Die Beziehung der Hannah Arendt
Sonntag, 25. Mai 2008, 09:47 Uhr
Kennen Sie Hannah Arendt? Nein? Interessieren Sie sich für Literatur und Philosophie? Ja? Dann sollten Sie sich den kommenden Samstag schon mal in Ihren Terminkalender eintragen. Die nnz sagt Ihnen warum...
Am Samstag, dem 31. Mai 2008, ab 14.30 Uhr wird in der Dichterstätte Sarah Kirsch die politische Philosophin Hannah Arendt (1906 – 1975) als Verfasserin von Versen vorgestellt. Stephanie Tölle, aus Appenrode stammend, studierte in Dresden Germanistik, Politikwissenschaft und Romanistik. Das Thema ihrer Abschlussarbeit lautet: Hannah Arendt als Lyrikerin. Mit ihrer Lesung in Limlingerode möchte sie dazu beitragen, dass die berühmte gelehrte Frau, die als Journalistin, Hochschullehrerin und als Publizistin wirkte, in der Öffentlichkeit auch als Poetin wahrgenommen wird. Etwa 70 Gedichte finden sich in Arendts Hinterlassenschaft, bis dato als eigenständige Publikation nicht erschienen.
Spricht man von Hannah Arendt, so denkt man an ihr politisches Engagement besonders seit 1933, als sie, jüdischer Herkunft, ins Exil flieht. Zuerst lebt sie in Paris, dann ab 1941 in New York, wo sie 1975 stirbt. 1937 aus Deutschland ausgebürgert, ist sie längere Zeit staatenlos, erhält dann 1951 die Staatsbürgerschaft der USA. Arendt hatte in Deutschland bei Martin Heidegger und Karl Jaspers Philosophie studiert. Zeit ihres Lebens bewegte sie das Jahrtausende wirkende Beziehungsgeflecht von Philosophie, Geschichte und Literatur.
Die dichtende Sprache der Lyrik, der Erzählung, aber auch die poetische Philosophie von Nietzsche und Heidegger sprechen sie an. Es gibt kaum eine zeitgenössische Autorin, in deren theoretischem Werk so häufig literarische Texte herangezogen werden. Nur von den Dichtern erwarten wir Wahrheit (nicht von den Philosophen, von denen wir Gedachtes erwarten ), schreibt sie 1954 in ihr Denktagebuch. In ihrer Studie über den Totalitarismus, Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, 1951 in englischer Sprache verfasst, 1955 auf deutsch erschienen, gibt sie eine Zusammenschau von NS- und Stalinregime, die nach 1989 neue Brisanz erhielt.
Dieses Werk stützt sich auch auf die Schriftsteller Marcel Proust, Joseph Conrad und Franz Kafka. In ihre Vita activa, die sie in den Olymp der Philosophen brachte, was sie selbst nie für sich in Anspruch nahm, sind zahllose Verse aus Gedichten von Goethe, Fontane, Rilke und Brecht eingeflochten. Arendt verfasste biographische Essays u. a. über Lessing und Brecht. Als Lektorin eines Verlages machte sie die amerikanische Öffentlichkeit mit Wolfskehl, Kafka und Broch bekannt.
Sie war mit Schriftstellern befreundet, regte sie zum Schreiben an, Gedichte wurden ihr gewidmet, in mehreren Romanen tritt sie verschlüsselt auf. Uwe Johnson, der ihr persönlich begegnet war, setzte ihr in seinen Jahrestagen ein Denkmal. An ihn schrieb sie, dass in der Dichtung noch möglich sei, was im Steinbruch der Traditionsreste, was im geschrumpften Raum der politischen Sprache, die keine großen Erzählungen mehr hervorbringt, nicht mehr gelänge: Generation, Tradition, Geschichten von Kontinenten wie zu einer Erzählung werden zu lassen, einer Erzählung von Urahne, Mutter und Kind. Hier nimmt sie, seit Kindertagen eine leidenschaftliche Leserin, auf Gustav Schwabs Ballade Das Gewitter bezug.
Hannah Arendt war öffentlichkeitsscheu, dennoch eine unglaublich präsente Persönlichkeit, die kontroverse Diskussionen auslöste. Ihre Gedichte reflektieren die wohl turbulentesten Jahre des vergangenen Jahrhunderts aus einer rein persönlichen Perspektive. Dennoch liefern diese biographischen Hinterlassenschaften ein Zeitdokument, das vielschichtige Eindrücke und Stimmungen aufgreift., so äußert sich Stephanie Tölle, die eine Auswahl dieser lyrischen Stimmungsbilder in der Dichterstätte, verwoben mit Briefen und biographischen Angaben, vortragen wird.
Heidelore Kneffel
Autor: nnzAm Samstag, dem 31. Mai 2008, ab 14.30 Uhr wird in der Dichterstätte Sarah Kirsch die politische Philosophin Hannah Arendt (1906 – 1975) als Verfasserin von Versen vorgestellt. Stephanie Tölle, aus Appenrode stammend, studierte in Dresden Germanistik, Politikwissenschaft und Romanistik. Das Thema ihrer Abschlussarbeit lautet: Hannah Arendt als Lyrikerin. Mit ihrer Lesung in Limlingerode möchte sie dazu beitragen, dass die berühmte gelehrte Frau, die als Journalistin, Hochschullehrerin und als Publizistin wirkte, in der Öffentlichkeit auch als Poetin wahrgenommen wird. Etwa 70 Gedichte finden sich in Arendts Hinterlassenschaft, bis dato als eigenständige Publikation nicht erschienen.
Spricht man von Hannah Arendt, so denkt man an ihr politisches Engagement besonders seit 1933, als sie, jüdischer Herkunft, ins Exil flieht. Zuerst lebt sie in Paris, dann ab 1941 in New York, wo sie 1975 stirbt. 1937 aus Deutschland ausgebürgert, ist sie längere Zeit staatenlos, erhält dann 1951 die Staatsbürgerschaft der USA. Arendt hatte in Deutschland bei Martin Heidegger und Karl Jaspers Philosophie studiert. Zeit ihres Lebens bewegte sie das Jahrtausende wirkende Beziehungsgeflecht von Philosophie, Geschichte und Literatur.
Die dichtende Sprache der Lyrik, der Erzählung, aber auch die poetische Philosophie von Nietzsche und Heidegger sprechen sie an. Es gibt kaum eine zeitgenössische Autorin, in deren theoretischem Werk so häufig literarische Texte herangezogen werden. Nur von den Dichtern erwarten wir Wahrheit (nicht von den Philosophen, von denen wir Gedachtes erwarten ), schreibt sie 1954 in ihr Denktagebuch. In ihrer Studie über den Totalitarismus, Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, 1951 in englischer Sprache verfasst, 1955 auf deutsch erschienen, gibt sie eine Zusammenschau von NS- und Stalinregime, die nach 1989 neue Brisanz erhielt.
Dieses Werk stützt sich auch auf die Schriftsteller Marcel Proust, Joseph Conrad und Franz Kafka. In ihre Vita activa, die sie in den Olymp der Philosophen brachte, was sie selbst nie für sich in Anspruch nahm, sind zahllose Verse aus Gedichten von Goethe, Fontane, Rilke und Brecht eingeflochten. Arendt verfasste biographische Essays u. a. über Lessing und Brecht. Als Lektorin eines Verlages machte sie die amerikanische Öffentlichkeit mit Wolfskehl, Kafka und Broch bekannt.
Sie war mit Schriftstellern befreundet, regte sie zum Schreiben an, Gedichte wurden ihr gewidmet, in mehreren Romanen tritt sie verschlüsselt auf. Uwe Johnson, der ihr persönlich begegnet war, setzte ihr in seinen Jahrestagen ein Denkmal. An ihn schrieb sie, dass in der Dichtung noch möglich sei, was im Steinbruch der Traditionsreste, was im geschrumpften Raum der politischen Sprache, die keine großen Erzählungen mehr hervorbringt, nicht mehr gelänge: Generation, Tradition, Geschichten von Kontinenten wie zu einer Erzählung werden zu lassen, einer Erzählung von Urahne, Mutter und Kind. Hier nimmt sie, seit Kindertagen eine leidenschaftliche Leserin, auf Gustav Schwabs Ballade Das Gewitter bezug.
Hannah Arendt war öffentlichkeitsscheu, dennoch eine unglaublich präsente Persönlichkeit, die kontroverse Diskussionen auslöste. Ihre Gedichte reflektieren die wohl turbulentesten Jahre des vergangenen Jahrhunderts aus einer rein persönlichen Perspektive. Dennoch liefern diese biographischen Hinterlassenschaften ein Zeitdokument, das vielschichtige Eindrücke und Stimmungen aufgreift., so äußert sich Stephanie Tölle, die eine Auswahl dieser lyrischen Stimmungsbilder in der Dichterstätte, verwoben mit Briefen und biographischen Angaben, vortragen wird.
Heidelore Kneffel
