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Studie mit kontroversem Echo

Donnerstag, 06. Juni 2002, 11:37 Uhr
Nordhausen (nnz). In dieser Woche berichtete nnz über die Vorstellung einer Studie der Friedrich-Schiller-Universität Jena zur Situation und den Perspektiven von Unternehmen Nordthüringens. Inzwischen nahm die FHN zu der Studie in einer Tageszeitung Stellung. nnz ist verwundert...


Wie berichtet, geht es bei dieser Studie um eine Arbeit der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Auftraggeber bzw. Projektinitiatoren waren das Arbeitsamt Nordhausen, der DGB Bezirk Nordthüringen, die GfAW Nordthüringen, die IG Metall und die Stadtverwaltung Nordhausen. Bezeichnend dabei ist der Titel dieser Studie: „Erfolgreich im Verborgenen“.

Was da im Ergebnis dieser Studie aus dem „Verborgenen“ ans Licht geholt wurde, stellt zumindest die befragten 109 Geschäftsführer mit ihren Unternehmen in einem überwiegend günstigem Lichte und mit hoffnungsvollen Perspektiven dar. Ungeteilte Freude über dieses Ergebnis könnte die Gewerkschaft im Interesse der Arbeitnehmer haben, denn Erfolg bedeutet gleichzeitig Anspruch. Auf mehr Lohn zum Beispiel. Ansonsten aber rief das von Dr. Michael Behr (TU Chemnitz/Friedrich-Schiller-Universität Jena) vorgestellte Ergebnis der Studie Überraschung und Verwunderung hervor, weicht es doch beträchtlich von den bisher bekannten Einschätzungen, Indikatoren und Perspektiven der Wirtschaft in Nordthüringen ab.

Schon in der Diskussion hatte sich ein erkennbar kompetenter Vertreter der FHN zu Wort gemeldet und den Wert der Studie in wesentlichen Teilen in Frage gestellt. Inzwischen hat das auch der Dekan der FHN, Dietmar Knies, getan. Mit ähnlichen Argumenten wie jener Diskussionsteilnehmer im Anschluss an den Vortrag Dr. Behrs. Nun wundert bei der recht kritischen Stellungnahme des Dekans zu dieser Studie ganz allgemein, dass er sie in der Tageszeitung erscheinen lässt, die von dieser Veranstaltung und der Vorstellung dieser umstrittenen Studie zuvor gar nichts berichtete.

Der Leser weiß also gar nicht, was inhaltlich Gegenstand der Kritik ist, die da geübt wird. Zum Aussagewert der Studie müsste man aber auch genau wissen, was da eigentlich in Auftrag gegeben worden war, nachdem die strukturellen regionalen Gegebenheiten und sonstige Rahmenbedingungen überhaupt nicht erwähnt wurden und im wesentlichen die Fachkräftesituation, Weiterbildung und Zukunftserwartung beleuchtet wird. Die von Dekan Knies als notwendig erachteten wirtschaftswissenschaftlichen Analysen und Daten stellen demgegenüber auf eine ganz allgemein interessierende, sehr viel grundsätzlichere Studie ab, die auch das Verhältnis zur gesamtdeutschen Situation als notwendig erachtet. Die zwar aufschlussreich sein könnte, aber wohl nicht unbedingt hilfreich. Schon die Unternehmerstruktur und deren Verhalten grenzt sich ja bereits im engeren Rahmen von anderen Regionen ab, etwa Eisenach oder Sömmerda. So ist zum Beispiel die Einsicht in die Bedeutung von Netzwerken und die Bereitschaft dazu hier sehr viel weniger erkennbar und entwickelt als etwa im Raum Eisenach.

Ganz allgemein aber erscheint es wenig sinnvoll und auf jeden Fall unklug, wenn sich in der Einschätzung dieser Studie eine Konfrontationssituation zweier Hochschulen abzuzeichnen beginnt und diese auch sofort einseitig in die Öffentlichkeit getragen wird. Das von der Uni Jena Konzepte wirtschaftspolitischer Art als Folge der Studie entwickelt werden, macht sicher eine Klärung nötig. Die aber sollte zunächst wohl besser ohne Öffentlichkeit gesucht werden. Schaden in Bezug auf Kompetenz und Glaubwürdigkeit könnten sonst möglicherweise beide Einrichtungen nehmen.
Autor: nnz

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