Ergebnis im Drama um Schauspiel
Mittwoch, 12. Juni 2002, 23:00 Uhr
Nordhausen (nnz). Der Stadtrat tagte und er tagte lange. Die Emotionen der Demonstration vor der Tür gingen auch an den Stadträten nicht spurlos vorbei. Dann die alles entscheidende Beschlussfassung. Doch wo war die Geschäftsführung des Theaters? Lesen Sie jetzt in der nnz die wichtigen Informationen.
Bangen um die heißdiskutierte Sparte am Nordhäuser Theater: Die Stadträte hatten viel zu tun und es vermischten sich auch hier Gefühle mit der Sachlichkeit einer solchen Sitzung. Nach den üblichen Anfragen und Anträgen kam man schließlich zum wichtigsten Punkt am heutigen Abend: Strukturveränderung am Nordhäuser Theater. Sichtlich ergriffen hatte bereits Schauspieler Steffen Boye im Vorfeld ums Wort gebeten: Wenn das Schauspiel abgebaut wird und wir können es ersetzen, geben wir für die Zukunft alle Argumente aus unserer in die Hand des Landes. Denn welche inhaltlichen Aspekte hätte man dann bei der Problematik, ob das Musiktheater oder Ballett nicht auch verzichtbar ist. Wir sollten uns darauf besinnen, die Stadt heraus zu stellen und etwas Besonderes zu schaffen.
Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD), welche heute erneut ihren Standpunkt zur Erhaltung des Theaters deutlich machte, stellte die Frage, was eigentlich die Einzigartigkeit Nordhausens ausmacht. Dass es sich bei dem über 100 Jahre alten Theater um einen wesentlichen Aspekt der Beantwortung dieser Frage handelt, darüber waren sich alle Stadträte einig. Uneinigkeit herrschte allerdings dann, als über den Erhalt des Schauspiels diskutiert wurde. Jetzt hieß es Sparte erhalten oder Theater verlieren, Fördermittel für die nächsten Jahre sichern oder das Risiko einer Insolvenz und damit eines Aus eingehen. Einen Mittelweg scheint es hierbei nicht zu geben. Bürgermeister Klaus Wahlbuhl (SPD) stellte noch einmal eindeutig fest: Wir müssen davon ausgehen, dass wir in den nächsten Monaten keine andere Lösung finden, das Theater in seiner Gesamtheit retten zu können. Deswegen werbe ich um Zustimmung zu diesem Beschluss, damit die Fördergelder für die nächsten Jahre gesichert werden können. Aus den Reihen der CDU und PDS waren indes ganz andere Stimmen zu hören. Beide Fraktionen forderten die Erhaltung der Schauspiel-Sparte. In erster Linie geht es natürlich um den Erhalt des Hauses. Trotzdem ist der Beschluss nicht tragbar. Es ist unser Theater. Schneiden wir die erste Scheibe ab, dann schneiden wir das Theater ganz ab. votierte der stellvertretende PDS-Fraktionschef Lothar Emmrich gegen eine Zustimmung.
Während jedoch die Stadträte emotional beteiligt um jeden noch so kleinen Vorteil kämpften, fragte man sich zuerst untereinander und dann auch seitens der Oberbürgermeisterin, wer denn als Vertreter der Geschäftsführung des Theaters an der heutigen Stadtratssitzung anwesend sei. Nach der Stille folgte Empörung: Weder Intendantin Monika Pirklbauer noch Verwaltungsdirektor Marc-Oliver Hendriks waren anwesend. Beigeordneter Matthias Mitteldorf: Es ist ein Skandal, dass die Geschäftsführung nicht hier ist. Wo waren also die Theaterchefs, geht es hier nicht um die Existenz von Kunst, scheint hier Desinteresse vorzuliegen? Intendantin Pirklbauer sei krank geschrieben und Verwaltungsdirektor Hendriks befinde sich auf einer mehrtägigen Geschäftsreise, so hörte man es aus dem Tumult der Zuschauer. Trotzdem stieß man dafür bei den Stadträten auf recht wenig Verständnis.
Nach nun langer Diskussion, verschiedensten Stellungnahmen und einem nichtöffentlichen Teil zum Thema Strukturveränderung - übrigens dauerte die Stadtratssitzung mittlerweile in fast rekordverdächtiger Länge - entschied man sich endgültig: Die Beschlussvorlage wurde mehrheitlich abgelehnt. Die Schauspiel-Sparte wird damit vorerst erhalten. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie sich die weitere Zukunft des Nordhäuser Theaters gestalten wird.
Autor: vf
Bangen um die heißdiskutierte Sparte am Nordhäuser Theater: Die Stadträte hatten viel zu tun und es vermischten sich auch hier Gefühle mit der Sachlichkeit einer solchen Sitzung. Nach den üblichen Anfragen und Anträgen kam man schließlich zum wichtigsten Punkt am heutigen Abend: Strukturveränderung am Nordhäuser Theater. Sichtlich ergriffen hatte bereits Schauspieler Steffen Boye im Vorfeld ums Wort gebeten: Wenn das Schauspiel abgebaut wird und wir können es ersetzen, geben wir für die Zukunft alle Argumente aus unserer in die Hand des Landes. Denn welche inhaltlichen Aspekte hätte man dann bei der Problematik, ob das Musiktheater oder Ballett nicht auch verzichtbar ist. Wir sollten uns darauf besinnen, die Stadt heraus zu stellen und etwas Besonderes zu schaffen. Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD), welche heute erneut ihren Standpunkt zur Erhaltung des Theaters deutlich machte, stellte die Frage, was eigentlich die Einzigartigkeit Nordhausens ausmacht. Dass es sich bei dem über 100 Jahre alten Theater um einen wesentlichen Aspekt der Beantwortung dieser Frage handelt, darüber waren sich alle Stadträte einig. Uneinigkeit herrschte allerdings dann, als über den Erhalt des Schauspiels diskutiert wurde. Jetzt hieß es Sparte erhalten oder Theater verlieren, Fördermittel für die nächsten Jahre sichern oder das Risiko einer Insolvenz und damit eines Aus eingehen. Einen Mittelweg scheint es hierbei nicht zu geben. Bürgermeister Klaus Wahlbuhl (SPD) stellte noch einmal eindeutig fest: Wir müssen davon ausgehen, dass wir in den nächsten Monaten keine andere Lösung finden, das Theater in seiner Gesamtheit retten zu können. Deswegen werbe ich um Zustimmung zu diesem Beschluss, damit die Fördergelder für die nächsten Jahre gesichert werden können. Aus den Reihen der CDU und PDS waren indes ganz andere Stimmen zu hören. Beide Fraktionen forderten die Erhaltung der Schauspiel-Sparte. In erster Linie geht es natürlich um den Erhalt des Hauses. Trotzdem ist der Beschluss nicht tragbar. Es ist unser Theater. Schneiden wir die erste Scheibe ab, dann schneiden wir das Theater ganz ab. votierte der stellvertretende PDS-Fraktionschef Lothar Emmrich gegen eine Zustimmung.
Während jedoch die Stadträte emotional beteiligt um jeden noch so kleinen Vorteil kämpften, fragte man sich zuerst untereinander und dann auch seitens der Oberbürgermeisterin, wer denn als Vertreter der Geschäftsführung des Theaters an der heutigen Stadtratssitzung anwesend sei. Nach der Stille folgte Empörung: Weder Intendantin Monika Pirklbauer noch Verwaltungsdirektor Marc-Oliver Hendriks waren anwesend. Beigeordneter Matthias Mitteldorf: Es ist ein Skandal, dass die Geschäftsführung nicht hier ist. Wo waren also die Theaterchefs, geht es hier nicht um die Existenz von Kunst, scheint hier Desinteresse vorzuliegen? Intendantin Pirklbauer sei krank geschrieben und Verwaltungsdirektor Hendriks befinde sich auf einer mehrtägigen Geschäftsreise, so hörte man es aus dem Tumult der Zuschauer. Trotzdem stieß man dafür bei den Stadträten auf recht wenig Verständnis.
Nach nun langer Diskussion, verschiedensten Stellungnahmen und einem nichtöffentlichen Teil zum Thema Strukturveränderung - übrigens dauerte die Stadtratssitzung mittlerweile in fast rekordverdächtiger Länge - entschied man sich endgültig: Die Beschlussvorlage wurde mehrheitlich abgelehnt. Die Schauspiel-Sparte wird damit vorerst erhalten. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie sich die weitere Zukunft des Nordhäuser Theaters gestalten wird.
