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Bahnprivatisierung und Tarifwirrwarr

Donnerstag, 05. Juni 2008, 07:08 Uhr
Trotz aller politischen Schwüre aus Anlaß der Privatisierung des Bahnbetriebs, dass dieser Schritt keine Auswirkungen auf die Fläche haben werde: Bei der Initiative „Höchste Eisenbahn für den Südharz“ ist man sehr mißtrauisch und will sowohl bei der Entwicklung der Infrastruktur als auch bei der des Fahrplans wachsam bleiben...

Immerhin ist bis zur Stunde nicht geregelt, wie der Zuschuss des Bundes an das Infrastrukturunternehmen Bahn zu verwenden ist, wie der Bund das Unternehmen Bahn hinsichtlich der Qualität des Schienennetzes kontrolliert und vieles mehr.

„Die Privatisierung der Bahn ist mit sehr heißer Nadel gestrickt worden. Wir haben allen Grund zu der Vermutung, dass keineswegs alle Details klar, geschweige denn in der Öffentlichkeit korrekt diskutiert worden sind. Das Schienennetz ist in keinem guten Zustand, und wir warten speziell im Südharz auf die Herstellung der Zweigleisigkeit im Bereich Walkenried, auf das elektronische Stellwerk und auf weitere Schritte hinsichtlich der Erhöhung der Geschwindigkeit am Sachsenstein“ kommentiert Burkhard Breme, Sprecher der Initiative, die gegenwärtige Entwicklung. Ferner, so Breme, sei unklar, wie das teilweise privatisierte Unternehmen DB Regio sich bezüglich der Entwicklung des Fahrplans verhalten wird, auch wenn die Leistungen hier durch die Landesgesellschaften bestellt werden.

Noch größeren Handlungsbedarf sieht man bei „Höchste Eisenbahn“ bei der Entwicklung des Tarifs. Noch immer hinkt der Harz hier weit hinter den anderen Ferienregionen hinterher (siehe Kasten), und es ist keine Besserung in Sicht. „Wenn hier nicht bald etwas passiert, werden weitere Touristen dem Harz den Rücken kehren, weil sie sich im Schwarzwald, im Allgäu, im Bayerischen Wald, an den Küsten, ja eigentlich überall vor Ort einfacher und bequemer fortbewegen können“ so Breme.

Bei der Initiative will man nun wieder auf die Bundes-, Landes- und Kommunalpolitiker zugehen und neue Vorschläge zur Entwicklung des Fahrplans und des Tarifs einbringen. Nach einer „Verschnaufpause“ wird auch Michael Reinboth aus Walkenried wieder aktiv in das Geschehen eingreifen und Burkhard Breme unterstützen.

Ab Dezember keine Anschlüsse nach Hildesheim mehr

Als ein vordringliches Anliegen bezeichnet man bei „Höchste Eisenbahn“ die Nachbesserung der Anschlüsse in Salzgitter-Ringelheim nach und von Hildesheim bzw. Hannover. Hier droht infolge der von Ostharzer Seite durchgesetzten Verschiebung der Fahrpläne der Neigetechnik-Triebwagen das Aus für alle bisherigen Umsteigeverbindungen, und zwar in beiden Richtungen. Seitens der Politik ist hierzu bisher nichts gesagt worden. Offenbar ist man im Südharz bereit, diese drastische Verschlechterung der Anschlüsse und den damit verbundenen Rückgang der Fahrgastzahlen auf der Strecke Herzberg – Braunschweig in Kauf zu nehmen. Anders, so Michael Reinboth, sei die Tatenlosigkeit nicht zu erklären.

„Wir sind nicht bereit, diese Fahrplanverschlechterung kampflos hinzunehmen. Stets hat der Westharz und hier vor allem der Südwestharz um Osterode das Nachsehen, wenn es um Anschlüsse geht. In Seesen gibt es keine, und nun fallen sie in Ringelheim auch noch weg. Wir werden jetzt damit beginnen, die Fahrgäste, welche dort umsteigen, aktiv auf die sich abzeichnende Verschlechterung aufmerksam zu machen und sie zum Widerstand gegen diese völlig inakzeptable Maßnahme anzuregen. Wir müssen uns fragen, wieso unser Bundesland alle Fahrplanverschlechterungen schluckt, nur damit man aus Halberstadt ein paar Minuten schneller in Hannover ist“ ist man bei „Höchste Eisenbahn“ erbost über die Passivität, die auf niedersächsischer Seite an den Tag gelegt wird.

Überall geht’s – nur im Harz nicht

„Höchste Eisenbahn“ hat schon mehrfach den Versuch unternommen, die Ländertickets über die Landesgrenzen hinweg anerkannt zu bekommen: Das Niedersachsen-Ticket bis Nordhausen und das Thüringen-Ticket bis Herzberg. Aber nicht einmal bis Ellrich bzw. Walkenried war dies bisher möglich. Bayern und Thüringen hingegen haben sich geeinigt: Das Bayern-Ticket gilt ab sofort auch bis Sonneberg. Anderswo kann man mit dem Länderticket längst bis zum nächsten Knoten des anderen Bundeslandes durchfahren.

Auch die Vermarktung der „Urlauberkarte“ findet im Harz praktisch nicht statt. Die Kurverwaltungen kennen sie ebenso wenig wie viele Busfahrer. Urlauber stoßen immer wieder an unüberwindliche Hindernisse und sind frustriert. Im Schwarzwald hingegen fährt der Gast kostenlos kreuz und quer durch das weitaus größere Gebiet, ohne sich irgendwelche Sorgen machen zu müssen.

Der „Übergangstarif Harz“ gilt nach wie vor nicht im Zug. Damit kann man diesen auch nicht mit der Urlauberkarte nutzen, wenn man Glück hatte und eine solche erwerben konnte. Dies trägt in noch höherem Maß zur Verwirrung bei. Und so weiter. Kein Wunder, dass sich der Gast mit Grausen abwendet und andere Urlaubsgebiete vorzieht. Bis man dies beim HVV begriffen hat, werden sich weitere Kunden anderswo hin verzogen haben.
Autor: nnz

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