anstrengungen reichte es nicht, Cornelia Wiegner muß aufgeben. Am Ende des Monats wird das Geschäft geschlossen. „Der Schritt den Laden zu schließen, fällt nicht leicht, aber die Einzelhandelssituation in Nordhausen, besonders in der Altstadt, gestaltet sich mehr und mehr als schwierig und ließ mir keine Wahl“, schreibt Frau Wiegner der nnz.

Für die Zukunft wünscht sich die Frau eine steigende Kaufkraft in Nordhausen, damit auch wieder kleine Geschäfte und Nischenläden ihre Chance finden können. Vielleicht hätte die Geschäftsfrau auch nur bis zum Jahr 2020 warten sollen, dann, wenn das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK), das momentan in alle politischen Gremien der Stadt durchgefeiert wird, umgesetzt ist. Die ISEK-Theoretiker sagen der Nordhäuser Altstadt nämlich eine glänzende Zukunft voraus. Ein Schatzkästchen soll sie werden. Mit abermals Millionen an Fördermitteln, diesmal allerdings in Euro.

Alles schon gelesen? Na klar – Geschichte wiederholt sich eben. Warum die Metamorphose in den vergangenen 15 Jahren so und nicht anders in diesem Viertel verlief, darüber denken Planungsbüros vermutlich nicht nach. Diese Gründe aufzuspüren würde sich wirklich lohnen.
Autor: nnz

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